{"id":3254,"date":"2014-11-07T02:15:46","date_gmt":"2014-11-07T00:15:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3254"},"modified":"2014-11-07T02:17:49","modified_gmt":"2014-11-07T00:17:49","slug":"erzaehlformen-die-alkaeische-strophe-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3254","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Die alk\u00e4ische Strophe (5)"},"content":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte noch einmal auf die Bestimmung der alk\u00e4ischen Strophe eingehen, die Wolfgang Binder gegeben hat (nachzulesen in <strong>2<\/strong>).<\/p>\n<p>x X x X x\u00a0 <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> X x x X x X<\/p>\n<p>&#8211; Das Silbenbild der ersten beiden Verse. Binder beschreibt die Versbewegung als Welle: Ein Steigen in den ersten f\u00fcnf Silben, dann ein schnelles Fallen, das am Versende aufgefangen wird. Der dritte und der vierte Vers zeigen nun zusammen die selbige Bewegung, nur in einer doppelt so breiten Welle &#8211; das sieht man gut, schreibt man beide als <em>einen<\/em> langen Vers:<\/p>\n<p>x X x X x X x X x <span style=\"color: #ff0000\">|<\/span> X x x X x x X x X x<\/p>\n<p>&#8211; Das &#8222;Steigen&#8220; hat den doppelten Umfang, vergleichen mit den ersten beiden Versen: vier Hebungen statt zwei. Das &#8222;Fallen&#8220; genauso, zwei Hebungen statt einer, zwei doppelte Senkungen statt einer; dann folgt ein nur leicht l\u00e4ngerer Versschluss, der die fallende Bewegung auff\u00e4ngt und beruhigt.<\/p>\n<p>Drei &#8222;Wellen&#8220; also. Nun muss man die Strophe nicht wie Binder auffassen und nicht dieses Bild benutzen; aber wenn man sich darauf einl\u00e4sst, ist der Zeilenumbruch zwischen drittem und viertem Vers nur f\u00fcr&#8217;s Auge da und nicht aus der inneren Notwendigkeit der Strophe; und dann m\u00fcsste die der alk\u00e4ischen wie allen antiken Strophen offenstehende M\u00f6glichkeit zum ausgedehnten Zeilensprung hier h\u00e4ufiger sein als etwa zwischen dem ersten und dem zweiten Vers?!<\/p>\n<p>Binder schreibt \u00fcber H\u00f6lderlin, als er seine Formbestimmung gibt, daher hier eine alk\u00e4ische Ode H\u00f6lderlins mittlerer L\u00e4nge, &#8222;Ganymed&#8220;:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was schl\u00e4fst du, Bergsohn, liegest in Unmut, schief,<br \/>\nUnd frierst am kahlen Ufer, Geduldiger!<br \/>\nDenkst nicht der Gnade du, wenns an den<br \/>\nTischen die Himmlischen sonst ged\u00fcrstet?<\/p>\n<p>Kennst drunten du vom Vater die Boten nicht,<br \/>\nNicht in der Kluft der L\u00fcfte gesch\u00e4rfter Spiel?<br \/>\nTrifft nicht das Wort dich, das voll alten<br \/>\nGeists ein gewanderter Mann dir sendet?<\/p>\n<p>Schon t\u00f6nets aber ihm in der Brust. Tief quillts,<br \/>\nWie damals, als hoch oben im Fels er schlief,<br \/>\nIhm auf. Im Zorne reinigt aber<br \/>\nSich der Gefesselte nun, nun eilt er,<\/p>\n<p>Der Linkische; der spottet der Schlacken nun,<br \/>\nUnd nimmt und bricht und wirft die Zerbrochenen<br \/>\nZorntrunken, spielend, dort und da zum<br \/>\nSchauenden Ufer, und bei des Fremdlings<\/p>\n<p>Besondrer Stimme stehen die Herden auf,<br \/>\nEs regen sich die W\u00e4lder, es h\u00f6rt tief Land<br \/>\nDen Stromgeist fern, und schaudernd regt im<br \/>\nNabel der Erde der Geist sich wieder.<\/p>\n<p>Der Fr\u00fchling k\u00f6mmt. Und jedes, in seiner Art,<br \/>\nBl\u00fcht. Der ist aber ferne; nicht mehr dabei.<br \/>\nIrr ging er nun; denn allzugut sind<br \/>\nGenien; himmlisch Gespr\u00e4ch ist sein nun.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zeilenspr\u00fcnge \u00fcberall, am Ende jedes der vier Verse einer Strophe genauso wie zwischen einzelnen Strophen; aber wirklich sind die Spr\u00fcnge, die Einschnitte nirgends heftiger als zwischen dem dritten und dem vierten Vers?!<\/p>\n<p>Einmal werden Artikel und Substantiv getrennt, einmal Adjektiv und Substantiv, zweimal Pr\u00e4position und Substantiv &#8211; und die beiden verbleibenden Spr\u00fcnge sind kaum weniger heftig. Die Einschnitte zwischen erstem und zweitem Vers sind dagegen bei weitem nicht so stark!<\/p>\n<p>Insofern scheint etwas dran zu sein an Binders Bild &#8211; die dritte, die doppelt so breite Welle f\u00fcllt die beiden letzten Verse, und weil sie die geh\u00f6rte, wahrgenommene EInheit ist, k\u00f6nnen am geschriebenen \u00dcbergang vom dritten in den vierten Vers, im Druckbild also, heftige Zeilenspr\u00fcnge stehen; denn in Bezug auf die eigentliche Bewegung geht die Bewegung hier nur vom Steigen ins Fallen \u00fcber, setzt aber nicht neu an; sondern bleibt die dem Ohr schon aus den ersten beiden Versen bekannte Welle.<\/p>\n<p>Von dieser Grundvorstellung aus weiterzudenken hat seinen Reiz; aber das verschiebe ich auf den n\u00e4chsten Eintrag zur alk\u00e4ischen Strophe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte noch einmal auf die Bestimmung der alk\u00e4ischen Strophe eingehen, die Wolfgang Binder gegeben hat (nachzulesen in 2). x X x X x\u00a0 | X x x X x X &#8211; Das Silbenbild der ersten beiden Verse. 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