{"id":3246,"date":"2014-11-06T01:01:33","date_gmt":"2014-11-05T23:01:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3246"},"modified":"2014-11-06T01:14:17","modified_gmt":"2014-11-05T23:14:17","slug":"erzaehlverse-der-trochaeische-vierheber-34","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3246","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der troch\u00e4ische Vierheber (34)"},"content":{"rendered":"<p>Ludwig Tieck ist f\u00fcr die deutsche Literatur ein nicht ganz unwichtiger Mann; seine Verse und Gedichte allerdings galten schon den meisten seiner Zeitgenossen als schwer genie\u00dfbar aufgrund ihrer nachl\u00e4ssigen Art, bei der sich die Form der Texte oft genug bis zur Unkenntlichkeit aufl\u00f6ste und Floskeln und Allgemeinpl\u00e4tze sich h\u00e4uften. Aber irgendwas ist dann doch in ihnen enthalten, oft nur ein einziger Ausdruck, eine besondere Wendung &#8230; Mir ging es eben wieder so bei &#8222;Das Wasser&#8220;, zu finden in Tiecks Lustspiel &#8222;Kaiser Octavianus&#8220; (auch ein eher wunderliches Werk). Der Anfang:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heilig, reine, milde Flut,<br \/>\nKind der Liebe, klares Wasser!<\/p>\n<p>Als die neue Welt dem Zorne<br \/>\nWar im ersten Sein erstarret,<br \/>\nAlle Kr\u00e4fte ihr entflohen<br \/>\nUnd ihr innres Herz erkaltet,<br \/>\nSchwebte sie ein harter Leichnam<br \/>\nDurch die leeren Himmelsbahnen,<br \/>\nIn sich keine Lebensgeister,<br \/>\n\u00dcber sich nicht Sternverwandten.<br \/>\nUnd es regte sich ein Schmerz,<br \/>\nLiebe ganz und ganz Erbarmen,<br \/>\nIn den allerreinsten Himmeln,<br \/>\nLegte sich wie weiche Arme<br \/>\nUm den stumm gewordnen Busen<br \/>\nUnd das Herz drinnen erwarmte:<br \/>\nUnd es f\u00fchlte erst ein Zittern,<br \/>\nDann ein tief erbebend Bangen,<br \/>\nUnd es riss sich von der Furcht<br \/>\nUnd dem ungewissen Zagen,<br \/>\nGab sich ganz und voll dem Schmerz hin,<br \/>\nDass umher nur Toten-Halle,<br \/>\nAlle Jugend ihm entschwunden<br \/>\nUnd die Lust hinweg, die alte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8230; Und immer so weiter, ein ganzes St\u00fcck noch. Die Verse sind gar nicht mal so ungeformt, da ja die geradzahligen Verse allesamt auf &#8222;a&#8220; assonieren; aber reichlich schr\u00e4g klingt es an vielen Stellen trotzdem. &#8222;Dass umher nur Toten-Halle&#8220;?! Von Metrums-Verrenkungen wie &#8222;Und das Herz drinnen erwarmte&#8220; gar nicht zu reden.<\/p>\n<p>Aber es gibt eben auch diese beiden Verse:<\/p>\n<p>Und es regte sich ein Schmerz,<br \/>\nLiebe ganz und ganz Erbarmen<\/p>\n<p>&#8211; Und die haben sich mir sofort eingepr\u00e4gt und werden auch bleiben. Daf\u00fcr sind ein paar Dutzend weniger gelungener Verse, die man liest und ohnehin sofort wieder vergisst, eigentlich kein zu hoher Preis &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig Tieck ist f\u00fcr die deutsche Literatur ein nicht ganz unwichtiger Mann; seine Verse und Gedichte allerdings galten schon den meisten seiner Zeitgenossen als schwer genie\u00dfbar aufgrund ihrer nachl\u00e4ssigen Art, bei der sich die Form der Texte oft genug bis zur Unkenntlichkeit aufl\u00f6ste und Floskeln und Allgemeinpl\u00e4tze sich h\u00e4uften. 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