{"id":2866,"date":"2014-09-30T00:45:35","date_gmt":"2014-09-29T22:45:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2866"},"modified":"2014-09-30T01:42:23","modified_gmt":"2014-09-29T23:42:23","slug":"erzaehlverse-der-blankvers-44","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2866","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Blankvers (44)"},"content":{"rendered":"<p>Noch einmal Carl Spitteler, diesmal mit einem &#8222;literarischen Gleichnis&#8220;; so ist der Teil seiner gesammelten Werke benannt, in dem sich &#8222;Zwischen Ilias und Odyssee&#8220; findet. Das ist ein, f\u00fcr heutige Ohren und Augen, einigerma\u00dfen eigenartiger Text:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Hier dieser Ausdruck l\u00fcgt. Ich will die Wahrheit.&#8220;<br \/>\nDie Muse sprach es, und Homer gehorchte.<br \/>\nDann stand sie auf. &#8222;Ist&#8217;s m\u00f6glich? Fertig?&#8220; &#8222;Fertig&#8220;,<br \/>\nBejahte sie, &#8222;und sch\u00f6n und gro\u00df und ewig.&#8220;<br \/>\n&#8222;Und ich bin frei?&#8220; &#8222;Du sagst es: frei und ledig.&#8220;<\/p>\n<p>Da sprang er j\u00e4h empor: &#8222;Unmenschliche,<br \/>\nWohlan, vernimm mein Urteil: Jeder Gott<br \/>\nIst gn\u00e4dig, jedes Menschenherz sp\u00fcrt Mitleid,<br \/>\nUnd seines Knechtes misst und schont<br \/>\nSelbst der Tyrann. Nur du f\u00fchlst kein Erbarmen:<br \/>\nSt\u00fcndlich Gewissenssorgen Tag und Nacht<br \/>\nUnd selbst im Traume keine Seelenrast.<br \/>\nVon neuen Bildern stets mein Auge voll<br \/>\nUnd deine Hand erhoben zur Vernichtung.<br \/>\nDrum h\u00f6re meinen Spruch: wir sind geschieden.&#8220;<\/p>\n<p>Nach diesen Worten eilt er freiheitsdurstig<br \/>\nHinunter in die Stadt, ein St\u00fcndchen Freundschaft<br \/>\nZu g\u00f6nnen sich zur Feier der Vollendung.<\/p>\n<p>Doch wie er sp\u00e4t am Abend in sein Zimmer<br \/>\nKehrte zur\u00fcck, da schaut er tr\u00fcb und traurig<br \/>\nZwei lange Stunden auf das ewige, gro\u00dfe,<br \/>\nVollbrachte Werk. &#8222;Und innen auch verwaist,<br \/>\nVerwaist und \u00f6d und leer und einsam. Nirgends<br \/>\nM\u00fchsal zum Trost und Pein und harte Arbeit.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ich bins&#8220;, erwiderte die Muse fl\u00fcsternd,<br \/>\nUnd als er neuerdings den heiligen Schwur<br \/>\nAuf seinen Knien tat und seine Tr\u00e4nen<br \/>\nBenetzten ihre H\u00e4nde: &#8222;Freund, du zagst?&#8220;<br \/>\nFragte sie gnadenvoll. &#8222;Ich zage nicht.<br \/>\nVergib, ich meins nicht, wie ichs weine. Komm,<br \/>\nLass uns beginnen. Du bist mild und gut.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So geht das heute nicht mehr &#8211; auch wenn mit Spitteler hier ein gestandener Nobelpreistr\u00e4ger Vorbild ist. Aber sein ganz eigener Ton ist schon ein Hinh\u00f6ren wert, seine Verse bewegen sich auf eine spr\u00f6de und doch recht anziehende Weise?!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch einmal Carl Spitteler, diesmal mit einem &#8222;literarischen Gleichnis&#8220;; so ist der Teil seiner gesammelten Werke benannt, in dem sich &#8222;Zwischen Ilias und Odyssee&#8220; findet. Das ist ein, f\u00fcr heutige Ohren und Augen, einigerma\u00dfen eigenartiger Text: &nbsp; &#8222;Hier dieser Ausdruck l\u00fcgt. Ich will die Wahrheit.&#8220; Die Muse sprach es, und Homer gehorchte. 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