{"id":2154,"date":"2014-07-05T00:28:44","date_gmt":"2014-07-04T22:28:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2154"},"modified":"2014-07-05T18:58:02","modified_gmt":"2014-07-05T16:58:02","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-53","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2154","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (53)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Rheinfall im Hexameter<\/strong><\/p>\n<p>In Paul\u00a0 Heyses hier vorgestellter &#8222;Thekla&#8220; donnerte ein Gewitter; in Anton Wildgans&#8216; &#8222;Kirbisch&#8220; war ein hochgehendes Munitionslager der Grund des Donners. Eine dritte M\u00f6glichkeit, es im Gedicht donnern zu lassen, ist ein Wasserfall, oder genauer: der Rheinfall bei Schaffhausen. Ein vergleichender Blick lohnt sich!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Friedrich Leopold Stolberg, aus: Hymne an die Erde<\/strong><\/p>\n<p>O wie st\u00fcrzt er donnernd herab beim hallenden Laufen!<br \/>\nUnter ihm beben die Felsen; die gr\u00fcnlichen Wogen verh\u00fcllen<br \/>\nSich in gl\u00e4nzenden Schaum; der staunende Waller vernimmt nicht<br \/>\nSeiner eignen Bewundrung Geschrei, und heilige Schauer<br \/>\nFassen ihn, wie sie die Felsen und zitternden Tannen ergreifen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sichere Hexameter, schon, aber doch in der Darstellung ein wenig schlicht, meiner Meinung nach. Dem nicht un\u00e4hnlich der zweite Fall:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Johann Caspar Lavater, aus: Der Rheinfall bei Schaffhausen<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #ffff99\">.\u00a0\u00a0\u00a0<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8230; \u00fcber die Felsen<br \/>\nBraust, im Wellengewitter, ein immer donnernder Donner!<br \/>\nSchauernd staun&#8216; ich euch an, ihr rufenden Wogengew\u00f6lke,<br \/>\nIhr verschlingt mir den Odem; ihr raubt den Lippen die Stimme!<br \/>\nUnter dir zittert die Erde; der Fels bebt; pr\u00e4chtiger Aufruhr!<br \/>\nWer, wer z\u00e4umt ihn, den Strom, wer stellt die Brust ihm entgegen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein &#8222;donnernder Donner&#8220; also. Hm. Felsen gibt es wie vorher bei Stolberg und im folgenden bei M\u00f6rike &#8211; es d\u00fcrfte aber auch schwer sein, darauf zu verzichten. Und zittert bei Stolberg die Tanne, ist es bei Lavater die Erde und bei M\u00f6rike das Herz: auch das Zittern also unverzichtbar, scheint&#8217;s, ebenso wie die geraubte Stimme \/ das nicht vernommene Geschrei \/ der nicht geh\u00f6rte Wutschrei?!<\/p>\n<p>Beim dritten Fall, M\u00f6rikes Text, muss ich ein wenig schummeln &#8211; es sind n\u00e4mlich Distichen, und da ist ja nur jeder zweite Vers ein Hexameter. Ich finde aber, das Gedicht ist so gelungen, dass es hier nicht fehlen darf!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eduard M\u00f6rike, Am Rheinfall<\/strong><\/p>\n<p>Halte dein Herz, o Wanderer, fest in gewaltigen H\u00e4nden!<br \/>\nMir entst\u00fcrzte vor Lust zitternd das meinige fast.<br \/>\nRastlos donnernde Massen auf donnernde Massen geworfen,<br \/>\nOhr und Auge, wohin retten sie sich im Tumult?<br \/>\nWahrlich, den eigenen Wutschrei h\u00f6rete nicht der Gigant hier,<br \/>\nL\u00e4g er, vom Himmel gest\u00fcrzt, unten am Felsen gekr\u00fcmmt!<br \/>\nRosse der G\u00f6tter, im Schwung, eins \u00fcber dem R\u00fccken des andern,<br \/>\nSt\u00fcrmen herunter und streun silberne M\u00e4hnen umher;<br \/>\nHerrliche Leiber, unz\u00e4hlbare, folgen sich, nimmer dieselben,<br \/>\nEwig dieselbigen &#8211; wer wartet das Ende wohl aus?<br \/>\nAngst umzieht dir den Busen mit eins und, wie du es denkest,<br \/>\n\u00dcber das Haupt st\u00fcrzt dir krachend das Himmelsgew\u00f6lb!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Leicht mythologisch angehaucht, schafft es M\u00f6rike, die &#8222;Wogen&#8220; Stolbergs und Lavaters zu vermeiden, und stattdessen &#8222;Rossen der G\u00f6tter&#8220; einen wunderbar schwungvollen Auftritt zu geben! Sogar so schwungvoll, dass bei manchen Versen die vom Versbau her verlangte Z\u00e4surierung arg ins Wanken ger\u00e4t; aber das st\u00f6rt hier gar nicht &#8230; ( Wer mag, kann ja besonders die Hexameter mal daraufhin abklopfen &#8211; &#8222;Wahrlich &#8230;&#8220; ist einer derer, die am meisten zu denken geben.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Rheinfall im Hexameter In Paul\u00a0 Heyses hier vorgestellter &#8222;Thekla&#8220; donnerte ein Gewitter; in Anton Wildgans&#8216; &#8222;Kirbisch&#8220; war ein hochgehendes Munitionslager der Grund des Donners. Eine dritte M\u00f6glichkeit, es im Gedicht donnern zu lassen, ist ein Wasserfall, oder genauer: der Rheinfall bei Schaffhausen. 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