{"id":2956,"date":"2014-10-10T00:29:10","date_gmt":"2014-10-09T22:29:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=2956"},"modified":"2015-10-13T12:39:19","modified_gmt":"2015-10-13T10:39:19","slug":"erzaehlverse-der-blankvers-46","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=2956","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Blankvers (46)"},"content":{"rendered":"<p>Friedrich H\u00f6lderlins &#8222;Hyperion&#8220; sollte man gelesen haben &#8211; auch wenn es ein Prosatext ist. Aber auch H\u00f6lderlins Prosa ist sehr rhythmisch, da f\u00fchlt man sich nicht fremd &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wie unverm\u00f6gend ist doch der gutwilligste Flei\u00df der Menschen gegen die Allmacht der ungeteilten Begeisterung. Sie weilt nicht auf der Oberfl\u00e4che, fasst nicht da und dort uns an, braucht keiner Zeit und keines Mittels; Gebot und Zwang und \u00dcberredung braucht sie nicht; auf allen Seiten, in allen Tiefen und H\u00f6hen ergreift sie im Augenblick uns, und wandelt, ehe sie da ist f\u00fcr uns, ehe wir fragen, wie uns geschiehet, durch und durch in ihre Sch\u00f6nheit, ihre Seligkeit uns um.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Eine meiner Lieblingsstellen. Zum Hyperion gibt es aber auch einen nicht allzulangen &#8222;metrischen Entwurf&#8220; in Blankversen; und daraus m\u00f6chte ich einige Verse vorstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da h\u00f6rt&#8216; ich einst von einem weisen Manne,<br \/>\nDer nur seit kurzem erst ein nahes Landhaus<br \/>\nBewohn&#8216;, und unbekannt, doch aller Herzen,<br \/>\nDer kleinen wie der gr\u00f6\u00dfern, m\u00e4chtig sei,<br \/>\nDer meisten freilich, weil er fremd und sch\u00f6n<br \/>\nUnd stille w\u00e4re, doch auch einiger,<br \/>\nDie seinen Geist verst\u00e4nden, ahndeten.<\/p>\n<p>Ich ging hinaus, den seltnen Mann zu sprechen.<br \/>\nIch traf ihn bald in seinem Pappelwalde.<br \/>\nEr sa\u00df an einer Statue; vor ihm<br \/>\nEin Knabe; l\u00e4chelnd streichelt&#8216; er die Locken<br \/>\nMit sanfter Hand dem Knaben aus der Stirne,<br \/>\nUnd blickte stumm mit Schmerz und Wohlgefallen<br \/>\nDas holde Wesen an, das frei und freundlich<br \/>\nDem k\u00f6niglichen Mann ins Auge sah.<br \/>\nIch stand von fern und ruht auf meinem Stabe.<br \/>\nDoch da er um sich wandt&#8216; und sich erhub<br \/>\nUnd mit entgegentrat, da widerstand ich<br \/>\nDem neuen Zauber, der mich izt umfing;<br \/>\nMit M\u00fchen kaum, dass ich den Geist mir frei<br \/>\nErhielt, doch st\u00e4rkte mich des Mannes Ruh<br \/>\nUnd Freundlichkeit auch wieder wunderbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Reine Erz\u00e4hlung?! Und sichere, ausgewogene, sch\u00f6ne Verse. Was daraus geworden w\u00e4re, ob sie sich \u00fcberhaupt so erhalten h\u00e4tten &#8211; wer wei\u00df; aber sie sind auf jeden Fall der Aufmerksamkeit wert! (Ach ja: &#8222;ahndeten&#8220; = &#8222;ahnten&#8220;!?)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Friedrich H\u00f6lderlins &#8222;Hyperion&#8220; sollte man gelesen haben &#8211; auch wenn es ein Prosatext ist. Aber auch H\u00f6lderlins Prosa ist sehr rhythmisch, da f\u00fchlt man sich nicht fremd &#8230; &nbsp; Wie unverm\u00f6gend ist doch der gutwilligste Flei\u00df der Menschen gegen die Allmacht der ungeteilten Begeisterung. 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