{"id":222,"date":"2013-12-17T00:40:00","date_gmt":"2013-12-16T22:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=222"},"modified":"2014-01-11T22:20:47","modified_gmt":"2014-01-11T20:20:47","slug":"klopstocks-schulter-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=222","title":{"rendered":"Klopstocks Schulter &#8211; Sieben"},"content":{"rendered":"<p><strong>Klopstock sagt:<\/strong><\/p>\n<p>Es ist \u00fcberhaupt nicht leicht, die Bewegung des Silbenma\u00dfes ihren Tanz so halten zu lassen, dass man sie in Wendungen leitet, die weder Anstrengung noch Schw\u00e4che zeigen, und ihren Zeitausdruck und Tonverhalt mit gleichem Schritt fortf\u00fchrt. Ich nenne dies vollendete metrische Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<p><strong>Tanz. Ist Versbewegung Tanz? Ist Dichtung Tanz?<\/strong><\/p>\n<p>Klopstock lokalisiert das Musikalische der Rede allein in Takt-, Zeit- und Betonungsverh\u00e4ltnissen, nicht aber in deren klanglicher Substanz. Der Tanz nun ist eine solche musikalisch-rhythmische Bewegung ohne Klang.\u00a0 Zwar wird er meistens von Klang begleitet, unabdingbar ist eine solche Begleitung aber nicht. Zumal auf zugefrorenen B\u00e4chen oder Seen f\u00e4llt sie in der Regel fort: auch deshalb ist der stumme Tanz auf dem Eis ein ideales Paradigma der Klopstockschen Poesie. (Winfried Menninghaus)<\/p>\n<p><strong>Schlittschuhlaufen. Schlittschuhlaufen und Dichtung?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Goethe<\/strong>, Dichtung und Wahrheit:<\/p>\n<p>Besonders aber tat sich, bei eintretendem Winter, eine neue Welt vor uns auf, indem ich mich zum Schlittschuhfahren, welches ich nie versucht hatte, rasch entschloss und es in kurzer Zeit durch \u00dcbung, Nachdenken und Beharrlichkeit so weit brachte, als n\u00f6tig ist, um eine frohe und belebte Eisbahn mit zu genie\u00dfen, ohne sich gerade auszeichnen zu wollen.<\/p>\n<p>Diese neue, frohe T\u00e4tigkeit waren wir denn auch Klopstock schuldig, seinem Enthusiasmus f\u00fcr diese gl\u00fcckliche Bewegung, den Privatnachrichten best\u00e4tigten, wenn seine Oden davon ein unverwerfliches Zeugnis ablegen. Ich erinnere mich ganz genau, dass, an einem heiteren Frostmorgen ich, aus dem Bett springend, mir jene Stellen zurief:<\/p>\n<p><em>Schon von dem Gef\u00fchl der Gesundheit froh,<\/em><br \/>\n<em> Hab\u2019 ich, weit hinab, wei\u00df an dem Gestade gemacht<\/em><br \/>\n<em> Den bedeckenden Kristall.<\/em><\/p>\n<p><em>Wie erhellt des Winters werdender Tag<\/em><br \/>\n<em> Sanft den See! Gl\u00e4nzenden Reif, Sternen gleich,<\/em><br \/>\n<em> Streute die Nacht \u00fcber ihn aus!<\/em><\/p>\n<p>Mein zaudernder und schwankender Entschluss war sogleich bestimmt, und ich flog str\u00e4cklings dem Ort zu, wo ein so alter Anf\u00e4nger mit einiger Schicklichkeit seine ersten \u00dcbungen anstellen konnte. Und f\u00fcrwahr! Diese Kraft\u00e4u\u00dferung verdiente wohl von Klopstock empfohlen zu werden, die uns mit der frischesten Kindheit in Ber\u00fchrung setzt, den J\u00fcngling seiner Gelenkheit ganz zu genie\u00dfen aufruft und ein stockendes Alter abzuwehren geeignet ist. Auch hingen wir dieser Lust unm\u00e4\u00dfig nach. Einen herrlichen Sonnentag so auf dem Eis zu verbringen, gen\u00fcgte uns nicht; wir setzten unsere Bewegung bis sp\u00e4t in die Nacht fort. Denn wie andere Anstrengungen den Leib erm\u00fcden, so verleiht ihm diese eine immer neue Schwungkraft. Der \u00fcber den n\u00e4chtlichen, weiten, zu Eisfeldern \u00fcberfrorenen Wiesen aus den Wolken hervortretende Vollmond, die unserm Lauf entgegens\u00e4uselnde Nachtluft, des bei abnehmendem Wasser sich senkenden Eises ernsthafter Donner, unserer eigenen Bewegungen sonderbarer Nachhall vergegenw\u00e4rtigten uns Ossiansche Szenen ganz vollkommen. Bald dieser, bald jener Freund lie\u00df in deklamatorischem Halbgesang eine Klopstocksche Ode ert\u00f6nen, und wenn wir uns im D\u00e4mmerlicht zusammenfanden, erscholl das ungeheuchelte Lob des Stifters unserer Freuden:<\/p>\n<p><em>Und sollte der unsterblich nicht sein,<\/em><br \/>\n<em> Der Gesundheit uns und Freuden erfand,<\/em><br \/>\n<em> Die das Ross mutig im Lauf niemals gab,<\/em><br \/>\n<em> Welche der Ball selber nicht hat?<\/em><\/p>\n<p>Solchen Dank verdient sich ein Mann, der irgendein irdisches Tun durch geistige Anregung zu veredeln und w\u00fcrdig zu verbreiten wei\u00df!<\/p>\n<p><strong>Eis, Tanz &amp; Deklamatorischer Halbgesang<\/strong><\/p>\n<p>An Wohllaut und Melodie ist die nach-Klopstocksche Lyrik den ebenso spr\u00f6den wie enthusiastischen [Klopstockschen] Oden weit \u00fcberlegen; als metrischer Tanz bewahren diese dagegen einen exzeptionellen Rang, unreduzierbar auf eine blo\u00dfe Vermittlerrolle, extrem und einzigartig in der deutschen Verskunst. (Winfried Menninghaus)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klopstock sagt: Es ist \u00fcberhaupt nicht leicht, die Bewegung des Silbenma\u00dfes ihren Tanz so halten zu lassen, dass man sie in Wendungen leitet, die weder Anstrengung noch Schw\u00e4che zeigen, und ihren Zeitausdruck und Tonverhalt mit gleichem Schritt fortf\u00fchrt. Ich nenne dies vollendete metrische Sch\u00f6nheit. Tanz. Ist Versbewegung Tanz? Ist Dichtung Tanz? Klopstock lokalisiert das Musikalische&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=222\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Klopstocks Schulter &#8211; Sieben<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-222","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/222","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=222"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/222\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":535,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/222\/revisions\/535"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=222"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=222"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=222"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}