{"id":2794,"date":"2014-09-23T01:10:33","date_gmt":"2014-09-22T23:10:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2794"},"modified":"2014-09-24T11:20:51","modified_gmt":"2014-09-24T09:20:51","slug":"erzaehlformen-das-verspaar-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2794","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Reimpaar (7)"},"content":{"rendered":"<p>Im siebten Band von Johannes R. Bechers gesammelten Werken &#8211; &#8222;Epische Dichtungen&#8220;, Aufbau 1967 &#8211; findet sich auch &#8222;Der Mann, der alles glaubte&#8220;, ein langer Text in Reimpaaren. Das f\u00fcnfte Kapitel beginnt auf Seite 78 so:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>PETER MURX IST EIN EIFRIGER ZEITUNGSLESER<br \/>\nER LIEST SICH DEN KRIEG AN<\/p>\n<p>Die Zeitung trug er stets bei sich,<br \/>\nIn aller Fr\u00fch zur T\u00fcr er schlich<br \/>\nUnd nahm die Zeitung aus dem Spalt.<br \/>\nGleich auf dem Gange macht er Halt<br \/>\nUnd liest schnell jede \u00dcberschrift,<br \/>\nOb&#8217;s nicht was ganz Besonderes gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie f\u00fcr jeden Vers gilt auch f\u00fcr den iambischen Vierheber: Man muss sich Gedanken machen, wie er klingen soll. Wie der letzte Vers zeigt, streut Becher gerne eine zus\u00e4tzliche unbetonte Silbe ein, was aber kaum auff\u00e4llt (und wen es st\u00f6rt, der liest eben &#8222;Besond&#8217;res&#8220;).<\/p>\n<p>Viel gr\u00f6\u00dfere Wirkung hat da schon der Nicht-mehr-Reim &#8222;-schrift&#8220; \/ &#8222;gibt&#8220; &#8230; Auch das ein brauchbares Gestaltungsmittel, selbstredend. Becher macht davon h\u00e4ufiger Gebrauch, etwa auf den Seiten 83 und 84 &#8211; es geht auf den ersten Weltkrieg zu:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich stand auch in dem Blatt,<br \/>\nDass wieder mal gesprochen hatt&#8216;<br \/>\nDer Kaiser und das alle Welt<br \/>\nAufhorcht, wenn eine Red er h\u00e4lt,<br \/>\nSo las er &#8211; dick gedruckt &#8211; &#8222;AM WESEN,<br \/>\nAM DEUTSCHEN, WIRD DIE WELT GENESEN &#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Da springt auf unser Mann, es zieht<br \/>\nIhn m\u00e4chtig hoch, im Spiegel sieht<br \/>\nEr sich, er steht und salutiert<br \/>\nUnd sagt zu sich: &#8222;WIR DEUTSCHEN! WIR!&#8220;<br \/>\nSteht stramm vor seiner Eskadron<br \/>\n&#8211; ein Bild h\u00e4ngt an der Wand davon -,<br \/>\nDann ruft er von der Stra\u00df&#8216; die Buben,<br \/>\nMarschiert mit ihnen durch die Stuben.<br \/>\nEr schwingt &#8211; aus Holz ist er geschnitzt &#8211;<br \/>\nDen S\u00e4bel, dass es nur so blitzt.<br \/>\nDann schnallt er sich die Trommel um<br \/>\nUnd macht auch mit dem Mund: bumbum &#8211;<br \/>\nUnd schreit &#8222;Hurra!&#8220;, st\u00fcrmt in die K\u00fcche,<br \/>\nErobert sie mit grimmen Fl\u00fcchen,<br \/>\nAls Pauke nimmt ein Bub den Topf,<br \/>\nDarauf er mit dem L\u00f6ffel klopft.<br \/>\nDie Mutter stellt sich vors Geschirr,<br \/>\nDer Kriegsl\u00e4rm immer wilder wird.<br \/>\nDie Buben haben Knallpistolen.<br \/>\nZu schie\u00dfen hat er schon befohlen,<br \/>\nUnd wie es gerade schie\u00dfen will &#8211;<br \/>\nDa wird&#8217;s auf einmal still, ganz still.<br \/>\nEs ist, als ob die Luft gerinnt<br \/>\nUnd auf der Stell bleibt stehn der Wind.<br \/>\nEs lehnten sich hinaus die W\u00e4nde,<br \/>\nDamit sie&#8217;s besser h\u00f6ren k\u00f6nnten &#8211;<br \/>\nDer S\u00e4bel, den er hochgeschwenkt,<br \/>\nSich langsam, lautlos niedersenkt &#8211;<br \/>\nUnd jemand ruft, bald fern, bald nah:<br \/>\n&#8222;KRIEG! KRIEG ERKL\u00c4RT! DER KRIEG IST DA!&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Da gibt es gleich drei Reimpaare hintereinander, die unsauber gereimt sind, &#8222;Und schreit &#8230;\u00a0 wilder wird&#8220;, und da gibt Becher, einmal, sogar die Assonanz auf: &#8222;W\u00e4nde \/ k\u00f6nnten&#8220;. Aber ich denke mir, insgesamt wirkt der Text schon einheitlich?! Auch wenn mal der Reim schwach ist oder fehlt, und trotz der oft gewollt gezwungenen Satzstellung hat er eine kr\u00e4ftige Bewegung, die den Leser mitnimmt (und den Sprecher noch viel st\u00e4rker).<\/p>\n<p>&#8222;1. Weltkrieg&#8220; &#8211; &#8222;L\u00e4rm, Aufregung&#8220; &#8211; &#8222;Stille&#8220; &#8211; &#8222;Stimme&#8220;: das gab es, f\u00e4llt mir gerade ein, schon einmal hier beim Verserz\u00e4hler, bei <a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/2014\/06\/01\/erzaehlverse-der-hexameter-43\/\">Hexameter 43<\/a>, wo Anton Wildgans&#8216; &#8222;Kirbisch&#8220; vorgestellt wird. Vielleicht lohnt sich da ein vergleichender Blick, auch darauf, wie sich das Erz\u00e4hlen in der jeweiligen Form gestaltet?!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im siebten Band von Johannes R. Bechers gesammelten Werken &#8211; &#8222;Epische Dichtungen&#8220;, Aufbau 1967 &#8211; findet sich auch &#8222;Der Mann, der alles glaubte&#8220;, ein langer Text in Reimpaaren. 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