{"id":2389,"date":"2014-08-01T00:52:30","date_gmt":"2014-07-31T22:52:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2389"},"modified":"2014-08-02T23:02:24","modified_gmt":"2014-08-02T21:02:24","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-58","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2389","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (58)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Justus Friedrich Wilhelm Zachari\u00e4: &#8222;Murner in der H\u00f6lle&#8220; (1)<\/strong><\/p>\n<p>Zachari\u00e4s &#8222;komisches Epos&#8220; erschien 1757; da war der Hexameter noch niegelnagelneu, Klopstock hatte ihn keine zehn Jahre zuvor in der deutschen Dichtung heimisch gemacht mit den ersten Ges\u00e4ngen seines &#8222;Messias&#8220;. Dementsprechend klingen die Verse dieser ersten Hexameter-Zeit noch ungehobelt und wenig rund; aber eben auch frisch und unverbraucht. Ich gehe hier die f\u00fcnf Ges\u00e4nge einen nach dem anderen durch und gebe aus jedem einige Verse, das sollte einen guten Eindruck erm\u00f6glichen?!<\/p>\n<p>Der erste Gesamg beginnt, wie es sich f\u00fcr ein sich auf die Antike berufendes Epos geh\u00f6rt: mit einer Musenanrufung!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Singe, scherzende Muse, die gro\u00dfen heroischen Taten,<br \/>\nUnd den kl\u00e4glichen Tod von einem unsterblichen Kater;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Womit schon einmal klar ist, was den Leser erwartet. Im weiteren lernt er die &#8222;holde Rosaura&#8220; kennen, die in einem alten Schloss wohnt mit ihrem Onkel Raban und einer Zofe; und nicht nur das:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit ihr wohnten in einem Gemach zwei gesellige Tiere,<br \/>\nCyper, ein fleckiger Kater, und ein geschw\u00e4tziges Papchen,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eben dieser Kanarienvogel bringt mit seiner Geschw\u00e4tzigkeit die Geschichte ins Rollen, denn &#8222;eine der Furien&#8220; &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wollte die Oberwelt jetzt mit der finstern H\u00f6lle vertauschen,<br \/>\nUnd flog, scheu\u00dflich und schwarz, auf einer stinkenden Wolke,<br \/>\nBei Rosaurens Fenster vorbei. Ihr plauderndes Papchen<br \/>\nSa\u00df im dr\u00e4hternen Haus, und rief laut schimpfend: Du Scheusal!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Nicht die kl\u00fcgste Bemerkung einer G\u00f6ttin gegen\u00fcber?! Die Furie, Alekto, nimmt es auch gleich pers\u00f6nlich und hetzt den schlafenden Kater im Traum gegen das Papchen auf, bis:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Also sagte die h\u00f6llische G\u00f6ttin. Der Kater erwachte,<br \/>\nSah mit funkelnden Augen umher und br\u00fcllte nach Blute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er springt auf den K\u00e4fig des Papen, Raban bemerkt es:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eben hatte der h\u00e4usliche Greis den knotigen Dornstock,<br \/>\nSeinen Feldstab, in zitternder Hand; kaum sah er den Kater<br \/>\n\u00dcber den K\u00e4fig geklammert, so schlug er mit m\u00e4nnlichen Kr\u00e4ften<br \/>\nSeiner Nichte Liebling auf&#8217;s Haupt. Die grausame Parze<br \/>\nSchnitt sein neunfaches Leben entzwei, und Cyper, entseelet,<br \/>\nFiel vom K\u00e4fig, der K\u00e4fig auf ihn, und \u00fcber den K\u00e4fig<br \/>\nSt\u00fcrzte der Alte; vom donnernden L\u00e4rm erbebte das Zimmer!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das erinnert mich irgendwie an Loriot &#8230; Als wieder alle bei Sinnen sind, wird der Tod des Katers tr\u00e4nenreich beklagt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und die Zofe heulete lauter: Der arme Cyper!<br \/>\nUnd das Fr\u00e4ulein antwortete schluchzend: Der arme Cyper!<br \/>\nCyper! rufte die Wand, und Cyper! Cyper! der Pape,<br \/>\nWelcher dem Feind im Tode vergab. Die Furie sah es<br \/>\nVoller h\u00f6llischen Fr\u00f6hlichkeit an, und st\u00fcrzte sich zischend<br \/>\nDurch die verdunkelte Luft, und sank in die Fluten des Orkus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum die Furie nun trotz verfehlter Absicht &#8211; der Pape lebt noch &#8211; so fr\u00f6hlich ist, hm &#8230; Wahrscheinlich eine ganz allgemeine Freude am Unheil?!<\/p>\n<p>Das jedenfalls war der erste Gesang. Zu Zachari\u00e4s Hexameter sage ich dann in den folgenden Ges\u00e4ngen etwas; hier nur der Hinweis auf die Inanspruchnahme einer &#8222;metrischen Lizenz&#8220;, das eigentlich vorgeschriebene &#8222;X x x \/ X x&#8220; des Vers-Schlusses wird durch ein &#8222;X x \/ X x&#8220; ersetzt: &#8222;armer Cyper&#8220;, in den gezeigten Versen zweimal und kurz davor schon einmal; was sicher eine deutliche Hervorhebung bedeutet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Justus Friedrich Wilhelm Zachari\u00e4: &#8222;Murner in der H\u00f6lle&#8220; (1) Zachari\u00e4s &#8222;komisches Epos&#8220; erschien 1757; da war der Hexameter noch niegelnagelneu, Klopstock hatte ihn keine zehn Jahre zuvor in der deutschen Dichtung heimisch gemacht mit den ersten Ges\u00e4ngen seines &#8222;Messias&#8220;. 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