{"id":266,"date":"2013-12-17T23:51:40","date_gmt":"2013-12-17T21:51:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=266"},"modified":"2015-05-12T10:04:32","modified_gmt":"2015-05-12T08:04:32","slug":"das-koenigreich-von-sede-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=266","title":{"rendered":"Das K\u00f6nigreich von Sede (7)"},"content":{"rendered":"<p>Aus des alten Waldes Zwielicht<br \/>\nTritt der Dieb mit feinem L\u00e4cheln,<br \/>\nHebt die Hand, beschirmt die Augen<br \/>\nUnd schaut nach den letzten Bergen,<br \/>\nNach dem Pfad, der kaum erkennbar<br \/>\nSich an ihren Flanken windet,<br \/>\nAufw\u00e4rts, immer aufw\u00e4rts, bis er<br \/>\nSich im Wolkendunst verliert &#8211;<br \/>\nNeigt nun seinen Kopf, zu lauschen,<br \/>\nL\u00e4chelt wieder, hebt den Rucksack,<br \/>\nDer enth\u00e4lt, was er ben\u00f6tigt,<br \/>\nAuf die Schultern und strebt eilig<br \/>\nFort vom Wald, den Bergen zu.<\/p>\n<p>Durch des alten Waldes Zwielicht<br \/>\nBrummt der Zorn der schwarzen Bienen,<br \/>\nHierhin fliegen sie und dorthin<br \/>\nAuf der Suche nach dem Honig,<br \/>\nDer aus ihren Waben tropfte,<br \/>\nDen sie horteten, der fort ist,<br \/>\nFrech geraubt; ihr grauer Honig,<br \/>\nSchattens voll, voll Truggespinste,<br \/>\nGrau, doch au\u00dferhalb des Waldes,<br \/>\nDoch im Licht: gl\u00e4nzt er wie Gold.<\/p>\n<p>Aufw\u00e4rts geht der Dieb und weiter<br \/>\nAufw\u00e4rts, in der Berge Flanken<br \/>\nSteigt der Dieb hinauf, bis schlie\u00dflich<br \/>\nSich der Pfad, vom Abendd\u00e4mmern<br \/>\nAufgel\u00f6st, im Nichts verliert.<br \/>\nTotes Holz, am Tag gesammelt,<br \/>\nAuf dem langen Weg gesammelt,<br \/>\nSchichtet er da auf, und Funken<br \/>\nSchl\u00e4gt er aus den Feuersteinen,<br \/>\nBis das Moos glimmt, bis aus Zweigen,<br \/>\nBis um \u00c4ste Feuer steigt.<br \/>\nDaran setzt der Dieb sich, \u00f6ffnet<br \/>\nSeinen Rucksack, nimmt sich K\u00e4se,<br \/>\nGreift zur Flasche, i\u00dft und trinkt;<br \/>\nWartet dann auf einen Toten,<br \/>\nDer zu ihm ans Feuer kommt.<\/p>\n<p>Ast um Ast sinkt funkenspr\u00fchend,<br \/>\nHalbverzehrt von hellen Flammen,<br \/>\nGanz verzehrt nun, Asche nur noch,<br \/>\nNur noch Glut die hellen Flammen &#8211;<br \/>\nSchweigsam ist die Nacht gegangen,<br \/>\nIst fast fort, fast ist es Morgen,<br \/>\nAls zum Dieb, der still und wachsam,<br \/>\nUnbewegt an seinem Feuer,<br \/>\nSeiner Glut, dem Rest der Glut sitzt:<br \/>\nSattelknauf der Krieger tritt.<\/p>\n<p>G\u00e4nzlich grau, ein grauer Schatten,<br \/>\nK\u00f6rperlos; doch in den H\u00e4nden<br \/>\nH\u00e4lt sein Schwert er, grau auch dieses,<br \/>\nAber hart und scharf wie Stahl;<br \/>\nHebt&#8217;s, und dringt mit stummem Schreien<br \/>\nAuf den Dieb ein &#8211; der bemerkt ihn,<br \/>\nDer erhebt sich, aus der Scheide<br \/>\nF\u00e4hrt sein Schwert und ist das gleiche<br \/>\nWie des Geisterkriegers Schwert!<br \/>\nDenn der Dieb hat es gestohlen,<br \/>\nHat es Sattelknauf gestohlen,<br \/>\nEben als die Schlacht der Fr\u00f6sche<br \/>\nAnhob, und die Feinde fanden<br \/>\nSattelknauf, der mit der Scheide,<br \/>\nMit der leeren Scheide k\u00e4mpfte,<br \/>\nF\u00fcnf erschlug und selber starb.<\/p>\n<p>Machtvoll f\u00e4hrt die Geisterklinge,<br \/>\nF\u00e4hrt des Geistes scharfe Klinge<br \/>\nAuf den Dieb hinab, um diesen<br \/>\nMit dem ersten Hieb zu spalten,<br \/>\nIhn vom Scheitel bis zur Sohle<br \/>\nIn der Mitte durchzutrennen &#8211;<br \/>\nDoch er rei\u00dft sein Schwert nach oben,<br \/>\nWehrt den Schlag ab, taumelt, von der<br \/>\nWucht des Schlages durchgesch\u00fcttelt,<br \/>\nR\u00fcckw\u00e4rts, und sein Arm ist taub:<br \/>\nUnd schon folgt des Geisterkriegers<br \/>\nZweiter Hieb, das Schwert des Diebes<br \/>\nRei\u00dft&#8217;s ihm aus der Hand, es wirbelt<br \/>\nNutzlos in die Nacht; der Dieb l\u00e4sst<br \/>\nSich zur Seite fallen, sp\u00fcrt noch,<br \/>\nWie das Geisterschwert ein Ohr ihm,<br \/>\nIhm das rechte Ohr vom Kopf trennt;<br \/>\nLiegt dann wehrlos auf dem R\u00fccken,<br \/>\n\u00dcber ihm der einst bestohl&#8217;ne,<br \/>\n\u00dcber diesem noch das graue<br \/>\nGeisterschwert &#8211; in hohem Bogen<br \/>\nF\u00fchrt es Sattelknauf, zu enden,<br \/>\nWas vor jener Schlacht begann;<br \/>\nDoch auf dieses hohen Bogens<br \/>\nH\u00f6chstem Punkte f\u00e4ngt im Schwert sich,<br \/>\nF\u00e4ngt im grauen Geisterschwert sich<br \/>\nErstes Licht des neuen Morgens,<br \/>\nJener Lichtstrahl, der als erster<br \/>\nDurch der letzten Berge Gipfel<br \/>\nSeinen vorbestimmten Weg fand &#8211;<br \/>\nUnd der Krieger ist verschwunden,<br \/>\nUnd verschwunden ist das Schwert auch,<br \/>\nNichts geblieben als der Schrecken<br \/>\nUnd ein abgetrenntes Ohr.<\/p>\n<p>Dieses nimmt der Dieb und legt es<br \/>\nAchtsam in ein Tuch, verstaut es;<br \/>\nWickelt Stoff um seinen Kopf sich,<br \/>\nSo die Wunde zu verbinden,<br \/>\nNimmt das Schwert und nimmt den Rucksack,<br \/>\nUnd mit wacklig-m\u00fcden Schritten<br \/>\nFolgt dem Pfad er wieder, aufw\u00e4rts,<br \/>\nImmer aufw\u00e4rts in die Berge;<br \/>\nUnd ihm zieht ein leises Summen<br \/>\nDurch den Sch\u00e4del, voll von Zorn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus des alten Waldes Zwielicht Tritt der Dieb mit feinem L\u00e4cheln, Hebt die Hand, beschirmt die Augen Und schaut nach den letzten Bergen, Nach dem Pfad, der kaum erkennbar Sich an ihren Flanken windet, Aufw\u00e4rts, immer aufw\u00e4rts, bis er Sich im Wolkendunst verliert &#8211; Neigt nun seinen Kopf, zu lauschen, L\u00e4chelt wieder, hebt den Rucksack,&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=266\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Das K\u00f6nigreich von Sede (7)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-266","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/266","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=266"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/266\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4425,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/266\/revisions\/4425"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=266"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=266"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=266"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}