{"id":300,"date":"2013-12-21T01:21:27","date_gmt":"2013-12-20T23:21:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=300"},"modified":"2013-12-21T10:05:24","modified_gmt":"2013-12-21T08:05:24","slug":"der-iambische-trimeter-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=300","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der iambische Trimeter (4)"},"content":{"rendered":"<p>Die letzten beiden Beitr\u00e4ge haben sich mit der &#8222;Innengliederung&#8220; des Trimeters besch\u00e4ftigt, und ich m\u00f6chte sp\u00e4ter auch noch einmal auf diesen sehr wichtigen Punkt zur\u00fcckkommen; jetzt soll es aber um die M\u00f6glichkeiten gehen, die dem Trimeter zur Verf\u00fcgung stehen, um das strenge und vers\u00fcbergreifende Alternieren aufzulockern!<\/p>\n<p>An den Anfang stelle ich dabei eine Erkl\u00e4rung des Versnamens &#8222;Trimeter&#8220;. Das ist eigentlich nicht die Bezeichnung des deutschen, sondern die des griechischen Verses, also die des antiken Vorbilds.<\/p>\n<p>Der setzte sich zusammen aus drei (&#8222;Tri-&#8222;) Grundeinheiten (&#8222;-meter&#8220;) der Form &#8222;v \u2014 v \u2014&#8220; (mit &#8222;\u2014&#8220; = &#8222;lange Silbe&#8220; und &#8222;v&#8220; = kurze Silbe; antike Verse ordneten sich nicht nach der Betonungst\u00e4rke der Silben, sondern nach ihrer L\u00e4nge). Der Vers sieht also so aus:<\/p>\n<p>v \u2014 v \u2014 \/ v \u2014 v \u2014 \/ v \u2014 v \u2014<\/p>\n<p>Innerhalb dieser Grundordnung hatte nun der griechische Trimeter die Abwechslung schaffende M\u00f6glichkeit, den ersten Iambus jedes Versdrittels, also den ersten, dritten und f\u00fcnften Iambus jedes Verses, durch einen &#8222;Spond\u00e4us&#8220; zu ersetzen; ein Austausch von &#8222;v \u2014&#8220; gegen\u00a0 &#8222;\u2014 \u2014&#8220;.<\/p>\n<p>Das ist auch f\u00fcr den Vers, um den es hier eigentlich geht, den <em>deutschen<\/em> Trimeter, wichtig! Denn die ersten deutschen Trimeter-Texte waren ja \u00dcbersetzungen antiker Trimeter-Texte, und viele \u00dcbersetzer haben versucht, diese Dreiteiligkeit und damit auch die M\u00f6glichkeit, Spond\u00e4en zu setzen, ins Deutsche zu \u00fcbertragen. Als dann sp\u00e4ter eigenst\u00e4ndige deutsche Trimeter geschrieben wurden, gab es drei Ansichten:<\/p>\n<p>&#8211; Der antike Vers muss so genau wie m\u00f6glich nachgebildet werden; die Dreiteilung ist zu beachten, Spond\u00e4en sind nur im ersten, dritten und f\u00fcnften Fu\u00df m\u00f6glich, sollten aber regelm\u00e4\u00dfig vorkommen.<\/p>\n<p>&#8211; Spond\u00e4en sind ein sch\u00f6nes Mittel der Auflockerung, aber die Dreiteilung ist dem Deutschen nicht gem\u00e4\u00df; Deutsche Trimeter sind schlicht sechshebige Iamben, und wo genau ein Spond\u00e4us auftritt, ist gleichg\u00fcltig; er sollte sich dabei inhaltlich begr\u00fcnden lassen!<\/p>\n<p>&#8211; Griechisch ist Griechisch, Deutsch ist Deutsch; alle Bestandteile des griechischen Verses, die eine direkte Entsprechung im Deutschen haben, werden \u00fcbernommen, f\u00fcr alles andere muss eine deutsche Entsprechung gefunden werden &#8211; oder es muss wegfallen. Das Deutsche hat keine Spond\u00e4en, also muss der deutsche Trimeter ohne sie auskommen.<\/p>\n<p>Eigentlich gibt es also mehr als einen &#8222;deutschen Trimeter&#8220;; wenn man einige davon gelesen hat, kann man auch ganz gut zuordnen, welcher &#8222;Denkschule&#8220; der Verfasser angeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>August von Platen war \u00f6fter als nicht Mitglied der ersten Gruppe. Die folgenden f\u00fcnf Trimeter spricht der &#8222;Wirt&#8220; am Anfang des f\u00fcnften Aktes des Platenschen Lustspiels &#8222;Die verh\u00e4ngnisvolle Gabel&#8220;:<\/p>\n<p>Verd\u00e4chtig kommt mir diese fremde Lady vor,<br \/>\nDie nie den Schleier l\u00fcftet und so wenig spricht.<br \/>\nReich mag sie sein, nach allem, was der Diener sagt,<br \/>\nSteinreich; doch eine Fledermaus an H\u00e4sslichkeit,<br \/>\nWenn nicht was F\u00fcrchterlichres noch dahinter steckt.<\/p>\n<p>Das &#8222;Steinreich&#8220; am Anfang des vierten Verses w\u00e4re einer dieser &#8222;Spond\u00e4en&#8220;, der Versuch eines deutschen &#8222;\u2014 \u2014&#8220; im ersten Versfu\u00df. Und auch ein gelungener Versuch, finde ich!<\/p>\n<p>Das &#8222;Reich mag sie sein&#8220; aus V3 ist dagegen eher ein Auflockerungsmittel aus den neueren Sprachen, eine versetzte Betonung: &#8222;Reich mag&#8220; als &#8222;\u2014 \u2014&#8220; zu lesen, scheint mir nicht m\u00f6glich, und statt &#8222;Reich <strong>mag<\/strong> \/ sie <strong>sein<\/strong>&#8222;, &#8222;x X \/ x X&#8220;, liest hier sicherlich fast jeder &#8222;<strong>Reich<\/strong> mag \/ sie <strong>sein<\/strong>&#8222;, &#8222;X x \/ x X&#8220;?!<\/p>\n<p>Das w\u00e4re dann aber schon die Art Auflockerung, mit der sich die n\u00e4chsten Beitr\u00e4ge besch\u00e4ftigen sollen. In diesem wollte ich lediglich auf den &#8222;Spond\u00e4us&#8220; hinweisen, und darauf, dass dieses Merkmal des griechischen Verses von vielen Verfassern im Deutschen nachgebildet worden ist; mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Ich werde daher in den weiteren Beitr\u00e4gen immer mal wieder auf solche Spond\u00e4en hinweisen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzten beiden Beitr\u00e4ge haben sich mit der &#8222;Innengliederung&#8220; des Trimeters besch\u00e4ftigt, und ich m\u00f6chte sp\u00e4ter auch noch einmal auf diesen sehr wichtigen Punkt zur\u00fcckkommen; jetzt soll es aber um die M\u00f6glichkeiten gehen, die dem Trimeter zur Verf\u00fcgung stehen, um das strenge und vers\u00fcbergreifende Alternieren aufzulockern! An den Anfang stelle ich dabei eine Erkl\u00e4rung des&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=300\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlverse: Der iambische Trimeter (4)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-300","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/300","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=300"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/300\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":311,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/300\/revisions\/311"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=300"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=300"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=300"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}