{"id":2532,"date":"2014-08-20T00:16:32","date_gmt":"2014-08-19T22:16:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2532"},"modified":"2014-08-22T10:59:00","modified_gmt":"2014-08-22T08:59:00","slug":"erzaehlformen-das-madrigal-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2532","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Madrigal (5)"},"content":{"rendered":"<p>Christoph Martin Wieland kam schon in<strong> (1)<\/strong> kurz zu Wort, mit einigen Versen aus seinem &#8222;Sommerm\u00e4rchen&#8220;. Die allerdings sind oft sehr kurz, Zwei- oder gar Einheber; in den meisten seiner Verserz\u00e4hlungen nutzt Wieland aber l\u00e4ngere Verse! Seine &#8222;Hauptform&#8220; m\u00f6chte ich hier vorstellen. Dabei verwendet Wieland drei verschiedene iambische Verse &#8211;<\/p>\n<p><strong>Vierheber<\/strong>:<\/p>\n<p>x X \/ x X \/ x X \/ x X \/ (x)<\/p>\n<p><strong>F\u00fcnfheber<\/strong>:<\/p>\n<p>x X \/ x X <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> x X \/ x X \/ x X \/ (x)<\/p>\n<p><strong>Sechsheber<\/strong>:<\/p>\n<p>x X \/ x X \/ x X <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> x X \/ x X \/ x X \/ (x)<\/p>\n<p>Besonders wichtig sind dabei die festen Z\u00e4suren der F\u00fcnf- und der Sechsheber. Im Falle der Sechsheber sitzt die Z\u00e4sur genau in der Mitte des Verses, was die Verse als &#8222;Alexandriner&#8220; ausweist; im Falle der F\u00fcnfheber sitzt die Z\u00e4sur hinter der vierten Silbe. Diese Z\u00e4sur unterscheidet den Vers beachtlich vom Blankvers, der ja &#8222;frei z\u00e4suriert&#8220; ist! Als Beispiel hier der Anfang von &#8222;Pervonte, oder: Die W\u00fcnsche&#8220;:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es war einmal, ich denke zu Salern,<br \/>\nEin K\u00f6nig, namens &#8211; ja! die Namen!<br \/>\nDie Namen, die vergess ich gar zu gern!<br \/>\nAm Ende sind&#8217;s ja auch nur Rahmen<br \/>\nUnd Schalen, &#8211; das Gem\u00e4ld, der Kern<br \/>\nMacht alles aus. Nennt ihn Astolfo, Holofern,<br \/>\nHengst oder Horst &#8211; genug dass in Salern<br \/>\nIhm niemand gern den Preis der Sch\u00f6nheit streitig machte.<br \/>\nWas mancher in geheim vor seinem Spielgel dachte,<br \/>\nGing zollfrei durch. Indessen, wie es geht,<br \/>\nKam eine Zeit, und kam mit schnellen Fl\u00fcgeln,<br \/>\nWorin bei seiner Majest\u00e4t<br \/>\nVon allen einst so <em>treudevoten<\/em> Spiegeln<br \/>\nNicht einer mehr den Dienst so gut wie sonst versah.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie sieht es aus mit den Z\u00e4suren der F\u00fcnfheber? Gleich im ersten Vers gibt es im Vortrag keine Schwierigkeiten, Vers- und Satzeinschnitt entsprechen sich:<\/p>\n<p>Es <strong>war<\/strong> \/ ein<strong>mal<\/strong>, <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> ich <strong>den<\/strong>&#8211; \/ ke <strong>zu<\/strong> \/ Sa<strong>lern<\/strong>,<\/p>\n<p>Gleich der n\u00e4chste F\u00fcnfheber birgt allerdings einige Schwierigkeiten!<\/p>\n<p>Die <strong>Na<\/strong>&#8211; \/ men, <strong>die<\/strong> <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> ver<strong>gess<\/strong> \/ ich <strong>gar<\/strong> \/ zu <strong>gern<\/strong>!<\/p>\n<p>&#8211; Die Satzpause liegt hinter der dritten Silbe, die Verspause aber nach der vierten Silbe.\u00a0 Was nun? Das h\u00e4ngt vom jeweiligen Vortragenden ab, die Verspause nach der vierten Silbe sollte aber auf jeden Fall in irgendeiner Form verwirklicht werden! Ich bitte, es durch Selbersprechen auszuprobieren: wird nur die Satzpause gelesen, wirkt die zweite Versh\u00e4lfte schlaff und tr\u00fcb, wird auch die VErspause verwirklicht (auch durch eine L\u00e4ngung \/ Hervorhebung des &#8222;die&#8220;), bewegt sich die entstehende zweite Versh\u00e4lfte viel klarer und bestimmter!<\/p>\n<p>Jedenfalls, wie auch immer die L\u00f6sung sich anh\u00f6ren mag &#8211; die Z\u00e4sur ist da, und als Vortragender muss man sich zu ihr verhalten, irgendwie: sie herausstellen, sie abschw\u00e4chen, sie umspielen, sie vielleicht auch, als Ausnahme!, missachten &#8211; alles ist m\u00f6glich, solange der Vers von diesem Gelenk aus gedacht wird.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich, wenn im vorgestellten Abschnitt auch nicht so deutlich bemerkbar, verh\u00e4lt es sich mit den Alexandrinern.<\/p>\n<p>Macht <strong>al<\/strong>&#8211; \/ les <strong>aus<\/strong>. \/ Nennt <strong>ihn<\/strong> <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> As<strong>tol<\/strong>&#8211; \/ fo, <strong>Ho<\/strong>&#8211; \/ lo<strong>fern<\/strong>,<\/p>\n<p>Auch hier treten Satzeinschnitt und Verseinschnitt auseinander; h\u00f6rbar gemacht werden m\u00fcssen auch hier beide.<\/p>\n<p>Wenn man Wielands Verse von diesen Z\u00e4suren her denkt und spricht, werden sie erst wirklich lebendig und offenbaren eine unglaubliche Sch\u00f6nheit in der Bewegung, vor ihrer Musikalit\u00e4t gar nicht zu reden! Also unbedingt selbst versuchen, es lohnt sich wie immer, und hier sogar noch etwas mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Martin Wieland kam schon in (1) kurz zu Wort, mit einigen Versen aus seinem &#8222;Sommerm\u00e4rchen&#8220;. Die allerdings sind oft sehr kurz, Zwei- oder gar Einheber; in den meisten seiner Verserz\u00e4hlungen nutzt Wieland aber l\u00e4ngere Verse! Seine &#8222;Hauptform&#8220; m\u00f6chte ich hier vorstellen. 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