{"id":2163,"date":"2014-07-06T00:19:51","date_gmt":"2014-07-05T22:19:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2163"},"modified":"2014-07-06T10:08:01","modified_gmt":"2014-07-06T08:08:01","slug":"buecher-zum-vers-37","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2163","title":{"rendered":"B\u00fccher zum Vers (37)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lutz Walther (Hrsg.): Antike Mythen und ihre Rezeption. Ein Lexikon.<\/strong><\/p>\n<p>Das hat nun im eigentlichen wenig mit Versen zu tun; trotzdem ist es ein gelungener und hilfreicher Band, in dem verschiedene Verfasser etwa f\u00fcnf Seiten umfassende Texte zu den einzelnen Mythen schreiben. Diese Mythen werden erst kurz vorgestellt, dann wird ihr Weg von der Antike an bis in die europ\u00e4ische Jetzt-Zeit vorgestellt, mit Schwerpunkt auf der deutschen Literatur.<\/p>\n<p>Dichter aller Zeiten haben auf diese antiken Geschichten zur\u00fcckgegriffen, und ich denke, jeder, der heute Texte schreibt, tut gut daran, wenigstens eine Grundvorstellung davon zu haben, was dabei geschaffen worden ist?!<\/p>\n<p>Verse begegnen dem Nachforschenden dabei unausweichlich. Ein Beispiel, auf das in dem 2003 bei Reclam erschienenen, 250 Seiten starken Band eingegangen wird, ist &#8222;Die sterbende Muse&#8220; von Conrad Ferdinand Meyer &#8211; ich stelle einige Verse aus der Mitte des Gedichts vor:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Medusen tr\u00e4umt, dass einen Kranz sie winde,<br \/>\nDer Menschen sch\u00f6ner Liebling, der sie war,<br \/>\nBevor die Stirn der G\u00f6ttin Angebinde<br \/>\nVerschattet ihr mit wirrem Schlangenhaar.<br \/>\nMit den Gespielen glaubt sie noch zu wandern<br \/>\nUnd spendet ihnen lockensch\u00fcttelnd Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>\nIn bl\u00fch\u2019ndem Reigen regt sie mit den Andern<br \/>\nDie freudehellen, die beschwingten F\u00fc\u00dfe,<br \/>\nIhr Antlitz hat vergessen, da\u00df es t\u00f6dte,<br \/>\nEs glaubt, es glaubt an die barmherz\u2019ge L\u00fcge<br \/>\nDes Traums. Es lauscht dem Hauch der Hirtenfl\u00f6te,<br \/>\nDer weich melodisch zieht durch seine Z\u00fcge.<br \/>\nEs l\u00e4chelt still, von schwerem Bann befreit,<br \/>\nIn unverlorner erster Lieblichkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dazu schreibt im entsprechenden Eintrag auf Seite 141 Kai Merten:<\/p>\n<p>Zentrales Rezeptionsbeispiel dieser Zeit f\u00fcr die deutschsprachige Literatur ist C. F. Meyers <em>Die sterbende Meduse<\/em>. Das um 1878 entstandene Gedicht ist insofern bemerkenswert, als es den Perspektivwechsel, den Shelly andeutet, erweitert und Medusas innere Welt noch st\u00e4rker in den Blick nimmt. Medusa erinnert sich in einem Traum kurz vor ihrer Enthauptung, dass sie vor ihrer Verfluchung durch Athene der Liebling der Menschen war. Der Tod bedeutet eine Erl\u00f6sung f\u00fcr sie, da sie dadurch in diese Zeit zur\u00fcckkehren kann. Meyer verbindet das Pathos weiblicher Opferung des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts mit einer umfangreichen und originellen Erkundung der Perspektive einer schuldlos Verfluchten. Meyers Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die &#8222;Stimme&#8220; der Medusa macht ihn dabei zu einem Vorl\u00e4ufer feministischer Aneignungen des Mythos im 20. Jahrhundert.<\/p>\n<p>So angenehm wissensvermittelnd liest sich eigentlich der ganze Band, und wer ihn in die Hand nimmt, macht sicherlich\u00a0 nichts falsch!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lutz Walther (Hrsg.): Antike Mythen und ihre Rezeption. Ein Lexikon. Das hat nun im eigentlichen wenig mit Versen zu tun; trotzdem ist es ein gelungener und hilfreicher Band, in dem verschiedene Verfasser etwa f\u00fcnf Seiten umfassende Texte zu den einzelnen Mythen schreiben. 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