{"id":2332,"date":"2014-07-26T01:11:39","date_gmt":"2014-07-25T23:11:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2332"},"modified":"2014-07-26T10:46:00","modified_gmt":"2014-07-26T08:46:00","slug":"erzaehlformen-das-distichon-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2332","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (10)"},"content":{"rendered":"<p>Josef Weinheber war ein \u00e4u\u00dferst formbewusster Dichter; das merkt man seinen Distichen sehr deutlich an. Zum Beispiel denen aus &#8222;Vom Gedicht&#8220;, zu finden im zweiten Band von Weinhebers s\u00e4mtlichen Werken, erschienen 1954 bei M\u00fcller; dort zu finden auf Seite 581.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8230; aber das H\u00f6chste zu tun, was Menschen zu wirken erlaubt ist,<br \/>\nauszusprechen sich selbst, sch\u00f6n, in der reinen Gestalt:<br \/>\nLebe die Sprache daf\u00fcr!Und kommst du in f\u00fcrchtiger Andacht<br \/>\nn\u00e4her dem Wesen, dem Satz, f\u00fcge sich Rhythmus und Reim!<br \/>\nF\u00fchl: Schon pochts in den Fingern. Es pulst das Blut dieser Erde,<br \/>\ndoch der Geist \u00fcberh\u00f6hts in die beseelte Natur.<br \/>\nSo befiehlt es die Kunst. Noch untergr\u00fcndig und ferne,<br \/>\ndoch der Sterne gewiss, naht, was geheim: Das Gedicht.<br \/>\nInniger ruft es dich auf, das Menschliche menschlich zu schauen,<br \/>\nund das getrennte Geschlecht eint es in himmlischer Luft.<br \/>\nF\u00fchl im Gleichklang des Reims die nie erh\u00f6rte Umarmung,<br \/>\nScho\u00df an Scho\u00df die Gewalt neu sich geb\u00e4render Welt!<br \/>\nDenn es ist das Gedicht gewaltig, doch keimhaft am Anfang,<br \/>\nund \u00c4onen bedarf&#8217;s, eh es zum Gleichnisse reift.<br \/>\nK\u00f6niglich lebt es alsdann. Ihm danken verlorene Menschen,<br \/>\nSonst durch Welten getrennt, Wiedersehn, Eintracht, Bestehn.<br \/>\nL\u00e4sst dich das Melos nicht schlafen, Tonfall verkl\u00e4rtester Liebe,<br \/>\ntr\u00e4um dir die Sch\u00f6nste herbei, leg ihr dein Gl\u00fcck auf das Haupt!<br \/>\nLeg ihr zu F\u00fc\u00dfen dein Herz, damit gesammelt verbliebe<br \/>\nUr-Glanz, den schrecklich die Zeit, ach, unsern Herzen geraubt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die &#8222;drei Punkte&#8220; bedeuten nicht, dass da schon etwas gestanden hat, das ich weggelassen habe; so geht der Text bei Weinheber los.<\/p>\n<p>Das erste Distichon habe ich schon immer gemocht &#8211; es k\u00f6nnte auch als einzelnes Epigramm stehen!<\/p>\n<p>Das ist kein Zufall: Jedes der zehn Distichen ist in sich abgeschlossen, es gibt keinen einzigen Zeilensprung! Dadurch \u00a0bekommt der ganze Text etwas festes, ruhendes &#8230; Etwas schweres, auch, was durch die vielen &#8222;gro\u00dfen&#8220; Worte noch verst\u00e4rkt wird &#8211; erst recht, wenn sie in einer Aufz\u00e4hlung einander folgen: &#8222;Wiedersehn, Eintracht, Besten&#8220;. \u00a0Insgesamt aber schon sch\u00f6ne Verse!<\/p>\n<p>Inhaltlich f\u00e4llt auf, wie selbstverst\u00e4ndlich Weinheber mit Hilfe von Distichen, die ja niemals nie nicht gereimt werden, \u00fcber den Reim redet; das klingt ein wenig eigenartig, erst recht, da sich zum Schluss, in den letzten beiden Distichen, pl\u00f6tzlich doch Hexameter und Pentameter reimen! Na, ist ja auch ein gutes Beispiel, warum das nicht geht, eigentlich: Entweder baut ein Vers auf der Bewegung auf, dann achtet das Ohr auf die Bewegungslinie und damit den ganzen Vers; oder auf dem Reim, dann gilt die Aufmerksamkeit dem Versende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Josef Weinheber war ein \u00e4u\u00dferst formbewusster Dichter; das merkt man seinen Distichen sehr deutlich an. 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