{"id":2062,"date":"2014-06-23T01:43:55","date_gmt":"2014-06-22T23:43:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2062"},"modified":"2014-06-23T20:05:48","modified_gmt":"2014-06-23T18:05:48","slug":"die-bewegungsschule-26","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2062","title":{"rendered":"Die Bewegungsschule (26)"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;ta <strong>TAM TAM<\/strong> ta&#8220;. Es gibt einen antiken Vers, der diese besondere Bewegung zu seinem Markenzeichen gemacht hat: den sogenannten &#8222;Hinkiambus&#8220;. Das ist ein abgewandelter Trimeter. Die Silben eines Trimeters wechseln regelm\u00e4\u00dfig zwischen &#8222;ta&#8220; und &#8222;<strong>TAM<\/strong>&#8222;:<\/p>\n<p>ta <strong>TAM <\/strong>ta<strong> <strong>TAM <\/strong><\/strong>ta<strong><strong> <strong>TAM <\/strong><\/strong><\/strong>ta<strong><strong><strong> <strong>TAM <\/strong><\/strong><\/strong><\/strong>ta<strong><strong><strong><strong> <strong>TAM <\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong>ta<strong><strong><strong><strong><strong> <strong>TAM <\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Beim Hinkiambus vertauschen sich dagegen die letzten beiden Silben:<\/p>\n<p>ta <strong>TAM <\/strong>ta<strong> <strong>TAM <\/strong><\/strong>ta<strong><strong> <strong>TAM <\/strong><\/strong><\/strong>ta<strong><strong><strong> <strong>TAM <\/strong><\/strong><\/strong><\/strong>ta<strong><strong><strong><strong> <strong>TAM<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><strong><strong><strong><strong><strong> <strong>TAM <\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong>ta<\/p>\n<p>&#8211; Und damit ist das &#8222;ta <strong>TAM TAM<\/strong> ta&#8220; im Vers! Als Beispiel w\u00e4hle ich einige Verse aus &#8222;Der Hausgarten&#8220; von David Friedrich Strau\u00df:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich liebe nicht die k\u00fcnstlich warmen Treibh\u00e4user,<br \/>\nNicht Azaleen oder andre Prachtblumen;<br \/>\nMein Sinn ist, ich gesteh es, etwas altmodisch;<br \/>\nEr geht auf Rosen, aber nur auf einfache,<br \/>\nAuf braune Nelken, deren Duft das Hirn st\u00e4rket,<br \/>\nAuf Silberlilien, deren Hauch das Herz reinigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier ist die besondere Schlussbewegung, das &#8222;ta <strong>TAM TAM<\/strong> ta&#8220;, verschieden gestaltet und auch verschieden stark ausgepr\u00e4gt! Am deutlichsten klingt es in den letzten beiden Versen auf:<\/p>\n<p>Auf<strong> brau<\/strong>ne <strong>Nel<\/strong>ken, <strong>de<\/strong>ren <strong>Duft<\/strong> das <strong>Hirn st\u00e4r<\/strong>ket,<br \/>\nAuf <strong>Sil<\/strong>ber<strong>lil<\/strong>ien, <strong>de<\/strong>ren <strong>Hauch<\/strong> das <strong>Herz<\/strong> <strong>rei<\/strong>nigt.<\/p>\n<p>Das <strong>Hirn st\u00e4r<\/strong>ket, das <strong>Hirn<\/strong> <strong>rei<\/strong>nigt: &#8222;ta <strong>TAM TAM<\/strong> ta&#8220;. Weniger deutlich, aber immer noch vernehmbar ist die Bewegung in zusammengesetzten W\u00f6rtern der Art &#8222;<strong>TAM<\/strong> TAM ta&#8220; &#8211; die zweite Silbe ist zwar um einiges &#8222;leichter&#8220; als die erste, aber auch um einiges &#8222;schwerer&#8220; als die dritte!<\/p>\n<p>Ich <strong>lie<\/strong>be <strong>nicht<\/strong> die <strong>k\u00fcnst<\/strong>lich <strong>war<\/strong>men <strong>Treib-h\u00e4u<\/strong>ser,<\/p>\n<p>Obwohl vernehmbar, kommt die Bewegungslinie sicher besser heraus, wenn der Vortragende das &#8222;-<strong>h\u00e4u<\/strong>-&#8220; ein wenig st\u00e4rker betont, als er es unter gew\u00f6hnlichen Umst\u00e4nden t\u00e4te?! Was aber auch gut machbar ist! Auf eine solche &#8222;Hilfe von au\u00dfen&#8220;<em> angewiesen<\/em> ist dagegen dieser Vers:<\/p>\n<p>Er <strong>geht<\/strong> auf <strong>Ro<\/strong>sen, <strong>a<\/strong>ber <strong>nur<\/strong> auf <strong>ein-fach<\/strong>e,<\/p>\n<p>&#8211; Das &#8222;ta <strong>TAM TAM<\/strong> ta&#8220; mithilfe eines Wortes wie &#8222;einfache&#8220; h\u00f6rbar zu machen, braucht einigen Vorwand, beziehungsweise die Kenntnis des Versma\u00dfes?! Das aber pr\u00e4gt sich sicherlich ein, je weiter der Text vorankommt; und deswegen kann Strau\u00df das Gedicht auch mit diesen drei Versen schlie\u00dfen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wen ich mir in die Laube w\u00fcnschte, wohl wei\u00df ichs,<br \/>\nO G\u00f6tter, habt ihr Ohren, Herzen? Wie k\u00f6nnt ihr,<br \/>\nWas ihr doch f\u00fcreinander schuft, getrennt halten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das &#8222;wohl&#8220;, das &#8222;Wie&#8220; &#8222;schwer&#8220; zu lesen, ist un\u00fcblich, passt aber gut zum Inhalt und entspricht der inzwischen verinnerlichten Versbewegung. Und w\u00e4hrend die Sinneinheiten der ersten beiden Verse am Schluss ein &#8222;<strong>TAM TAM<\/strong> ta&#8220; &#8211; &#8222;wohl wei\u00df ichs&#8220;, &#8222;Wie k\u00f6nnt ihr&#8220; &#8211; ins Ohr des H\u00f6rers rufen, bringt der Schlussvers noch einmal ein reines &#8222;ta <strong>TAM TAM<\/strong> ta&#8220; zu Geh\u00f6r: &#8222;getrennt halten&#8220;.<\/p>\n<p>Insgesamt ist ein Hinkiambus nicht einfach zu schreiben; er hat aber eine sehr herausgehobene Bewegungslinie und macht viel Eindruck. Wer sich an ihm versuchen m\u00f6chte, wird einigen Spa\u00df mit diesem alten Vers haben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;ta TAM TAM ta&#8220;. Es gibt einen antiken Vers, der diese besondere Bewegung zu seinem Markenzeichen gemacht hat: den sogenannten &#8222;Hinkiambus&#8220;. Das ist ein abgewandelter Trimeter. 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