{"id":3138,"date":"2014-10-27T00:53:19","date_gmt":"2014-10-26T22:53:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3138"},"modified":"2014-10-27T01:38:06","modified_gmt":"2014-10-26T23:38:06","slug":"erzaehlverse-der-hexameter-77","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3138","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (77)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Paul Heyses &#8222;Hexameter-Brief&#8220; (5)<\/strong><\/p>\n<p>Auch in den Versen 104 &#8211; 133, die den Schluss seines Briefes bilden, denkt Heyse \u00fcber August von Platen nach:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Traun, wohl gl\u00fcckt&#8216; es ihm noch im leichteren epischen Versma\u00df,<br \/>\nAls er die Fischer von Capri sang. Doch in Zuckungen f\u00f6rmlich<br \/>\nF\u00e4llt ihm in Oden und Hymnen die gliederverrenkende Muse,<br \/>\nDass dem geneigtesten Leser, entw\u00f6hnt seit Jahren der Schulbank,<br \/>\nWill er im Verstakt bleiben, der Angstschwei\u00df str\u00f6mend hervorbricht.<br \/>\nHat ein hellenisches Ohr in Pindars Klanglabyrinthen<br \/>\nLeicht, wie in bl\u00fchenden G\u00e4rten ein Kind, zurecht sich gefunden,<br \/>\nUns hilft nimmer der Faden des Schemas aus dem verschlungnen<br \/>\nIrrgang k\u00fcnstlicher Rhythmen, wo hinter verschn\u00f6rkelten fremden<br \/>\nRedeblumen der Sinn sich verbirgt. Wir lieben den freien<br \/>\nR\u00fcstigen Schritt auf ebenem Pfad und die offene Fernsicht;<br \/>\nOb durch Markt und Gassen und mondlichtschimmernden Meinberg<br \/>\nHerrmann schreitet, am Arm die hohe Gestalt der Geliebten,<br \/>\nOb uns Reineke f\u00fchrt die geschl\u00e4ngelten Pfade des M\u00e4rchens,<br \/>\nOder M\u00f6rikes sicherer Mann und am Ufer des Boden-<br \/>\nSees der listige Fischer mit weitausgreifenden Schritten.<\/p>\n<p>Doch er schl\u00e4ft am sizilischen Strand, und es rauscht ihm die Meerflut<br \/>\nSanft in den ewigen Traum ein Grablied griechischen Wohllauts.<br \/>\nM\u00f6g&#8216; er sich freuen der Zweige des Lorbeers, die ihm in frommer<br \/>\nEhrfurcht manch ein J\u00fcnger geweiht, der \u00e4hnlich dem Meister<br \/>\nAuch in der Kunst nur suchte die Kunst und jenen bestaunte,<br \/>\nWeil ihm ein \u00c4u\u00dferstes gl\u00fcckte, wie oft auch dr\u00fcber die Sprache<br \/>\nAu\u00dfer sich kam. Und wahrlich: er tat das Seine, mit tapfer<br \/>\nGl\u00e4ubigem Mut, auf Gold nicht bedacht und das Lob des gemeinen<br \/>\nHaufens. Er diente dem Gott, der ihm der wahre geschienen.<br \/>\nSag, was kann ein Sterblicher mehr? Drum mag es auch mir nun,<br \/>\nDen zu anderem Glauben das Herz hindr\u00e4ngte, verg\u00f6nnt sein,<br \/>\nMeinen G\u00f6ttern getreu hinfort mein Wesen zu treiben,<br \/>\nWie ich muss und vermag. Du aber vergib mir den lehrhaft<br \/>\nTrockenen Brief und die schlechten Hexameter, die dir ein Greul sind!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; <strong>Die Fischer von Capri<\/strong>: Wie schon erw\u00e4hnt hat Heyse zu Beginn des Briefes darauf Bezug genommen. Und es ist auch wirklich ein guter, lesenswerter Text Platens!<\/p>\n<p>&#8211; <strong>Oden<\/strong>: Mir gefallen Platens Oden eigentlich gut &#8230; Wovon ich wenig halte, sind seine nicht-antikisierenden Ghaseln, zum Beispiel. Aber da sind die Geschm\u00e4cker dann, wie immer, verschieden.<\/p>\n<p>&#8211; <strong>Herrmann<\/strong>, <strong>Reineke<\/strong>: &#8222;Herrmann und Dorothea&#8220;, &#8222;Reineke Fuchs&#8220;\u00a0 sind Goethes ber\u00fchmte Hexameter-Epen, die man gelesen haben muss, besch\u00e4ftigt man sich mit dem Vers.<\/p>\n<p>&#8211; <strong>Sicherer Mann<\/strong>, <strong>Bodensee<\/strong>: &#8222;M\u00e4rchen vom sichern Mann&#8220;, Idylle vom Bodensee oder Fischer Martin&#8220; sind zwei Hexameter-Werke Eduard M\u00f6rikes; und vor allem der &#8222;Sichre Mann&#8220; ist ein wunderbares St\u00fcck! Worttrennungen am Versende, wie sie hier Heyse mit &#8222;Boden-sees&#8220; vorf\u00fchrt, hat M\u00f6rike immer mal wieder genutzt, oft noch unbek\u00fcmmerter, wie zum Beispiel seine &#8222;Epistel&#8220; (beim Verserz\u00e4hler schon <a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/2014\/02\/06\/erzaehlverse-der-hexameter-11\/\" target=\"_blank\">hier<\/a> vertreten) zeigt:<\/p>\n<p><em>Jetzo hat er ein griechisches Epos, h\u00f6r ich, die Argo-<\/em><br \/>\n<em> nauten, heroische Form, auf dem Amboss. Segn\u2019 es der Gott ihm,<\/em><br \/>\n<em> Aber zu lesen begehr ich es nicht. &#8230;<\/em><\/p>\n<p>&#8211; <strong>Sag, was kann ein Sterblicher mehr?<\/strong> Sch\u00f6nes, vers\u00f6hnliches Schlusswort von Heyse. Es gab und gibt so viele Vorstellungen vom Hexameter, wie es Hexametristen gibt; da ist f\u00fcr Aussagen und Einsichten mit Auschlie\u00dflichkeitsanspruch nicht recht Platz. Wobei die reichlich getroffen worden sind &#8230;<\/p>\n<p>Paul Heyse hat in seinem Hexameter-Brief gezeigt, wie man auch in Versen \u00fcber grundlegende Fragen nachdenken kann. Wahrscheinlich h\u00e4tte man das auf kleinerem Raum erledigen k\u00f6nnen als in 133 Langversen; aber wer Hexameter f\u00fcr ein solches Unterfangen w\u00e4hlt, der wei\u00df auch, dass dieser Vers viel Gegenst\u00e4ndlichkeit braucht, gierig auf Dinge und Wirklichkeit ist und mit &#8222;Leerw\u00f6rtern&#8220; gar nicht gut zuerechtkommt; und dementsprechend hat Heyse Dinge vor den Leser hingestellt und einen sch\u00f6nen, gar nicht wirklich langen Brief geschrieben, dessen Vers-F\u00fclle den Leser durchaus halten kann?!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paul Heyses &#8222;Hexameter-Brief&#8220; (5) Auch in den Versen 104 &#8211; 133, die den Schluss seines Briefes bilden, denkt Heyse \u00fcber August von Platen nach: &nbsp; Traun, wohl gl\u00fcckt&#8216; es ihm noch im leichteren epischen Versma\u00df, Als er die Fischer von Capri sang. Doch in Zuckungen f\u00f6rmlich F\u00e4llt ihm in Oden und Hymnen die gliederverrenkende Muse,&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3138\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlverse: Der Hexameter (77)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-3138","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3138","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3138"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3138\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3143,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3138\/revisions\/3143"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3138"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3138"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3138"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}