{"id":2078,"date":"2014-06-25T00:34:41","date_gmt":"2014-06-24T22:34:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2078"},"modified":"2014-06-25T00:34:41","modified_gmt":"2014-06-24T22:34:41","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-50","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2078","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (50)"},"content":{"rendered":"<p>Als ich vor Zeiten in &#8222;Herders Konversationslexikon&#8220; von 1855 las, dass Johann Ladislaus Pyrker (1772 &#8211; 1847) zu den wenigen geh\u00f6rt, denen &#8222;sch\u00f6ne deutsche Hexameter&#8220; gelungen sind, habe ich mich flugs seines Epos &#8222;Tunisias&#8220; bem\u00e4chtigt. Und, oh je: Es wurde eine b\u00f6se Qu\u00e4lerei. Dieser Abschnitt steht ganz am Anfang des ersten Gesangs:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sehe den Kaiser zuerst, im Sturm des Donnergesch\u00fctzes,<br \/>\nWerfen des Feindes Schiffheersmacht in den brausenden Abgrund;<br \/>\nDann ihn, laut umjauchzt von Tausenden, landen vor Tunis,<br \/>\nSchimmern die Fahne des Siegs von Goletta, vom blutigen Schlachtfeld<br \/>\nFliehen den Feind, und dort in dem Staub die entfesselten Sklaven<br \/>\nKnien, und netzen des Retters Hand mit gl\u00fchenden Tr\u00e4nen,<br \/>\nDer, o Wonne, sie heim in das Vaterland, und entgegen<br \/>\nSegnenden Lieben f\u00fchrt aus Schmach, und Qual, und Verzweiflung!<br \/>\nO wie bebt mir die Brust: herauf aus den Tiefen des Herzens<br \/>\nStr\u00f6mt der Gesang, und k\u00fcndet der Taten erhab&#8217;ne Vollendung!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das klingt einfach verquast. Ich kann es aber, bis auf die offensichtlichen Aussetzer wie &#8222;o Wonne&#8220;, nicht wirklich in Worte fassen &#8230; Wie gut, dass es andere schon getan haben! Zum Beispiel August Sauer in der &#8222;Allgemeinen Deutschen Biographie&#8220; &#8211; eine Auswahl:<\/p>\n<p>&#8211;<em> Pyrker erhebt die H\u00e4nde zu den Kr\u00e4nzen Homers und Virgils; aber nur d\u00fcrre Bl\u00e4tter daraus sind ihm zugefallen.<\/em><br \/>\n<em> &#8211; In der Darstellung des t\u00e4glichen Lebens wird er leicht geschmacklos; So f\u00e4llt er oft und leicht aus dem Erhabenen ins L\u00e4cherliche.<\/em><br \/>\n<em> &#8211; Neben manchen sch\u00f6nen und treffenden Vergleichen eine gro\u00dfe Anzahl weithergeholter, hinkender, geschraubter, ja komisch wirkender.<\/em><br \/>\n<em> &#8211; Vers und Sprache, an Klopstock, noch mehr aber an den sp\u00e4teren Auflagen der Vo\u00df\u2019schen Homer\u00fcbersetzung geschult, d\u00fcrfen kaum mehr als das Lob einer steifen Korrektheit in Anspruch nehmen.<\/em><br \/>\n<em> &#8211; So hat Pryker unter all seinen Dichtungen nicht ein einziges Kunstwerk hinterlassen.<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Nicht ein einziges&#8220;. Aua. Aber ich habe zumindest bei Pyrkers Hexametern bisher noch keinen Grund gehabt, diese Einsch\u00e4tzung anzuzweifeln.<\/p>\n<p>Irgendwie hatten mich Pyrkers Verse an eine Stelle in H\u00f6lderlins &#8222;Archipelagus&#8220; erinnert, obwohl die inhaltlichen Gemeinsamkeiten eigentlich gar nicht so gro\u00df sind. Ich glaube, ein Vergleich ist ziemlich lohnend, um zu erkennen, wie man&#8217;s machen kann; und wie eben nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber in schwindelnden Traum vom Liede des Tages gesungen,<br \/>\nRollt der K\u00f6nig den Blick; irrl\u00e4chelnd \u00fcber den Ausgang<br \/>\nDroht er, und fleht, und frohlockt, und sendet, wie Blitze, die Boten.<br \/>\nDoch er sendet umsonst, es kehret keiner ihm wieder.<br \/>\nBlutige Boten, Erschlagne des Heers, und berstende Schiffe<br \/>\nWirft die R\u00e4cherin ihm zahllos, die donnernde Woge<br \/>\nVor den Thron, wo er sitzt am bebenden Ufer, der Arme<br \/>\nSchauend die Flucht, und fort in die fliehende Menge gerissen,<br \/>\nEilt er, ihn treibt der Gott, es treibt sein irrend Geschwader<br \/>\n\u00dcber die Fluten der Gott, der spottend sein eitel Geschmeid ihm<br \/>\nEndlich zerschlug und den Schwachen erreicht&#8216; in der drohenden R\u00fcstung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der damals gelobte Pyrker ist heute vergessen, der lange vergessene H\u00f6lderlin gilt heute als einer der gr\u00f6\u00dften Dichter. So geht das &#8230; Wie hie\u00df es noch mal in einem von Klopstocks Hexametern?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Langsam reift die Entscheidung der Nachwelt \u00fcber ein Kunstwerk.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich vor Zeiten in &#8222;Herders Konversationslexikon&#8220; von 1855 las, dass Johann Ladislaus Pyrker (1772 &#8211; 1847) zu den wenigen geh\u00f6rt, denen &#8222;sch\u00f6ne deutsche Hexameter&#8220; gelungen sind, habe ich mich flugs seines Epos &#8222;Tunisias&#8220; bem\u00e4chtigt. Und, oh je: Es wurde eine b\u00f6se Qu\u00e4lerei. 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