{"id":2337,"date":"2014-07-27T00:07:03","date_gmt":"2014-07-26T22:07:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2337"},"modified":"2016-08-07T07:42:50","modified_gmt":"2016-08-07T05:42:50","slug":"buecher-zum-vers-40","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2337","title":{"rendered":"B\u00fccher zum Vers (40)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wolfgang Binder: H\u00f6lderlin-Aufs\u00e4tze<\/strong><\/p>\n<p>Erschienen 1970 bei Fischer, versammelt dieser Band &#8222;w\u00e4hrend zwanzig Jahren entstandene&#8220; Aufs\u00e4tze Binders. Die meisten haben nichts mit den vom<strong> Verserz\u00e4hler<\/strong> verhandelten Dingen zu tun; lesen kann man sie aber trotzdem, mehr \u00fcber H\u00f6lderlin zu wissen ist immer gut!<\/p>\n<p>Die erste &#8222;Abhandlung&#8220; zum Beispiel tr\u00e4gt den Titel &#8222;H\u00f6lderlins Dichtung im Zeitalter des Idealismus&#8220;, und dort findet sich dieses H\u00f6lderlin-Zitat aus dem &#8222;Hyperion&#8220; mit anschlie\u00dfender Erl\u00e4uterung (S. 12):<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Natur war Priesterin und der Mensch ihr Gott, und alles Leben in ihr und jede Gestalt und jeder Ton von ihr nur Ein begeistertes Echo des Herrlichen, dem sie geh\u00f6rte.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Ein zweifach aufschlussreicher Satz. Denn die idealistische Umkehrung der Wirklichkeit &#8211; die Natur ist das Echo des Menschen, nicht dieser das Echo der Natur &#8211; und die Stilisierung der Sprache zu melodischer, fast rhythmischer, gleichsam durchsichtiger und dennoch genauer Form bedingen einander.<\/em><\/p>\n<p>Hm. &#8222;Fast&#8220; rhythmisch?! Ich wei\u00df nicht, aus welchem Grund H\u00f6lderlin das &#8222;Ein&#8220; mitten im Satz gro\u00dfgeschrieben haben wollte &#8211; zus\u00e4tzliche Betonung? W\u00fcrde passen &#8230; Jedenfalls &amp; eigenartigerweise beginnt genau da ein Hexameter, der bis zum Schluss des Satzes geht:<\/p>\n<p><strong>Ein<\/strong> be- \/ <strong>geis<\/strong>tertes \/ <strong>Ech<\/strong>o <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> des \/ <strong>Herr<\/strong>lichen, \/ <strong>dem<\/strong> sie ge- \/ <strong>h\u00f6r<\/strong>te.<\/p>\n<p>&#8230; Und ein Hexameter ist ja nicht nur &#8222;fast&#8220; rhythmisch; sondern <strong>sehr<\/strong> rhythmisch! (Wobei die Frage bleibt, ob H\u00f6lderlin da einen Hexameter im Kopf hatte &#8230; Fast alle seiner <em>in Gedichten<\/em> erscheinenden Hexameter haben die Z\u00e4sur nach einer betonten Silbe; der hier nicht!)<\/p>\n<p>\u00c4h &#8230; Ja. Das sind Dinge, da wird das Ohr aufmerksam; aber vielleicht entsteht so auch ein Eindruck, wie Binder schreibt.<\/p>\n<p>Der Grund, aus dem ich hier auf diesen Band zu sprechen komme, ist allerdings der zweite Text: &#8222;H\u00f6lderlins Odenstrophe&#8220;. Da ist zum einen zu erfahren, wie die &#8222;alk\u00e4ische Odenstrophe&#8220; und die &#8222;sklepiadeische Odenstrophe&#8220; &#8211; wenn H\u00f6lderlin Oden geschrieben hat, dann fast ausschlie\u00dflich in diesen beiden Strophen &#8211; aussehen, wie ihr inneres Gef\u00fcge gestaltet ist, welche Inhalte mit ihnen besser, welche schlechter vermittelbar sind; und dann, wie sich all das in H\u00f6lderlins Gedichten wiederfindet. Es sind nur 30 Seiten, die aber trotzdem eine F\u00fclle an Erkenntnissen bieten!<\/p>\n<p>Binder f\u00fchrt zum Beispiel (S. 61) eine asklepiadeische Strophe an, die H\u00f6lderlin sp\u00e4ter in eine alk\u00e4ische Strophe umgeschrieben hat:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wohl ist eng begrenzt unsere Lebenszeit,<br \/>\nUnserer Jahre Zahl sehen und z\u00e4hlen wir,<br \/>\nDoch die Jahre der V\u00f6lker,<br \/>\nSah ein sterbliches Auge sie?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie eng begrenzt ist unsere Tageszeit,<br \/>\nDu warst und sahst und stauntest, schon Abend ists,<br \/>\nNun schlafe, wo unendlich ferne<br \/>\nZiehen vor\u00fcber der V\u00f6lker Jahre.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die askl. Form ersch\u00f6pft den Gedanken in ausf\u00fchrlicher, begrifflicher Antithese, der die grammatische Form entspricht (&#8222;Wohl&#8220; &#8211; &#8222;Doch&#8220;). Die alk. ben\u00fctzt ihn nur als Auftakt im ersten Vers und entwickelt daraus sogleich das indivuduelle Beispiel in der Zeit.<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Sagt Binder (immer noch S. 61), und f\u00fchrt dann aus, aus welchen Gr\u00fcnden ihm das kein Zufall, sondern im Wesen der jeweiligen Strophe begr\u00fcndet zu sein scheint.<\/p>\n<p>Alles sehr anregend und zum Nachlesen empfohlen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Binder: H\u00f6lderlin-Aufs\u00e4tze Erschienen 1970 bei Fischer, versammelt dieser Band &#8222;w\u00e4hrend zwanzig Jahren entstandene&#8220; Aufs\u00e4tze Binders. Die meisten haben nichts mit den vom Verserz\u00e4hler verhandelten Dingen zu tun; lesen kann man sie aber trotzdem, mehr \u00fcber H\u00f6lderlin zu wissen ist immer gut! 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