{"id":2902,"date":"2014-10-05T01:45:00","date_gmt":"2014-10-04T23:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2902"},"modified":"2014-10-05T09:51:53","modified_gmt":"2014-10-05T07:51:53","slug":"erzaehlformen-das-madrigal-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2902","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Madrigal (9)"},"content":{"rendered":"<p>Wieland selbst hat 1771 in der &#8222;Vorrede&#8220; zum &#8222;Neuen Amadis&#8220; die von ihm benutzte\u00a0 Versart so beschrieben:<\/p>\n<p><em>Die Versart des Neuen Amadis hat die Vorteile der meisten \u00fcbrigen, ohne ihre M\u00e4ngel und Unbequemlichkeiten. Sie passt sich an alle Arten von Gegenst\u00e4nden, und an alle Ver\u00e4nderungen des Stils an; sie hat, je nach dem es erforderlich ist, einen gelassenen oder h\u00fcpfenden, einen feierlichen oder muntern, einen eleganten oder nachl\u00e4ssigen Gang; sie windet sich wie ein sanfter Bach durch Blumengefilde, oder rauscht wie ein Waldwasser \u00fcber St\u00e4mme und Felsenst\u00fccke daher; sie scheint beim ersten Anblick zu frei zu sein, um dem Poeten die mindeste M\u00fche zu geben; aber Unge\u00fcbte, welche, ohne feines Gef\u00fchl f\u00fcr Rhythmus und Harmonie, sie nachzuahmen versuchen wollten, m\u00f6chten sich hierin betrogen finden. Alles in der Welt hat seine Regeln; und diese freie Versart, so nahe sie an die Dithyrambische grenzt, hat deren vielleicht mehr als irgend eine andre. Sie ist f\u00e4hig, einem Gedichte die gr\u00f6\u00dfte musikalische Anmut zu geben; aber unter ungeschickten oder allzu nachl\u00e4ssigen H\u00e4nden w\u00fcrde sie ein unertr\u00e4gliches Geleier werden. Die Nachahmer wissen selten, wieviel Kunst und welch ein hartn\u00e4ckiger Flei\u00df oft unter dem Anschein der \u00e4u\u00dfersten Leichtigkeit versteckt ist.<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Da steckt einiges an Nachdenkenswertem drin?! Aber damit wenigstens einige Verse in diesem Eintrag vorkommen, habe ich eine der Stellen herausgesucht, an denen Wieland die \u00e4u\u00dfersten M\u00f6glichkeiten dieser Versart unmittelbar aufeinander folgen l\u00e4sst, den Schluss der zweiten Stanze des 13. Gesangs:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch seine Musik, allein, was das betrifft,<br \/>\nSo k\u00f6nnen wir seinen Geschmack am Bunten und Schweren nicht loben,<br \/>\nDennn uns ist beides Ohrengift.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da geht es wild her: Erst ein f\u00fcnfhebiger Vers von elf Silben, dann ein sechshebiger Vers von siebzehn Silben (achtzehn ist die h\u00f6chstm\u00f6gliche Zahl an Silben!), ehe die Bewegung im dritten Vers auf einen vierhebigen Vers von acht Silben zur\u00fcckf\u00e4llt!<\/p>\n<p>Auch <strong>sei<\/strong>&#8211; \/ ne Mu<strong>sik<\/strong>, <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> al<strong>lein<\/strong>, \/ was <strong>das<\/strong> \/ be<strong>trifft<\/strong>,<br \/>\nSo <strong>k\u00f6n<\/strong>&#8211; \/ nen wir <strong>sei<\/strong>&#8211; \/nen Ge<strong>schmack<\/strong> <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> am <strong>Bun<\/strong>&#8211; \/ ten und <strong>Schwe<\/strong>&#8211; \/ ren nicht <strong>lo<\/strong>&#8211; \/ ben,<br \/>\nDenn <strong>uns<\/strong> \/ ist <strong>bei<\/strong>&#8211; \/ des <strong>Oh<\/strong>&#8211; \/ ren<strong>gift<\/strong>.<\/p>\n<p>x X \/ x x X <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> x X \/ x X \/ x X<br \/>\nx X \/ x x X \/ x x X <span style=\"color: #ff0000\">||<\/span> x X \/ x x X \/ x x X \/ x<br \/>\nx X \/ x X \/ x X \/ x X<\/p>\n<p>Der dritte Vers ist noch nicht einmal halb so lang wie der zweite?! Eigentlich m\u00fcssten solche Verse auseinanderfallen, wie zu verschiedenen Gedichten geh\u00f6rig erscheinen; sie tun es aber nicht, wie die \u00dcberpr\u00fcfung im Vortrag zeigt. Der ist ohnehin unabdingbar, wie auch Wieland anmerkt in seiner Vorrede zu einer neuen Auflage des &#8222;Amadis&#8220; (1794):<\/p>\n<p><em>Denn dass ein Gedicht nicht nur gesehen, sondern auch geh\u00f6rt werden soll, ist etwas so wesentliches, dass man es sich, auch wenn man Verse f\u00fcr sich allein liest, zum Gesetz machen sollte, allezeit laut zu lesen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieland selbst hat 1771 in der &#8222;Vorrede&#8220; zum &#8222;Neuen Amadis&#8220; die von ihm benutzte\u00a0 Versart so beschrieben: Die Versart des Neuen Amadis hat die Vorteile der meisten \u00fcbrigen, ohne ihre M\u00e4ngel und Unbequemlichkeiten. 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