{"id":3230,"date":"2014-11-05T01:16:50","date_gmt":"2014-11-04T23:16:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3230"},"modified":"2014-11-05T10:39:45","modified_gmt":"2014-11-05T08:39:45","slug":"erzaehlformen-die-alkaeische-strophe-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3230","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Die alk\u00e4ische Strophe (4)"},"content":{"rendered":"<p>Ganz anders als H\u00f6lderlins Oden klingen die von Ludwig H\u00f6lty: sanfter und zarter und trauriger. Seine ber\u00fchmteste Ode ist sicherlich &#8222;Auftrag&#8220;:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ihr Freunde, h\u00e4nget, wann ich gestorben bin,<br \/>\nDie kleine Harfe hinter dem Altar auf,<br \/>\nWo an der Wand die Totenkr\u00e4nze<br \/>\nManches verstorbenen M\u00e4dchens schimmern.<\/p>\n<p>Der K\u00fcster zeigt dann freundlich dem Reisenden<br \/>\nDie kleine Harfe, rauscht mit dem roten Band,<br \/>\nDas, an der Harfe festgeschlungen,<br \/>\nUnter den goldenen Saiten flattert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eben eine &#8222;elegische Ode&#8220;; Karl Vietor hat sie in seiner <a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/2014\/10\/14\/buecher-zum-vers-52\/\" target=\"_blank\">Geschichte der deutschen Ode<\/a> &#8222;das vielleicht vollkommenste Muster&#8220; einer solchen elegischen Ode genannt und weiter so beschrieben:<\/p>\n<p>&#8222;Die leichte, flie\u00dfende Art dieses\u00a0 Gedichts war f\u00fcr die deutsche Lyrik unerh\u00f6rt. Schlichtheit und kunstvolle F\u00fcgung hatte man noch nicht so verbunden gesehen. Bedeutender noch der bestimmte, nat\u00fcrliche Ton einer edlen, sanften Empfindung&#8220; (S. 144, 145).<\/p>\n<p>Auch andere haben sich Gedanken gemacht; wer mag, kann ja einmal bei <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=r68BIyKqA88C&amp;pg=PA65&amp;lpg=PA65&amp;dq=h%C3%B6lty+harfe&amp;source=bl&amp;ots=dRixeWdBTp&amp;sig=xPG5h1XvYSXLjcD4tGu5MBwhesM&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=SFhZVJG6MsrtO9aMgZgG&amp;ved=0CCwQ6AEwAjgK#v=onepage&amp;q=h%C3%B6lty%20harfe&amp;f=false\" target=\"_blank\">Walter Hinck<\/a> hineinlesen.<\/p>\n<p>Was f\u00e4llt auf in Bezug auf die Form?! H\u00f6lty w\u00e4hlt immer die einfache, schlichte L\u00f6sung (&#8222;Altar&#8220; betont er dabei &#8222;andersrum&#8220;, entgegen dem gew\u00f6hnlichen Gebrauch auf der ersten Silbe?!), wodurch die Strophe keinerlei innere Spannung bekommt; was dem gew\u00fcnschten Tonfall entspricht. Ein gutes BeispieI daf\u00fcr ist dieser Vers:<\/p>\n<p>Manches verstorbenen M\u00e4dchens schimmern.<\/p>\n<p>Wenn man da Versf\u00fc\u00dfe unterlegt &#8230;<\/p>\n<p>X x x \/ X x x \/ X x \/ X x<\/p>\n<p><strong>Man<\/strong>ches ver- \/ <strong>stor<\/strong>benen \/ <strong>M\u00e4d<\/strong>chens \/ <strong>schim<\/strong>mern.<\/p>\n<p>&#8230; wird die fehlende Spannung auch sichtbar.<\/p>\n<p>In den ersten beiden Versen jeder Strophe beachtet er die Z\u00e4sur nach der f\u00fcnften Silbe:<\/p>\n<p>x X x X x <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> X x x X x X<\/p>\n<p>&#8211; Wie schon erw\u00e4hnt, das ist keineswegs immer so. H\u00e4lt man sich aber daran, bekommt man zwei gut zu unterscheidene Halbverse &#8211; unbetonter Beginn, unbetonter Schluss <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> betonter Beginn, betonter Schluss, was zusammen mit der zweisilbigen Senkung den Vers erkennbar formt.<\/p>\n<p>Alles in allem ein Text, der seine Wirkung tut. H\u00f6lty ist jung gestorben, hat aber einige wirklich gute Gedichte geschaffen in seinem kurzen Leben &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganz anders als H\u00f6lderlins Oden klingen die von Ludwig H\u00f6lty: sanfter und zarter und trauriger. Seine ber\u00fchmteste Ode ist sicherlich &#8222;Auftrag&#8220;: &nbsp; Ihr Freunde, h\u00e4nget, wann ich gestorben bin, Die kleine Harfe hinter dem Altar auf, Wo an der Wand die Totenkr\u00e4nze Manches verstorbenen M\u00e4dchens schimmern. 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