{"id":3281,"date":"2014-11-10T01:44:01","date_gmt":"2014-11-09T23:44:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3281"},"modified":"2014-11-12T02:07:23","modified_gmt":"2014-11-12T00:07:23","slug":"erzaehlformen-das-madrigal-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3281","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Madrigal (11)"},"content":{"rendered":"<p>Der am Ende des gestrigen Eintrags auftauchende Tithon kommt durchaus h\u00e4ufiger vor in Gedichten, deutschen wie anderssprachigen; von Alfred Tennyson gibt es zum Beispiel einen Blankvers-Text diesen Titels und ernsten Inhalts &#8211;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>I ask&#8217;d thee, &#8222;Give me immortality.&#8220;<br \/>\nThen didst thou grant mine asking with a smile,<br \/>\nLike wealthy men who care not how they give.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; aber mir fiel, wie so oft, eher Christoph Martin Wieland ein, auch wenn am Beginn von dessen &#8222;Aurora und Cephalus&#8220; Tithon nur eine Nebenrolle zukommt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch lag, umh\u00fcllt vom braunen Schleier<br \/>\nDer Mitternacht, die halbe Welt;<br \/>\nEs ruht&#8216; in ungest\u00f6rter Feier<br \/>\nDas stille Tal, das \u00f6de Feld,<br \/>\nDer Nymphenchor an ihren Kr\u00fcgen,<br \/>\nDer trunkne Faun auf seinem Schlauch,<br \/>\nVielleicht f\u00fcgt&#8217;s Nacht und Zufall auch,<br \/>\nDas manche noch bequemer liegen;<br \/>\nDer Elfen sch\u00f6ne K\u00f6nigin<br \/>\nHatt&#8216; ihren Ringeltanz beschlossen,<br \/>\nUnd sanft auf Blumen hingegossen<br \/>\nSchlief jede kleine T\u00e4nzerin;<br \/>\nUnd kurz, es war zur Zeit der Mette,<br \/>\nAls sich Auror zum ersten Mal<br \/>\nAus ihrem Rosenbette<br \/>\nVon Tithons Seite stahl.<br \/>\nDie Schlafsucht, die sie ihrem Gatten<br \/>\nSonst \u00f6fters vorzur\u00fccken pflag,<br \/>\nKam dieses Mal ihr wohl zu statten.<br \/>\nSie zieht die Brust, an der er schnarchend lag,<br \/>\nSanft unter ihm hinweg, verschiebt mit Zephyr-H\u00e4nden<br \/>\nDie Decke, glitscht heraus, deckt leis ihn wieder zu,<br \/>\nWirft einen Schlafrock um die Lenden<br \/>\nUnd w\u00fcnscht ihm eine sanfte Ruh.<br \/>\nSie fand im Vorgemach die Stunden,<br \/>\nDie ihre Zofen sind, vom Schlummer noch gebunden;<br \/>\nNur eine ward, indem die G\u00f6ttin sich<br \/>\nMit leisem Fu\u00df bei ihr vor\u00fcber schlich,<br \/>\nAus einem Traum, den M\u00e4dchen gerne tr\u00e4umen,<br \/>\nHalb aufgeschreckt; sie schrie, wie Nymphen schrein<br \/>\nUm feuriger gek\u00fcsst, nicht um geh\u00f6rt zu sein;<br \/>\nAuror erschrickt und flieht; allein,<br \/>\nDas M\u00e4dchen legt sich, ruhig auszutr\u00e4umen,<br \/>\nAufs andre Ohr, und schlummert wieder ein.<br \/>\nDie G\u00f6ttin eilt, spannt (was sie nie getan)<br \/>\nMit eigner sch\u00f6ner Hand vor ihren Silberwagen<br \/>\nDrei rosenfarbne Stuten an,<br \/>\nUnd l\u00e4sst sich nach Hymettus tragen.<br \/>\nDort steigt sie ab, l\u00e4sst Pferd und Wagen<br \/>\nIn einer Grotte stehn, und sucht mit zartem Fu\u00df,<br \/>\nAus dessen Tritten Rosen sprossen,<br \/>\nDen sch\u00f6nen Cephalus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine G\u00f6ttin auf Abwegen?! Ja, aber auch Tithons wegen; denn dem, wie er in seiner Jugend war!, sieht Cephalus zum Verwechseln \u00e4hnlich &#8230;<\/p>\n<p>Von der Form her ist es Wieland, wie er leibt und lebt &#8211; bunt wechselnde Reime, bunt wechselnde L\u00e4nge der streng alternierenden Verse, zwischen drei- und sechshebig ist alles vertreten; und liest sich, wie immer, sehr anmutig, was sich durch lautes Lesen einfach best\u00e4tigen l\u00e4sst!<\/p>\n<p>(&#8222;Pflag&#8220; ist die alte, fr\u00fcher \u00fcbliche starke Form von &#8222;pflegen&#8220;; &#8222;glitscht&#8220; klingt heute etwas eigen im gezeigten Zusammenhang, meint aber wohl schlicht &#8222;gleiten&#8220;.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der am Ende des gestrigen Eintrags auftauchende Tithon kommt durchaus h\u00e4ufiger vor in Gedichten, deutschen wie anderssprachigen; von Alfred Tennyson gibt es zum Beispiel einen Blankvers-Text diesen Titels und ernsten Inhalts &#8211; &nbsp; I ask&#8217;d thee, &#8222;Give me immortality.&#8220; Then didst thou grant mine asking with a smile, Like wealthy men who care not how&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3281\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlformen: Das Madrigal (11)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-3281","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3281","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3281"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3281\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3312,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3281\/revisions\/3312"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3281"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3281"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3281"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}