{"id":3222,"date":"2014-11-04T00:40:26","date_gmt":"2014-11-03T22:40:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3222"},"modified":"2014-11-04T00:43:48","modified_gmt":"2014-11-03T22:43:48","slug":"buecher-zum-vers-54","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3222","title":{"rendered":"B\u00fccher zum Vers (54)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Reiner Wild: Goethes klassische Lyrik.<\/strong><\/p>\n<p>Etwas zu Goethes Lyrik zu lesen, schadet nie; und seine klassische Lyrik ist schon darum im Blickfeld des <strong>Verserz\u00e4hlers<\/strong>, weil es sich dabei um Texte in Hexametern und Distichen handelt &#8211; also Formen, die hier im Blog ausgiebig verhandelt werden!<\/p>\n<p>Reiner WIld breitet auf 300 Seiten manches Wissenswerte aus, indem er erst\u00a0 Goethes Weg zur klassischen Lyrik zeigt; und dann, worin sie bestand und was sie ausmachte. Ich gebe einen Abschnitt wieder, der auf die auch f\u00fcr heutige Versebauer wichtige Frage eingeht: Was bedeutet es, ein &#8222;antikes Ma\u00df&#8220; zu w\u00e4hlen?!<\/p>\n<p>&#8222;Das antike Ma\u00df markiert Distanz. Darin entspricht es Goethes italienischer Erfahrung der Antike; die Erfahrung der Fremdheit authentisch griechischer Kunstwerke und die Aufhebung dieser Fremdheit in der Verkn\u00fcpfung von Natur und Kunst geh\u00f6ren zu den Voraussetzungen f\u00fcr seine produktive Aneignung der Antike. Distanz setzt das antike Versma\u00df aber auch zur eigenen Subjektivit\u00e4t (des Autors wie der Rezipienten). In seiner vorgegebenen Regelhaftigkeit ist es kein Medium des unmittelbaren Ausdrucks und taugt auch nicht dazu, den Schein solcher Unmittelbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Die antike Form signalisiert vielmehr von vorneherein den Kunstcharakter des Gestalteten; sie ist Ausdruck von Artifizialit\u00e4t. Insofern markiert die Verwendung des antiken Versma\u00dfes in der klassischen Lyrik gerade auch die Distanz, welche diese von der Antike trennt. Das antike Versma\u00df wird in der klassischen Lyrik gleichsam &#8218;zitiert&#8216;, und die von Goethe gen\u00fctzte Spannung zwischen antiker Metrik und deutschem Sprachfluss l\u00e4sst gerade auch diesen Zitatcharakter deutlich werden. Zugleich markiert das antike Versma\u00df aber auch &#8211; als ein &#8218;fremdes&#8216; Ma\u00df und als Zitat &#8211; Distanz zur Gegenwart, und in solcher Distanzierung bietet es die M\u00f6glichkeit der Gestaltung autonomer Kunst, signalisiert es als Zeichen der Artifizialit\u00e4t die L\u00f6sung der Kunst aus ihr vorgesetzten Zwecken. Damit aber wird, vermittelt \u00fcber die Form, durch die das Kunstwerk sich als eigenst\u00e4ndiges behauptet, erneut die Gegenwart zum Thema.&#8220; (S. 190-191)<\/p>\n<p>Nun ist Goethe schon ein ganzes Weilchen tot und das Verh\u00e4ltnis zur Antike heute ein ganz anderes als zu seiner Zeit; aber trotzdem kann ein wenig Nachdenken dar\u00fcber, was geschieht, wenn man im 21. Jahrhundert ein Distichon in die Welt entl\u00e4sst, ja nicht schaden?! Und da sind Wilds Ausf\u00fchrungen gar kein schlechter Ausgangspunkt.<\/p>\n<p>Auffallend sind auch die vielen Gedichte Goethes, die Wild vollst\u00e4ndig wiedergibt. Das kostet einigen Platz, ist mir aber sehr angenehm! Da kommt vieles wieder ins Ged\u00e4chtnis, zum Beispiel dieses Distichon aus den gemeinsam mit Friedrich Schiller verfassten &#8222;Xenien&#8220;:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die Sicherheit<\/em><\/p>\n<p>Nur das feurige Ross, das mutige, st\u00fcrzt auf der Rennbahn,<br \/>\nMit bed\u00e4chtigem Pass schreitet der Esel daher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da waren zwei auf Streit aus; und Streit haben sie bekommen bei ihrem gemeinsamen Ringen um die &#8222;Klassik&#8220;&#8230;<\/p>\n<p>Erschienen ist &#8222;Goethes klassische Lyrik&#8220; 1999 im Verlag J.B. Metzler.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reiner Wild: Goethes klassische Lyrik. Etwas zu Goethes Lyrik zu lesen, schadet nie; und seine klassische Lyrik ist schon darum im Blickfeld des Verserz\u00e4hlers, weil es sich dabei um Texte in Hexametern und Distichen handelt &#8211; also Formen, die hier im Blog ausgiebig verhandelt werden! 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