{"id":2005,"date":"2014-06-17T00:24:39","date_gmt":"2014-06-16T22:24:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2005"},"modified":"2014-06-17T00:24:39","modified_gmt":"2014-06-16T22:24:39","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-47","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2005","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (47)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Friedrich Gottlieb Klopstocks &#8222;Der doppelte Mitausdruck&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Klopstock hat sich \u00fcber seine Vorstellungen von Dichtung auch dichterisch ge\u00e4u\u00dfert, oft in der Gestalt von Epigrammen. &#8222;Der doppelte Mitausdruck&#8220; ist ein solches Epigramm! Es ist kurz, vier Verse nur, und besteht durchg\u00e4ngig aus Hexametern &#8211; erstaunlich eigentlich, \u00fcblicher w\u00e4re da doch ein doppeltes Distichon gewesen?! Hier jedenfalls der Text:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der doppelte Mitausdruck<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Silbenma\u00df, ich weiche dir nicht, behaupte mich, ziehe<br \/>\nDir mich vor!&#8220; &#8222;Wohlklang, ich liebe das Streiten nicht. Besser<br \/>\nHorchen wir jeder mit wachem Ohr dem Gesetz und vereinen<br \/>\nFest uns. Wir sind alsdann die zweite Seele der Sprache.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun sollte nat\u00fcrlich kurz besprochen werden, worum es Klostock hier geht; aber zuerst m\u00f6chte ich auf eine Lesung dieses St\u00fcckes hinweisen, die auf einer sehr sch\u00f6nen Seite von Fritz Stavenhagen zu finden ist:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/deutschelyrik.de\/index.php\/der-doppelte-mitausdruck.html\" target=\"_blank\">Der doppelte Mitausdruck<\/a><\/p>\n<p>Daran finde ich n\u00e4mlich einiges Bemerkenswertes. Das geht schon in der \u00dcberschrift los, die Stavenhagen f\u00fcr mich so liest:<\/p>\n<p>v \u2014 v v \u2014 \u2014 \u2014<\/p>\n<p>Also bei &#8222;Mitausdruck&#8220; drei ann\u00e4hrend gleichschwere Silben, jedenfalls aber deutlich schwerere als das &#8222;-pel-te&#8220;, wodurch ein sch\u00f6ner Ausdruck entsteht!<\/p>\n<p>Im ersten Vers steht das &#8222;-ma\u00df&#8220; auf einer betonten Stelle, da h\u00e4tte ich mir vielleicht ein wenig mehr Nachdruck gew\u00fcnscht, um das &#8222;\u2014 v \u2014&#8220; noch deutlicher h\u00f6rbar zu machen; aber so geht&#8217;s nat\u00fcrlich auch. Im zweiten Vers wird dem Leser einiges abverlangt, der metrische Aufbau ist wohl dieser:<\/p>\n<p><strong>Dir<\/strong> mich \/ <strong>vor<\/strong>!&#8220; &#8222;Wohl- \/ <strong>klang<\/strong>, ich \/ <strong>lie<\/strong>be das \/ <strong>Strei<\/strong>ten nicht. \/ <strong>Bes<\/strong>ser<\/p>\n<p>\u2014 \u2014 \/ \u2014 \u2014 \/ \u2014 <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> v \/ \u2014 v v \/ \u2014 v v \/ \u2014 v<\/p>\n<p>Also eher &#8222;antik gemessen&#8220; &#8230; Nun fallen die beiden ersten Betonungen auf recht schwache Silben (&#8222;Dir&#8220;, &#8222;vor&#8220;), und das eigentlich sehr schwere und betonte &#8222;Wohl-&#8220; steht in einer Senkungsposition, wodurch sich einer jener ber\u00fcchtigen &#8222;geschleiften Spondeen ergibt. Wie l\u00f6st der Sprecher nun dieses Kuddelmuddel? Sinnig, scheint mir: Er betont &#8222;Dir&#8220; und &#8222;mich&#8220; auf einer H\u00f6he, geht dann, notgedrungen, beim &#8222;vor&#8220; etwas runter (vielleicht eine Kleinigkeit zu weit?!), ehe er das &#8222;Wohl-&#8220; nicht allzustark heraushebt und das &#8222;-klang&#8220; sch\u00f6n streckt, um sie einander anzun\u00e4hern. Der eine &#8222;unantike&#8220; Troch\u00e4us &#8222;\u2014 v&#8220; ist schon von Klopstock so verwandt worden, dass er die Z\u00e4sur enth\u00e4lt und sich durch die Sprechpause &#8222;l\u00e4ngt&#8220;. Also: Trickreich, das alles.<\/p>\n<p>Im dritten Vers ist schade, das die eigentliche Versz\u00e4sur gar nicht h\u00f6rbar gemacht wird. Im vierten Vers h\u00e4tte ich mir das einletende &#8222;Fest&#8220; st\u00e4rker gew\u00fcnscht; passt zum Metrum, passt zum Inhalt.<\/p>\n<p>Genau, der Inhalt &#8230; In Prosa klingt Klopstock, redet er \u00fcber das Machen von Gedichten, so:<\/p>\n<p><em>Erst der Inhalt, hierauf der Ausdruck, das ist Worte, die dasjenige bestimmt bedeuten, was wir damit sagen wollen, indem sie zu dieser Absicht sorgf\u00e4ltig gew\u00e4hlt und geordnet sind; die denjenigen Wohlklang haben, der zu der vorgestellten Sache geh\u00f6rt und die durch die Bewegung, welche ihre L\u00e4ngen und K\u00fcrzen hervorbringt, noch mehr und noch lebhafter dasjenige dedeuten, was sie bedeuten sollen.<\/em><\/p>\n<p>Oder, in zwei knappen S\u00e4tzen:<\/p>\n<p>&#8211; Der Klang der W\u00f6rter ist Mitausdruck.<br \/>\n&#8211; Silbenma\u00df ist Mitausdruck durch Bewegung.<\/p>\n<p>Wobei die &#8222;Bewegung&#8220; f\u00fcr Klopstock immer eine viel wichtigere Rolle gespielt hat als der &#8222;Wohlklang&#8220; &#8211; wenn man&#8217;s recht bedenkt, schimmert das auch durch den Dialog (Klopstock liebte es, in Dialogform zu theoretisieren) des Epigramms durch &#8211; das &#8222;Silbenma\u00df&#8220; beansprucht doch den gr\u00f6\u00dferen und eindrucksvolleren Teil der vier Verse f\u00fcr sich &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Friedrich Gottlieb Klopstocks &#8222;Der doppelte Mitausdruck&#8220; Klopstock hat sich \u00fcber seine Vorstellungen von Dichtung auch dichterisch ge\u00e4u\u00dfert, oft in der Gestalt von Epigrammen. &#8222;Der doppelte Mitausdruck&#8220; ist ein solches Epigramm! 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