{"id":2111,"date":"2014-06-30T00:25:47","date_gmt":"2014-06-29T22:25:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2111"},"modified":"2015-11-22T16:11:01","modified_gmt":"2015-11-22T14:11:01","slug":"erzaehlverse-der-blankvers-34","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2111","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Blankvers (34)"},"content":{"rendered":"<p>In &#8222;Der iambische Trimeter (9)&#8220; habe ich einige Verse aus Gerhart Hauptmanns &#8222;Kaiser Maxens Brautfahrt&#8220; vorgestellt; Dabei war die Wirkung erstaunlich, die aus dem Nebeneinander der gew\u00e4hlten, &#8222;normdeutschen&#8220; Ausdrucksweise des Kaisers und dem Dialekt der Bergb\u00e4uerin sich ergab.<\/p>\n<p>In Marie von Ebner-Eschenbachs &#8222;Die Erdbeerfrau&#8220; tritt genau dieselbe Wirkung ein zwischen den Versen des Normdeutsch sprechenden &#8222;Ich&#8220; und der Dialekt sprechenden &#8222;d\u00fcrren Alten&#8220;, nur, dass es diesmal ein Gedicht ist und keine &#8222;szenische Dichtung&#8220;; und Blankverse verwendet werden statt der Trimeter. Ein Auschnitt aus dem l\u00e4ngeren Text:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Gsund bin i, Gott sei Dank!&#8220;, schloss sie vergn\u00fcgt,<br \/>\nund zwinkert&#8216; nach den glutums\u00e4umten Bergen<br \/>\nvoll Liebe hin, &#8222;und hon aa koani Sorgn.&#8220;<br \/>\n&#8222;Im Sommer, doch wie sieht&#8217;s im Winter aus?&#8220;<br \/>\n&#8222;Mit Gottes Gnad, halt so, a bi\u00dfl wiescht,<br \/>\nma hofft halt immer, da\u00df bal Fr\u00fchling wird.<br \/>\nAn Oaschicks bringt ihm scho so kloanweis furt.&#8220;<br \/>\n&#8222;Das ist der Trost der Einsamen,&#8220; sagt&#8216; ich,<br \/>\n&#8222;wie Ihr es seid, vielleicht von jeher wart?&#8220;<\/p>\n<p>Gutm\u00fctig, heitren Spotts zuckt sie die Achseln.<br \/>\nOb meines Irrtums. &#8222;Na, von jeher nit,<br \/>\ni hon amal a sch\u00f6ns Awesn gheit&#8216;<br \/>\nan braven Mo, f\u00fcnf Kinder &#8211; ja amal!&#8220;<br \/>\n&#8222;F\u00fcnf Kinder? Hab und Gut? Und steht allein<br \/>\nund arm jetzt in der Welt? &#8230; Wie ging das zu?&#8220;<br \/>\n&#8222;No, schiefri ebba. &#8217;s Ungl\u00fcck hat uns hoamgsucht,<br \/>\nverbrunna san mer aa&#8220;, gab sie zur Antwort<br \/>\nund schien zu denken: Ei, was k\u00fcmmert&#8217;s dich?<br \/>\nDoch m\u00e4hlich eines Bessern sich besinnend,<br \/>\nhob leise seufzend sie von neuem an:<br \/>\n&#8222;Vor dreizehn Jahren &#8211; wartens &#8211; na, vor achtzehn,<br \/>\nja wirkli, achtzehn &#8211; wie die Zeit vergeht!<br \/>\nDa is bei uns das gro\u00dfi Feuer gwest.<br \/>\nIn d&#8217;Tenna eigschlagn hat der Blitz vom Himmi &#8211;<br \/>\nund voll mit Troad wies war, so is verbrunnen,<br \/>\nund aa der Mo, sechs K\u00fch, zwoa Kinder, alls<br \/>\nverbrunna.&#8220;<br \/>\n&#8222;Wie? Verbrannt?!&#8220;<br \/>\n&#8222;Ja, ja, verbrennt.<br \/>\nMi selba hat der Nachbar no am Zopf,<br \/>\nder damal armsdick war &#8211; wer m\u00f6cht dees glaubn? &#8211;<br \/>\nherauszerrt aus die lichtrlohn Flammen.<br \/>\nDie Gloabiger hon si den Grund biholten,<br \/>\nund wiar i gangn, wiar i gstandn bin,<br \/>\nso bin i von der Brandgst\u00e4tt weiterzogn.&#8220;<br \/>\n&#8222;Mit Euren Kindern?&#8220;<br \/>\n&#8222;Jo, mit denen drei,<br \/>\ndie \u00fcbri bliebn san, zwoa Diendln und<br \/>\nan kloan Buebn&#8220;, entgegnet sie gelassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Wie?&#8220; m\u00f6chte ich hier und da auch fragen &#8211; ob ich alles verstanden habe, wei\u00df ich nicht wirklich &#8230; Aber das allermeiste doch, und auch eine Bewegungslinie finde ich f\u00fcr die meisten Verse; nur bei einigen ist es schwierig:<\/p>\n<p>herauszerrt aus die lichtrlohn Flammen.<\/p>\n<p>her<strong>aus<\/strong>&#8211;<strong>zerrt<\/strong> aus die <strong>lichtr<\/strong>&#8211;<strong>lohn<\/strong> <strong>Flam<\/strong>men.<\/p>\n<p>Vielleicht?! Dann w\u00e4re der Vers, wie vom Blankvers verlangt, f\u00fcnfhebig. Oder ist er doch blo\u00df vierhebig? Schon erstaunlich, wie hilflos man ist, wenn man den Klang der Worte nicht im Ohr hat &#8230;<\/p>\n<p>Jedenfalls eine bermerkenswerte Art von Blankversen. Auch wenn ich als eher Norddeutscher bei allem Wollen fremdle &#8211; es ist immer wieder erstaunlich, was dieser Vers f\u00fcr M\u00f6glichkeiten hat!<\/p>\n<p>Ein Vergleich mit Hauptmanns Trimetern lohnt sich sicher auch. Wer mag &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In &#8222;Der iambische Trimeter (9)&#8220; habe ich einige Verse aus Gerhart Hauptmanns &#8222;Kaiser Maxens Brautfahrt&#8220; vorgestellt; Dabei war die Wirkung erstaunlich, die aus dem Nebeneinander der gew\u00e4hlten, &#8222;normdeutschen&#8220; Ausdrucksweise des Kaisers und dem Dialekt der Bergb\u00e4uerin sich ergab. In Marie von Ebner-Eschenbachs &#8222;Die Erdbeerfrau&#8220; tritt genau dieselbe Wirkung ein zwischen den Versen des Normdeutsch sprechenden&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2111\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlverse: Der Blankvers (34)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-2111","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2111","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2111"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2111\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5468,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2111\/revisions\/5468"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2111"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2111"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2111"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}