{"id":2526,"date":"2014-08-19T00:31:28","date_gmt":"2014-08-18T22:31:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2526"},"modified":"2014-08-19T00:31:28","modified_gmt":"2014-08-18T22:31:28","slug":"erzaehlverse-der-trochaeische-vierheber-28","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2526","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der troch\u00e4ische Vierheber (28)"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Tage wird viel geschrieben \u00fcber den Beginn des ersten Weltkriegs vor hundert Jahren. Ich lese im Augenblick auch in dieser Richtung, n\u00e4mlich &#8222;Schreib das auf, Kisch!&#8220;, das Kriegstagebuch von Egon Erwin Kisch, erschienen 2014 im Aufbau Verlag. Auf Seite 172, im Eintrag zum 27. Oktober 1914, findet sich dieser Abschnitt, der beschreibt, was in eroberten serbischen Stellungen gefunden wird:<\/p>\n<p><em>Massenhaft Munitionsverschl\u00e4ge, Handbomben, Maschinengewehre, Tornister, Brots\u00e4cke, Decken, Laibe von Kukuruzbrot, leere Feldfalschen und K\u00fcrbisse haben sie zur\u00fcckgelassen, Zeltbl\u00e4tter, zerbrochene Gewehre, Opanken. Wir durchsuchen die Deckungen. Alles zeugt von Not und Elend. Bei uns w\u00fcrde man doch hier und da Reste verschwundener Pracht, geleerte Rumflaschen, eine Wursthaut, Speckschwarte, einen fetten Deckel der Menageschale oder geleerte Konservenb\u00fcchsen finden. Hier aber nur erloschene Herdfeuer Herdfeuer mit faulen K\u00fcrnisschalen und Reste von Maisk\u00f6rnern.<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Und da klang mir ein troch\u00e4ischer Vierheber kr\u00e4ftigst heraus:<\/p>\n<p><em>Alles zeugt von Not und Elend.<\/em><\/p>\n<p>Ein Satz, der aufgrund seiner Bewegung und seines Klangs ohne weiteres in einem aus Vierhebern bestehenden Gedicht stehen k\u00f6nnte &#8211; mit Gewinn?! Und sogar genug Kraft hat, zumindestens f\u00fcr mich, die anderen S\u00e4tze zu sich zu zwingen &#8211;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Serben sind verwundet worden,<br \/>\nViele Serben, und sie betteln<br \/>\nNun um Brot, um Speck, um Tabak;<br \/>\nUnd bekommens, <em>denn da dr\u00fcben<br \/>\nScheint das Elend gro\u00df zu sein<\/em> &#8230;<\/p>\n<p>Wir durchsuchen manche Deckung &#8211;<br \/>\nW\u00e4ren&#8217;s unsre, f\u00e4nden Reste<br \/>\nLange schon verschwundner Pracht sich,<br \/>\nHier und da: geleerte Flaschen,<br \/>\neine Wursthaut und der fette<br \/>\nDeckel der Menageschale,<br \/>\nUnd, geleert, Konservenb\u00fcchsen;<br \/>\nNichts davon! Erloschne Feuer,<br \/>\nK\u00fcrbisschalen, alt und faulig,<br \/>\nEin paar K\u00f6rner Mais, nichts weiter:<br \/>\n<em>Alles zeugt von Not und Elend.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die kursiven anderthalb Verse des ersten Abschnittes stehen so bei Kisch, eigenartigerweise auch sie von &#8222;Elend&#8220; gef\u00fcllt?! Nun passt nicht alles in diese Vierheber, aber schon erstaunlich, wie gut der Inhalt sich diesem einen Vers entsprechend formt.<\/p>\n<p>Wobei das alles nur eine Spielerei ist, die Kisch mir nachsehen wird, wie ich hoffe, milde l\u00e4chelnd \u00fcber meine Begeisterung f\u00fcr Bewegungslinien. Sein Kriegstagebuch lese ich jedenfalls gern und aufmerksam, mit der bei solchen Texten wahrscheinlich unvermeidlichen Mischung aus Neugier und Beklemmung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Tage wird viel geschrieben \u00fcber den Beginn des ersten Weltkriegs vor hundert Jahren. Ich lese im Augenblick auch in dieser Richtung, n\u00e4mlich &#8222;Schreib das auf, Kisch!&#8220;, das Kriegstagebuch von Egon Erwin Kisch, erschienen 2014 im Aufbau Verlag. Auf Seite 172, im Eintrag zum 27. 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