{"id":2761,"date":"2014-09-18T00:01:26","date_gmt":"2014-09-17T22:01:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2761"},"modified":"2014-09-18T00:03:18","modified_gmt":"2014-09-17T22:03:18","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-69","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2761","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (69)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Emil Staigers &#8222;Die Kunst der Interpretation&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Die Kunst der Interpretation. Studien zur deutschen Literaturgeschichte&#8220; ist nun kein Hexameter-Werk, sondern Sekund\u00e4rliteratur; aber ich stelle den Band hier trotzdem einmal vor, weil ich ihn f\u00fcr ein sehr lesens- und empfehlenswertes Buch halte trotz seines schon etwas fortgeschrittenen Alters (erschienen 1955 bei Atlantis).<\/p>\n<p>Nach einem allgemeinen Kapitel zu Fragen der Interpretation folgen ein Briefwechsel zwischen Staiger und Martin Heidegger \u00fcber Eduard M\u00f6rikes &#8222;Auf eine Lampe&#8220; und dann Kapitel zu Werken von Klopstock, Lessing, Wieland, Schiller, Schelling, M\u00f6rike, Kerner, Gotthelf und Meyer; alle beachtenswert. Der Grund f\u00fcr das Auftauchen des Buches hier unter den Hexameter-Eintr\u00e4gen ist aber das Kapitel &#8222;Goethes antike Versma\u00dfe&#8220;, in dem Interessantes sowohl \u00fcber Goethe als auch \u00fcber den Hexameter zu erfahren ist.<\/p>\n<p>Goethe hat zehn Jahre lang hexametrische Dichtung geschrieben. Staiger fragt sich nun, warum nicht vorher, warum gerade in diesen zehn Jahren, und warum nicht mehr danach?<\/p>\n<p>Davor nicht, weil die &#8222;St\u00fcrmer und Dr\u00e4nger&#8220; jedwedes Gesetz zur\u00fcckwiesen, danach nicht, weil Goethe den iambischen Trimeter f\u00fcr sich entdeckt hatte. \u00dcber das &#8222;Dazwischen&#8220; schreibt Staiger, beim &#8222;Eintritt in Weimar&#8220; einsetzend:<\/p>\n<p>&#8222;Die gro\u00dfen Meister dr\u00e4ngen ihn nicht mehr zu au\u00dferordentlichem Gebaren; sie \u00fcberzeugen ihn von dem freundlichen, lebensf\u00f6rdernden Sinn der Muster. Und also befreundet sich Goethe nun auch mit der Autorit\u00e4t des \u00e4ltesten Verses der europ\u00e4ischen Poesie und bewegt sich ungehindert, frei &#8211; in seiner Sprache zu reden &#8211; \u2018mit Behagen\u2018 in dessen Gesetz.&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcr den Hexameter und seine Regeln gilt, so Staiger weiter:<\/p>\n<p>&#8222;Der Zufall des Lebendigen bleibt in zart umrissenen Grenzen gewahrt. Man m\u00f6chte sich an die Verse erinnern:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser sch\u00f6ne Begriff von Macht und Schranken, von Willk\u00fcr<br \/>\nUnd Gesetz, von Freiheit und Ma\u00df, von beweglicher Ordnung,<br \/>\nVorzug und Mangel erfreue dich hoch; die heilige Muse<br \/>\nBringt harmonisch ihn dir, mit sanftem Zwange belehrend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Goethe fasst so die Lehre von der Metamorphose der Tiere zusammen. Beinah jedes Wort aber k\u00f6nnte als Ehrung des Hexameters gelten, mit Fug; denn nach allem erweist sich: der Hexameter ist ein organischer Vers, ein Organismus, wie er in Goethes naturwissenschaftlichen Schriften steht.&#8220;<\/p>\n<p>Die &#8222;Metamorphose der Tiere&#8220; muss ich hier unbedingt auch mal vorstellen; sie hat auch \u00fcber diese vier sehr beeindruckenden Verse hinaus noch vieles zu bieten. Das haben auch Staigers Ausf\u00fchrungen, aber ich belasse es mal bei dem vorgestellten und schlie\u00dfe mit einem von Staiger angef\u00fchrten Zitat Wilhelm von Humboldts:<\/p>\n<p>&#8222;Der urspr\u00fcnglichste und \u00e4lteste Vers der Griechen, der Hexameter, ist zugleich der Inbegriff und der Grundton aller Harmonien des Menschen und der Sch\u00f6pfung.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Vielleicht zu feierlich im Ton&#8220; klingt das f\u00fcr Staiger. Bestimmt; aber auch ziemlich eindrucksvoll &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Emil Staigers &#8222;Die Kunst der Interpretation&#8220; &#8222;Die Kunst der Interpretation. Studien zur deutschen Literaturgeschichte&#8220; ist nun kein Hexameter-Werk, sondern Sekund\u00e4rliteratur; aber ich stelle den Band hier trotzdem einmal vor, weil ich ihn f\u00fcr ein sehr lesens- und empfehlenswertes Buch halte trotz seines schon etwas fortgeschrittenen Alters (erschienen 1955 bei Atlantis). 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