{"id":2539,"date":"2014-08-21T00:01:38","date_gmt":"2014-08-20T22:01:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2539"},"modified":"2014-08-21T00:12:20","modified_gmt":"2014-08-20T22:12:20","slug":"erzaehlformen-das-madrigal-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2539","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Madrigal (6)"},"content":{"rendered":"<p>Hier noch ein Vergleichstext zum gestern eingestellten Wieland-Text &#8211; &#8222;Der Milchtopf&#8220; von Johann Benjamin Michaelis, rund ein Jahrzehnt vor &#8222;Pervonte&#8220; entstanden. Michaelis benutzt genau die gleichen drei Verse wie Wieland:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wohl aufgesch\u00fcrzt, mit starken, weiten Schritten,<br \/>\nDen Milchtopf auf dem Kopf, ging Marthe nach der Stadt,<br \/>\nUm ihre Sahne feilzubieten.<br \/>\nWeil doch nun beim Verkauf ein jeder Sorgen hat,<br \/>\nSo \u00fcberdachte sie, was, wenns das Gl\u00fcck ihr g\u00f6nnte,<br \/>\nSie wohl damit gewinnen k\u00f6nnte.<br \/>\nSechs Groschen, dachte sie, gibt mir doch jedermann,<br \/>\nDenn in der Stadt ist alles teuer.<br \/>\nDie streich ich also ein und lege sie mir an<br \/>\nUnd kaufe mir, so weit sie reichen, Eier.<br \/>\nDie bring ich wieder in die Stadt.<br \/>\nDas Gl\u00fcck hat oft sein Spiel! F\u00fcr das, was ich gew\u00e4nne,<br \/>\nKauft\u2019 ich mir lauter H\u00fchner ein.<br \/>\nDann legt mir eine jede Henne;<br \/>\nIch zieh auch dreimal Brut. Wie wird sich Marthe freun,<br \/>\nWenn so viel H\u00fchner um sie flattern<br \/>\nDie soll gewi\u00df kein Fuchs ergattern!<br \/>\nDenn, sind sie gro\u00df genug, so kauf ich mir ein Schwein.<br \/>\nAus K\u00e4lbern, sagt man, werden K\u00fche.<br \/>\nDas Ferklein wird ja gro\u00df; ich spar auch keine M\u00fche,<br \/>\nDie Kleie hab ich schon dazu.<br \/>\nWenn ich das Schwein verkauft, kauf ich mir eine Kuh;<br \/>\nDie wirft ein Kalb, ein Ding voll Mut, voll Feuer!<br \/>\nHe! wie es springt! hopf, Anna Marthe! hopf!<br \/>\nHier springt sie \u2013 Gute Nacht, Kalb, Kuh, Schwein, H\u00fchner, Eier,<br \/>\nDa lag der Topf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das wirkt weniger beweglich als bei Wieland, weniger anmutsvoll &#8211; eher bodenst\u00e4ndig, ein wenig bieder auch?! Was ja als Ton zu der angebotenen Erz\u00e4hlung passt.<\/p>\n<p>F\u00fcnfheber hat der Text insgesamt nur vier; in allen l\u00e4sst Michaelis den Vers- mit einem Satzeinschnitt zusammenfallen, wodurch sich die Verse klar, aber auch ein wenig spannungsarm gliedern; gleich der erste Vers kann als Beispiel dienen:<\/p>\n<p>Wohl <strong>auf<\/strong>&#8211; \/ ge<strong>sch\u00fcrzt<\/strong>, <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> mit <strong>star<\/strong>&#8211; \/ ken, <strong>wei<\/strong>&#8211; \/ ten <strong>Schrit<\/strong>&#8211; \/ ten,<\/p>\n<p>Auch die Alexandriner sind steifer als bei Wieland. Einer, der vorletzte Vers, hebt sich besonders heraus:<\/p>\n<p>Hier <strong>springt<\/strong> \/ sie \u2013 <strong>Gu<\/strong>&#8211; \/ te <strong>Nacht<\/strong>, <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> Kalb, <strong>Kuh<\/strong>, \/ Schwein, <strong>H\u00fch<\/strong>&#8211; \/ ner, <strong>Ei<\/strong>&#8211; \/ er,<\/p>\n<p>Die Art, wie hier nicht nur hebungsf\u00e4hige, sondern fast schon hebungspflichtige einsilbige W\u00f6rter &#8211; &#8222;Kalb&#8220;, &#8222;Schwein&#8220; &#8211; in die Senkung gestellt werden, erinnert an die Alexandriner des Barock, in denen derlei h\u00e4ufig zu h\u00f6ren war?!<\/p>\n<p>Insgesamt lohnt sich sowohl ein genauer, zergliedernder Blick auf Michaelis&#8216; Verse als auch ein Vergleich mit den Versen Wielands. Welche Wirkung hat was? Das l\u00e4sst sich, denke sich, so ganz gut erschlie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier noch ein Vergleichstext zum gestern eingestellten Wieland-Text &#8211; &#8222;Der Milchtopf&#8220; von Johann Benjamin Michaelis, rund ein Jahrzehnt vor &#8222;Pervonte&#8220; entstanden. Michaelis benutzt genau die gleichen drei Verse wie Wieland: &nbsp; Wohl aufgesch\u00fcrzt, mit starken, weiten Schritten, Den Milchtopf auf dem Kopf, ging Marthe nach der Stadt, Um ihre Sahne feilzubieten. 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