{"id":3008,"date":"2014-10-15T00:48:07","date_gmt":"2014-10-14T22:48:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3008"},"modified":"2014-10-15T12:03:51","modified_gmt":"2014-10-15T10:03:51","slug":"erzaehlformen-das-distichon-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3008","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (11)"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt unz\u00e4hlige Sonette, die \u00fcber das Sonett reden: Das Nachdenken der Form \u00fcber sich selbst. Das ist selbstredend nicht an das Sonett gebunden &#8211; auch Distichen, die etwas \u00fcber das Distichon aussagen, gibt es! Nicht ganz so viele, aber immerhin einige. Ein Beispiel ist &#8222;Das elegische Distichon&#8220; von Josef Weinheber, zu finden in seinen &#8222;S\u00e4mtlichen Werken&#8220;, Band 2, M\u00fcller 1954, auf den Seiten 624 und 625.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hirtlicher Vers, du schwindest dahin? Und hatten doch einstens<br \/>\nLiebende sch\u00f6n dich ersehnt, S\u00e4nger dich frurchtbar gemacht!<br \/>\nWohl r\u00fchrt Wehmut uns an im Zauber bukolischen Bildes,<br \/>\naber wie lang noch gelingt&#8217;s, dass wir das deine verstehn?<br \/>\nHolde Zerbrechlichkeit, doch eben darum von Bestande,<br \/>\ntief versponnene Welt, Pulsschlag des inneren Seins &#8230;<br \/>\nTreulos und klug, vom leiseren fort, erstrebten die Dichter,<br \/>\nund die eherne Zeit greift nach dem wilderen Sang.<br \/>\nSchrecken jeglicher Art umbranden die Pforten des Herzens,<br \/>\nnichts betuliches mehr duldet des S\u00e4ngers Beruf.<br \/>\nKriegsmann er, am Kriege entfacht, verschworen dem Kriege,<br \/>\nschlie\u00dft ihm Gef\u00e4hrdung den Mund, oder ihn spornt die Gefahr.<br \/>\nFurchtbar gehn wieder die Schlachten, o Schlachten der Faust wie des Geistes,<br \/>\nzwecklos Tr\u00e4ne, sie irrt um der Get\u00f6teten Mal.<br \/>\nWas nicht taugt in des Tags geh\u00e4uftes Ma\u00df der Verpflichtung,<br \/>\nstirbt, stehn M\u00e4nner nicht auf, Zwecklosem Anwalt zu sein.<br \/>\nWer beh\u00fctet den Sinn und wagt das Unzeitgem\u00e4\u00dfe,<br \/>\nHaben die Dichter nicht Mut: Klage und Trauer und Traum?<br \/>\nSie, doch ewig im Abschied, um ewig Heimat zu finden,<br \/>\nm\u00fcssten sie, friedlicher Vers, Deines nicht leidvoll erneun?<br \/>\nAch, versuch&#8217;s, ersterbender Klang! Vielleicht, dass der G\u00f6tter<br \/>\nSegen noch einmal dir schenkt: Zukunft, Lebendigkeit, Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Tief versponnen&#8220; &#8211; das trifft vielleicht gar nicht schlecht auf Weinhebers Verse selbst zu. Ganz einfach ist es nicht, will man ihnen folgen; aber es lohnt sich, denn die Bewegungslinien sind immer klar und ausdrucksstark!<\/p>\n<p>Wie in vielen in Distichen geschriebenen Texten gibt es auch hier manche Distichen, die, statt in einem Text aus elegischen Distichen zu stehen (also einer l\u00e4ngeren Reihung von Distichen), als Epigramm stehen k\u00f6nnten, als einzlenes Distichon mit pointiertem Inhalt.\u00a0 Das letzte Distichon zum Beispiel; oder dieses:<\/p>\n<p>Wer beh\u00fctet den Sinn und wagt das Unzeitgem\u00e4\u00dfe,<br \/>\nHaben die Dichter nicht Mut: Klage und Trauer und Traum?<\/p>\n<p>Und auch Weinhebers ganz eigener Tonfall tritt hier im Kleinen genauso hervor wie aus dem gro\u00dfen Ganzen des gesamten Textes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt unz\u00e4hlige Sonette, die \u00fcber das Sonett reden: Das Nachdenken der Form \u00fcber sich selbst. Das ist selbstredend nicht an das Sonett gebunden &#8211; auch Distichen, die etwas \u00fcber das Distichon aussagen, gibt es! Nicht ganz so viele, aber immerhin einige. Ein Beispiel ist &#8222;Das elegische Distichon&#8220; von Josef Weinheber, zu finden in seinen&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3008\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (11)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-3008","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3008","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3008"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3008\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3017,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3008\/revisions\/3017"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3008"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3008"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3008"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}