{"id":2728,"date":"2014-09-12T00:31:30","date_gmt":"2014-09-11T22:31:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2728"},"modified":"2014-09-21T00:15:53","modified_gmt":"2014-09-20T22:15:53","slug":"erzaehlformen-das-reimpaar-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2728","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Reimpaar (5)"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte im ersten Eintrag zum &#8222;Reimpaar&#8220; erw\u00e4hnt, ich zweifele etwas an seiner Tauglichkeit, heute noch Mittel des verslichen Erz\u00e4hlens sein zu k\u00f6nnen. Einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Annahme sind die &#8222;Altlasten&#8220; dieser Form!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und sieh! und sieh! an wei\u00dfer Wand<br \/>\nDa kam\u2019s hervor wie Menschenhand;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein sehr bekanntes Reimpaar, wie das ganze erz\u00e4hlende Gedicht, aus dem es stammt: &#8222;Belsazar&#8220; von Heinrich Heine. Aber so bekannt es auch ist, andere sind bekannter und zahlreicher:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Helene denkt: &#8222;Dies will ich nun<br \/>\nAuch ganz gewiss nicht wieder tun.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Aus Wilhelm Buschs &#8222;Die fromme Helene&#8220;. Auch das ist sicher ein erz\u00e4hlender Text, aber eher ein heiterer; und mit einem solchen Erz\u00e4hlen wird das Reimpaar, denke ich, auch erst einmal in Verbindung gebracht?! Und wer da im Reimpaar ernst erz\u00e4hlen m\u00f6chte, der entt\u00e4uscht erst einmal Erwartungen und schreibt gegen entt\u00e4uschte Erwartungen an.<\/p>\n<p>Ich stelle daher hier, als winzigkleines Gegengewicht, einen sehr unheiteren Reimpaar-Text vor, &#8222;Schnitzwerk an einem Hochaltar&#8220; von Josef Weinheber, zu finden im zweiten Band von Weinhebers &#8222;Gesammelten Werken&#8220;, erschienen 1954 bei M\u00fcller, auf den Seiten 374 und 375:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit Schatten grau und Flammen rot,<br \/>\ndas Leben hie und hie der Tod,<br \/>\nund Erd und Himmel, sch\u00f6n gestuft,<br \/>\nzum Lob befeuernd, wen es ruft,<br \/>\nund mit Gestalten um und an<br \/>\nund Bildern sinnvoll angetan<br \/>\nund durch und durch von Wundern gro\u00df,<br \/>\nso liegt die Welt in Gottes Scho\u00df,<br \/>\nso steht die Zeit in Gottes Licht,<br \/>\nder K\u00fcnstler, dem das Herz dran bricht,<br \/>\nder Meister, dem die Seel drin schmolz,<br \/>\ner schnitt es frommer Hand ins Holz,<br \/>\nund k\u00f6nigliche Gloria<br \/>\nim Faltenwurfe siehst du da,<br \/>\nund Kron und Zepter schwerer Art<br \/>\nund Angesicht mit Rauschebart,<br \/>\nund Blattwerk, \u00fcppig auferbaut,<br \/>\nso seltsam, wie du&#8217;s nie geschaut,<br \/>\nund Macht, die wissend um die Welt<br \/>\ndas Reich in hohen H\u00e4nden h\u00e4lt.<br \/>\nSei also leise, komm, tritt ein!<br \/>\nHier ruht der Traum bei Brot und Wein,<br \/>\ndas Herz, das fromm und gl\u00e4ubig schmolz,<br \/>\nwill schlafen hier im braunen Holz,<br \/>\nall, was geschehen ist, geschah<br \/>\nin k\u00f6niglicher Gloria,<br \/>\ndie W\u00f6lbung schweigt, die Stille lebt,<br \/>\nsieh, wie der Engel betend schwebt,<br \/>\nzu k\u00fcnden Gottes Kraft und Gunst:<br \/>\nUnd dieses alles durch die Kunst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Text, der einfacher erscheint, als er ist, und dem in seiner Wirkungsweise nachzusp\u00fcren durchaus lohnt; und vor allem ein ernster Text, ganz und gar, wenn auch beschreibend und nicht erz\u00e4hlend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte im ersten Eintrag zum &#8222;Reimpaar&#8220; erw\u00e4hnt, ich zweifele etwas an seiner Tauglichkeit, heute noch Mittel des verslichen Erz\u00e4hlens sein zu k\u00f6nnen. 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