{"id":3152,"date":"2014-10-28T01:35:32","date_gmt":"2014-10-27T23:35:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3152"},"modified":"2014-10-28T01:35:32","modified_gmt":"2014-10-27T23:35:32","slug":"erzaehlformen-das-reimpaar-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3152","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Reimpaar (12)"},"content":{"rendered":"<p>Einem guten Dichter stehen viele M\u00f6glichkeiten des Ausdrucks zur Verf\u00fcgung, auch und gerade bei metrisch geformten Gedichten &#8211; da ist die Enscheidung f\u00fcr diese oder jene Form auch immer eine Entscheidung f\u00fcr deren Eigenschaften. Im Falle des Reimpaares ist das bestimmt seine Schlichtheit und Kurzschrittigkeit; aber auch das Anschlie\u00dfen, das Eingliedern in eine sehr, sehr lange Geschichte von Erz\u00e4hltexten in dieser Form. Friedrich Hebbels &#8222;Parabel&#8220; ist ein Beispiel:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J\u00fcngst traf ich einen alten Mann<br \/>\nUnd hub ihm vorzusingen an,<br \/>\nDoch an den Mienen des Gesichts<br \/>\nBemerkt&#8216; ich bald, er h\u00f6re nichts.<br \/>\nDa dachte ich: der Greis ist taub,<br \/>\nDrum wird dein Lied des Windes Raub,<br \/>\nSo tu&#8216; ihm denn, nicht durch den Mund,<br \/>\nDurch Zeichen dies und jenes kund.<br \/>\nIch tat&#8217;s, doch ward mir leider klar,<br \/>\nDass er auch schon erblindet war,<br \/>\nDenn, wie der Frosch aus seinem Sumpf<br \/>\nHervorglotzt, sah er dumpf und stumpf,<br \/>\nUnd ungest\u00f6rt in seiner Ruh&#8216;,<br \/>\nDer Sprache meiner Finger zu.<br \/>\nIch rief: mit dem steht&#8217;s schlimm genug,<br \/>\nDoch m\u00f6cht&#8216; ich ihm den letzten Zug<br \/>\nNoch g\u00f6nnen aus dem Lebensquell!<br \/>\nDa reicht ich ihm die Rose schnell,<br \/>\nDie ich f\u00fcr meine Braut gepfl\u00fcckt,<br \/>\nAllein auch das ist schlecht gegl\u00fcckt,<br \/>\nIhm schien der Duft nicht mehr zu sein,<br \/>\nWie einem Gartengott von Stein.<br \/>\nNunmehr verlor ich die Geduld,<br \/>\nIch dacht&#8216; an meines M\u00e4dchens Huld,<br \/>\nDie mir so schm\u00e4hlich jetzt entging,<br \/>\nDa sie die Rose nicht empfing,<br \/>\nUnd jagte ihm im ersten Zorn<br \/>\nIns dicke Fell den scharfen Dorn;<br \/>\nDoch bracht&#8216; auch dies ihm wenig Not,<br \/>\nEr zuckte nicht, er \u2013 war wohl tot!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist, denke ich, auch in Bezug auf den Satzbau und die Wortwahl altert\u00fcmlicher und schlichter, als es zu Hebbels Zeiten \u00fcblich war?! Auch einige F\u00fcllsel sind drin, die Hebbel nicht n\u00f6tig hat, eigentlich. Insgesamt bekommt sein Text dadurch einen eigenen Ton, der zum Inhalt des Textes gar nicht so schlecht passt. Auf eine l\u00e4ngere Vers-Strecke w\u00fcrde mir der wanhrscheinlich nicht wirklich gefallen, aber f\u00fcr einen so kurzen Text wie diesen ist er sicher eine M\u00f6glichkeit!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einem guten Dichter stehen viele M\u00f6glichkeiten des Ausdrucks zur Verf\u00fcgung, auch und gerade bei metrisch geformten Gedichten &#8211; da ist die Enscheidung f\u00fcr diese oder jene Form auch immer eine Entscheidung f\u00fcr deren Eigenschaften. 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