{"id":3057,"date":"2014-10-20T01:51:56","date_gmt":"2014-10-19T23:51:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3057"},"modified":"2014-10-21T00:07:28","modified_gmt":"2014-10-20T22:07:28","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-73","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3057","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (73)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Paul Heyses &#8222;Hexameter-Brief&#8220; (1)<\/strong><\/p>\n<p>Unter Paul Heyses in Versen verfassten &#8222;Reisebriefen&#8220; findet sich auch einer, der in Hexametern geschrieben ist; und den Hexameter zum Inhalt hat, einmal im allgemeinen, einmal in seiner Bedeutung f\u00fcr Heyse! Beides wissenswert, und darum m\u00f6chte ich den etwas l\u00e4ngeren Text nach und nach vollst\u00e4ndig vorstellen und hier und da zu einzelnen Punkten etwas sagen. Hier erst einmal die ersten 22 Verse:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>An N. N.<\/strong><br \/>\n<em>Gymnasialprofessor in X.<\/em><\/p>\n<p>Meine Hexameter tadelst du mir und sch\u00fcttelst bedenklich<br \/>\nDein skandierendes Haupt, so oft ein schn\u00f6der Troch\u00e4us<br \/>\nOder ein Daktylus dir, ein schwerhinwandelnder, aufst\u00f6\u00dft.<br \/>\nEhmals h\u00e4tt&#8216; ich es besser gekonnt, zu der seligen Thekla<br \/>\nZeit; wie sei ich seitdem vom rechten Pfade gewichen?<br \/>\nUnd nun h\u00e4ttst du das Beste gehofft und gefleht zu den G\u00f6ttern,<br \/>\nMir in s\u00fcdlichen L\u00fcften das Band vom Ohre zu l\u00f6sen.<br \/>\nH\u00e4tt&#8216; ich doch Capri gesehn und des felsenumg\u00fcrteten Eilands<br \/>\nSchroffes Gestad von neuem besucht und w\u00fcsste, wie selten<br \/>\nDorten ein Rettungsport f\u00fcr scheiternde Verse zu sp\u00e4hn sei,<br \/>\nWo einst Platen geweilt, der Moses unsrer Prosodik,<br \/>\nDer in steinerne Tafeln die zehn Gebote des Wohlklangs<br \/>\nGrub und nicht sie grollend zerschmetterte, weil noch der P\u00f6bel<br \/>\nT\u00f6richt das goldene Kalb umtanzt der gelinderen Praxis.<br \/>\nSei das alles verloren an mir, dem einige Verskunst<br \/>\nSelbst die gestrenge Kritik, die verdammensselige, nachr\u00fchmt?<br \/>\nWeh des verlorenen Sohns! Es weinten um ihn auf des Pindus<br \/>\nH\u00f6h&#8217;n die Schwestern, die neun, und auf der Asphodeloswiese<br \/>\nWerd&#8216; ein Seufzen vernommen, ein einziger banger Hiatus;<br \/>\nPlaten verh\u00fclle das Haupt und st\u00f6hn&#8216; in gefl\u00fcgelten Rhythmen<br \/>\n\u00dcber das undankbare Geschlecht nachst\u00fcmpernder Enkel,<br \/>\nDem umsonst er gelebt, umsonst sein ehern Gesetz gab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; <strong>schn\u00f6der Troch\u00e4us<\/strong>: Um die Frage, wie man den antiken Hexameter im Deutschen nachbilden soll und kann, wurde im 19. Jahrhundert erbittert gestritten; da der antike Vers aus Daktylen und Spondeen zusammengesetzt ist, geh\u00f6rte zu diesem Streit auch die Frage, ob Troch\u00e4en im deutschen Hexameter \u00fcberhaupt erlaubt seien.<\/p>\n<p>&#8211; <strong>schwerhinwandelnder Daktylus<\/strong>: In Bezug auf die Daktylen ging der Streit unter anderem darum, inwieweit ein Wort wie &#8222;Vaterland&#8220; als &#8222;X x x &#8220; benutzt werden kann angesichts der deutlichen Nebenhebung auf der dritten Silbe. &#8222;Schwerhinwandelnd&#8220; ist ein von Johann Heinrich Voss in seiner Ilias-\u00dcbersetzung gebrauchtes Beiwort:<\/p>\n<p><em>Doch du weidetest, Ph\u00f6bos, das schwerhinwandelnde Hornvieh<\/em><\/p>\n<p>&#8230; und auch \u00fcber diese Art Beiwort ist viel gestritten worden.<\/p>\n<p>&#8211;<strong> Thekla<\/strong>: Ein Hexameterepos Heyses, das auch hier beim Verserz\u00e4hler schon seinen Platz gefunden hat in neun Eintr\u00e4gen, beginnend mit <a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/2014\/04\/26\/erzaehlverse-der-hexameter-33\/\" target=\"_blank\">diesem<\/a>.<\/p>\n<p>&#8211; <strong>H\u00e4tt ich doch Capri gesehen<\/strong>: Drei Verse lange Anspielung auf den Beginn eines bekannten Gedichts von August von Platen, &#8222;Die Fischer auf Capri&#8220; (1827):<\/p>\n<p><em>Hast du Capri gesehn und des felsenumg\u00fcrteten Eilands<\/em><br \/>\n<em> Schroffes Gestad als Pilger besucht, dann wei\u00dft du, wie selten<\/em><br \/>\n<em> Dorten ein Landungsplatz f\u00fcr nahende Schiffe zu sp\u00e4hn ist:<\/em><\/p>\n<p>Wobei der Urheber seinen Versen ohne zu z\u00f6gern nachfolgt bei Heyse. Platen hat sich in seinen Nachbildungen antiker Verse sehr bem\u00fcht, so viele antike Verseigenschaften wie m\u00f6glich im Deutschen beizubehalten und ist f\u00fcr die so entstandenen Gedichte von vielen bewundert, von mindestens ebenso vielen aber auch getadelt worden.<\/p>\n<p>&#8211; <strong>Tafeln &#8230; gelindere Praxis<\/strong>:\u00a0 Der Gegensatz, f\u00fcr den Platen stellvertretend steht und um den es Heyse im weiteren gehen wird.<\/p>\n<p>&#8211; <strong>Pindus<\/strong>: Gebirge in Griechenland, ein Versammlungsort der Musen.<\/p>\n<p>&#8211; <strong>Asphodeloswiese<\/strong>: Ort in der griechischen Unterwelt, Versammlungsort der Toten, zum Beispiel in der Odyssee, 11. Gesang (\u00dcbersetzung von Voss):<\/p>\n<p><em>Also sprach ich; da ging die Seele des schnellen Achilleus<\/em><br \/>\n<em> Zur Asphodeloswiese mit gro\u00dfen Schritten hinunter,<\/em><\/p>\n<p>&#8211; <strong>Hiatus<\/strong>: Einen &#8222;Vokalzusammensto\u00df&#8220; vermeidet auch Heyse in diesem und im n\u00e4chsten Vers &#8230;<\/p>\n<p>&#8211; <strong>gefl\u00fcgelte<\/strong>: Durch die \u00dcbersetzung von Voss bekannt gewordenes, h\u00e4ufiges Beiwort bei Homer; Danach genannt &#8222;Gefl\u00fcgelte Worte&#8220;, eine sehr erfolgreiche Zitatsammlung, erstellt von dem Philologen und Gymnasiallehrer Georg B\u00fcchmann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paul Heyses &#8222;Hexameter-Brief&#8220; (1) Unter Paul Heyses in Versen verfassten &#8222;Reisebriefen&#8220; findet sich auch einer, der in Hexametern geschrieben ist; und den Hexameter zum Inhalt hat, einmal im allgemeinen, einmal in seiner Bedeutung f\u00fcr Heyse! 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