{"id":2047,"date":"2014-06-21T00:54:31","date_gmt":"2014-06-20T22:54:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2047"},"modified":"2014-06-21T00:54:31","modified_gmt":"2014-06-20T22:54:31","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-49","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2047","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (49)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lessing rezensiert Bodmers &#8222;Noah&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Sich in Bezug auf den Hexameter mit den Jahren um 1750 zu besch\u00e4ftigen, lohnt sich wirklich, weil da etwas v\u00f6llig neues in die literarische Welt getreten war und viele erst mal gar nicht wussten, was sie damit anfangen sollten. Gotthold Ephraim Lessing rezensierte dabei eines der Nachfolgewerke zu Klopstocks &#8222;Messias&#8220;. Wie immer fand er klare Worte:<\/p>\n<p><em>Leipzig. Allhier ist in der Weidemannischen Buchhandlung herausgekommen: [Johann Jacob Bodmer:] Noah, ein Helden-Gedicht. Frankfurt und Leipzig. 1750. In Okt. 71\/2 Bogen. Man sieht wohl, dass dieser neue Heldendichter den \u00bbMessias\u00ab des Hrn. Klopstocks nachahmen will. Ob es nun gleich scheint, dass er dadurch, wodurch dieser sich so viel Ruhm erworben, sich nicht gleich gro\u00dfen Beifall zu versprechen haben werde, so ist doch nicht zu leugnen, dass viel Z\u00fcge einer erhabenen Dichtungskraft darinne vorkommen. Nur w\u00e4re zu w\u00fcnschen, dass nicht auch so viel sogar matte Stellen mit untergelaufen w\u00e4ren. Von der ganzen Einrichtung k\u00f6nnen wir nichts sagen, weil der Verfasser der neuen Mode, die Heldengedichte st\u00fcckweise herauszugeben, gefolget ist. Wir haben hier nur die 2 ersten B\u00fccher vor uns. \u00dcbrigens ist es auch in den itzo so beliebten reimfreien Hexametern geschrieben. Wir wollen unser Urteil von dem poetisch-pedantischen Eifer wider die Reime bis auf ein andermal versparen, und nur itzo etwas von den Deutschen Hexametern gedenken. Es ist nicht zu leugnen, dass die Deutsche Sprache dieser Versart f\u00e4hig ist: es ist aber auch gewi\u00df, dass sie weit weniger dazu geschickt ist, als die Lateinische und Griechische Sprache. Statt der Beweise wollen wir hier nur die beiden eben erw\u00e4hnten Heldengedichte, den Messias, und den Noah, anf\u00fchren. Kann man etwas h\u00f6ckrichters in einer Sprache h\u00f6ren, als die hexametrische Versart dieser beiden Gedichte? Beleidigt wohl die elendeste Prose empfindliche Ohren so sehr, als hier die best\u00e4ndige Verl\u00e4ngerung der kurzen und Verk\u00fcrzung der langen Sylben? Besonders scheint der Verfasser des Noah keinen Begriff von der Lateinischen Prosodie zu haben. Au\u00dfer dem angezeigten Fehler bringt er die Z\u00e4sur fast niemals an den geh\u00f6rigen Ort. Man lerne also ja bessere Deutsche Hexameter machen, eh man uns diese Versart so mit Gewalt aufdringen will. Ist in den Vossischen Buchl\u00e4den f\u00fcr 4 Gr. zu haben.<\/em><\/p>\n<p>Na das ist ja erstmal nicht so wohlmeinend! Obwohl es in Bezug auf Bodmers Noah gar nicht so unzutreffend ist, dieses &#8222;h\u00f6ckricht&#8220;&#8230; Ich gebe mal ein paar Beispielverse, aus dem achten Gesang &#8211; da, wo eben gerade die Flut losgeht:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich erhellt die Schatten des Tods ein schl\u00e4ngelndes Blitzen;<br \/>\nBreit wie ein Strom, und kreuzend durch alle Zonen des Himmels.<br \/>\nDann folgt die Stimme des Donners mit seeleinschlagendem Schmettern,<br \/>\nStark genug, das Leben in t\u00f6dliches Schweigen zu senken.<br \/>\nItzt zerrei\u00dfen die Knoten der angef\u00fclleten Schl\u00e4uche<br \/>\n\u00dcber den G\u00fcrteln des Lands mit ihren kometischen Wassern,<br \/>\nSch\u00fctten Eimer von Regen herab und str\u00f6mende Kr\u00fcge,<br \/>\nDie stets gossen und stets mehr Wasser im Hinterhalt hatten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich glaube, da h\u00f6rt man schon, dass Bodmer kein H\u00e4ndchen hatte f\u00fcr die Darstellung von Handlung &#8211; eben auch, weil sein Vers recht leblos ist, was mit an der schwammigen Z\u00e4sur liegt: Der Vers pl\u00e4tschert so vor sich hin. Der Schwung einer Sintflut geht im jedenfalls ab &#8230;<\/p>\n<p>Es hat zwar ein bisschen gedauert, aber am Ende haben die Deutschen dann ja auch gelernt, &#8222;bessere deutsche Hexameter zu machen&#8220;. Was Lessing wohl zu folgenden vier Hexametern gesagt h\u00e4tte, die in M\u00f6rikes &#8222;M\u00e4rchen vom sichern Mann&#8220; die Sintflut beschreiben?!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vierzig Tage lang str\u00f6mte der Regen und vierzig N\u00e4chte<br \/>\nAuf die s\u00fcndige Welt, so Tiere wie Menschen ers\u00e4ufend;<br \/>\nEine einzige See war \u00fcber die Lande gegossen,<br \/>\n\u00dcber Gebirg und Tal, und deckte die wolkigen Gipfel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich wei\u00df es nat\u00fcrlich auch nicht, aber ich g\u00f6nne mir den Spa\u00df, anzunehmen, er h\u00e4tte sich, das Buch im Scho\u00df, zufrieden l\u00e4chelnd zur\u00fcckgelehnt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lessing rezensiert Bodmers &#8222;Noah&#8220; Sich in Bezug auf den Hexameter mit den Jahren um 1750 zu besch\u00e4ftigen, lohnt sich wirklich, weil da etwas v\u00f6llig neues in die literarische Welt getreten war und viele erst mal gar nicht wussten, was sie damit anfangen sollten. 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