{"id":329,"date":"2013-12-24T01:00:21","date_gmt":"2013-12-23T23:00:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=329"},"modified":"2013-12-24T01:00:21","modified_gmt":"2013-12-23T23:00:21","slug":"das-koenigreich-von-sede-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=329","title":{"rendered":"Das K\u00f6nigreich von Sede (11)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Torfrosch<\/strong><br \/>\n<em>Aus Prinz Klappstuhls Jugendtagen<\/em><\/p>\n<p>Wohin sich Schemel wandte,<br \/>\nAls er ganz fr\u00fch am Morgen<br \/>\nDurchs Schlosstor trat und fortging,<br \/>\nDie Laute an der Seite,<br \/>\nIm Rucksack ein St\u00fcck K\u00e4se,<br \/>\nIn Noten eingeschlagen,<br \/>\nUnd frisches Brot, und Butter,<br \/>\nUnd alten Wein, drei Flaschen?<\/p>\n<p>Wer w\u00fcsste es zu sagen &#8230;<\/p>\n<p>Prinz Klappstuhl wohl, der heimlich<br \/>\nDes K\u00f6nigs Narren nachging,<br \/>\nBem\u00fcht, nicht mit der Schaufel,<br \/>\nDer Hacke nicht zu klappern,<br \/>\nDie er geschultert hatte;<\/p>\n<p>Der K\u00f6nig auch, der sp\u00e4ter,<br \/>\nDem Sohn, dem Narren fluchend,<br \/>\nDen Aufbruch zweier Wachen<br \/>\nVom Fenster aus verfolgte &#8211;<br \/>\nVom Schloss begab das Paar sich<br \/>\nZur alten K\u00f6nigsstra\u00dfe<br \/>\nUnd eilte sie hinunter,<br \/>\nAuf Weisung ihres K\u00f6nigs<br \/>\nZu finden Narr und J\u00fcngling<br \/>\nUnd sicher zu geleiten<br \/>\nZur Burg von K\u00f6nig Boden.<\/p>\n<p>&#8222;Komm, Schemel! Schnell! Ich habe was gefunden!&#8220;<br \/>\nAufseufzend legt des K\u00f6nigs alter Narr<br \/>\nDie Laute fort, auf der er viele Stunden<br \/>\nGe\u00fcbt hat, bis sich <em>Bodens Ehre<\/em> klar<br \/>\nUnd rein aus den elf Saiten hob, und schlendert<br \/>\nZum Tor; und findet alles dort ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Wo sich im Wind sonst Gras und Blumen wiegen,<br \/>\nStarrt Loch an Loch, t\u00fcrmt nackte Erde sich<br \/>\nUnd sorgsam ausgemachte Str\u00e4ucher liegen<br \/>\nVerstreut herum; und Fr\u00f6sche, wunderlich<br \/>\nAus Stein gehau&#8217;ne Fr\u00f6sche, klein wie H\u00e4nde,<br \/>\nWie K\u00f6pfe gro\u00df: Bev\u00f6lkern das Gel\u00e4nde.<\/p>\n<p>&#8222;Bei Bodens Bart!&#8220;, flucht Schemel, &#8222;soviel W\u00e4chter<br \/>\nHast du entdeckt, in Gr\u00fcn, in Braun, gro\u00df, klein?<br \/>\nL\u00e4ufts gut, entdecken Gr\u00e4ber drei, l\u00e4ufts schlechter,<br \/>\nIm ganzen Jahr nicht einen W\u00e4chterstein;<br \/>\nDu holtst mir mehr, und hast nur einen Tag gegraben!<br \/>\nAns Licht, als alle je gefunden haben &#8211;<\/p>\n<p>Mein Junge, du erstaunst &#8230;&#8220; Er spricht nicht weiter,<br \/>\nDenn nun hat er im Wirrwarr jenes Loch<br \/>\nBemerkt, f\u00fcnf Meter lang, ein wenig breiter<br \/>\nUnd tief, sehr tief, drin Klappstuhl steht und doch<br \/>\nVon Kopf bis Fu\u00df zu sehn ist, denn: er steht auf<br \/>\nDes Torfroschs Haupt! Der Narr erbleicht und geht auf<\/p>\n<p>Die Grube zu, und schaut hinein &#8211; ein Teil nur<br \/>\nDes Riesenfrosches sieht bereits das Licht,<br \/>\nNoch gr\u00fcn an manchen Stellen und ganz heil, nur<br \/>\nZerfurcht und voller Risse. Doch nun bricht<br \/>\nEin St\u00fcck der Lippe weg zu Klappstuhls F\u00fc\u00dfen,<br \/>\nEr wankt; und f\u00e4llt; und muss den Leichtsinn b\u00fc\u00dfen,<\/p>\n<p>Der seinen Fund ihn hat erklettern lassen.<br \/>\nDer Narr bemerkt das Ungl\u00fcck, streckt die Hand<br \/>\nIns Loch hinaus, den Prinz im Sturz zu fassen &#8211;<br \/>\nEs gl\u00fcckt; gl\u00fcckt nicht, ihn ziehts vom Grubenrand!<br \/>\nSie schlagen auf: Verstand und Geist erl\u00f6schen<br \/>\nIn Prinz und Narr, und wandern zu den Fr\u00f6schen.<\/p>\n<p>&#8222;Drei V\u00f6gel auf dem Schornstein!&#8220;<br \/>\nDer alte K\u00f6nig Kanapee<br \/>\nSitzt m\u00fc\u00dfig mit dem Seher,<br \/>\nMit Pulverfass im Garten,<br \/>\nDie Sonne zu genie\u00dfen<br \/>\nUnd <em>Bodens Burg<\/em> zu spielen;<br \/>\nDoch pl\u00f6tzlich schweift des Sehers<br \/>\nSo scharfer Blick ins Nichts ab,<br \/>\nMit schr\u00e4ggelegtem Haupte<br \/>\nScheint er gespannt zu lauschen &#8211;<br \/>\n&#8222;Entschuldigt mich, mein K\u00f6nig,<br \/>\nEs kommen eben Dinge,<br \/>\nDie schliefen, in Bewegung,<br \/>\nUnd mir erscheint es n\u00f6tig,<br \/>\nVom Turm aus zuzusehen.&#8220;<br \/>\nUnd Pulverfass erhebt sich,<br \/>\nsagt, um das Spiel zu enden,<br \/>\n&#8222;Zwei Fr\u00f6sche, tief im Brunnen!&#8220;<br \/>\nMit seltsam ernster Stimme,<br \/>\nVerbeugt sich vor dem K\u00f6nig<br \/>\nUnd geht zuerst, und l\u00e4uft dann<br \/>\nVom Garten aus zum Nordturm.<\/p>\n<p><em>Tief erschreckt durch des Torfroschs Schmerz,<\/em><br \/>\n<em> Hingestreckt durch des Torfroschs Schmerz &#8211;<\/em><br \/>\n<em> Narr, erwache! Zur Schwermut sei<\/em><br \/>\n<em> Auferweckt durch des Torfroschs Schmerz &#8230;<\/em><\/p>\n<p>Nur leise noch erklingt in Schemels Sinnen<br \/>\nEin Quarren, Frosch- und doch auch Menschenwort;<br \/>\nEin fernes Fl\u00fcstern jetzt, jetzt ein Verrinnen<br \/>\nIns stille Nichts, ins Schweigen &#8211; es ist fort,<br \/>\nUnd Schemel st\u00f6hnt und regt die sichen Glieder,<br \/>\nSteht auf &#8211; schwankt &#8211; steht! Das Leben hat ihn wieder.<\/p>\n<p>Der Prinz ist gleichfalls wach, auch er zerschunden,<br \/>\nZerbeult, zersch\u00fcrft, mit schwarzem Blut bedeckt;<br \/>\nDoch wie der Narr ganz frei von schweren Wunden,<br \/>\nUnd wie der Narr im Innersten verschreckt:<br \/>\n&#8222;Was ist nach unsrem Sturz mit uns geschehen?<br \/>\nEin Quarren h\u00f6rte ich und konnt&#8217;s verstehen,<\/p>\n<p>Es sagte, sagte &#8230; Weh! Ich hab&#8217;s vergessen!&#8220;<br \/>\n&#8222;Was hier geschieht&#8220;, sagt Schemel, dessen Blick<br \/>\nDen Torfrosch mustert, &#8222;kann ich nicht ermessen;<br \/>\nIch wei\u00df nur eins, wir wandern bald zur\u00fcck<br \/>\nZum Schloss &#8211; ah, Junge, hier! Die Beine neigen<br \/>\nSich weit genug, um dran emporzusteigen!&#8220;<\/p>\n<p>Den Frosch hinauf, zum Grubenrand &#8211; sie springen<br \/>\nUnd landen weich, und liegen keuchend da,<br \/>\nBeruhigen sich; der Schmerz l\u00e4sst nach; sie zwingen<br \/>\nSich aufzustehn, und Schemel sagt: &#8222;Das war<br \/>\nDer leichte Teil; den Torfrosch zu verh\u00fcllen,<br \/>\nGilt&#8217;s nun, das Loch mit Erde aufzuf\u00fcllen,<\/p>\n<p>Bevor die Wachen kommen und ihn sehen &#8211;<br \/>\nDie Schaufeln her!&#8220; &#8222;Das Loch &#8230;&#8220; Der Prinz erbleicht.<br \/>\n&#8222;Mit <em>einer<\/em> Schaufel? Krank?! Wie soll das gehen!&#8220;<br \/>\n&#8222;Es muss. Wenn jemand dieses Loch erreicht,<br \/>\nHineinschaut, und bemerkt &#8230; nein! Nein! Wir <em>m\u00fcssen<\/em><br \/>\nVerhindern, dass noch andre davon wissen!&#8220;<\/p>\n<p>Prinz Klappstuhl st\u00f6hnt, und greift zur Schaufel; sticht sie<br \/>\nIns Erdreich, hebt es, wirft es m\u00fcd&#8216; hinab,<br \/>\nEr sticht &#8211; und diesmal folgt die Erde nicht, sie<br \/>\nBewegt sich, kr\u00fcmelt von der Schaufel ab,<br \/>\nBewegt <em>sich selbst<\/em> und h\u00fcpft, wie Fr\u00f6sche h\u00fcpfen,<br \/>\nZum Grubenrand, von dort ins Loch zu schl\u00fcpfen.<\/p>\n<p>Nun regt sich hier, nun da ein wenig Erde,<br \/>\nVerklumpt, bewegt sich, h\u00fcpft zur Grube hin &#8211;<br \/>\nNun \u00fcberall, die sprunggewalt&#8217;ge Herde<br \/>\nGehorcht, wer k\u00f6nnte sagen, welchem Sinn<br \/>\nUnd st\u00fcrzt ins Loch, den Torfrosch zu verstecken;<br \/>\nUnd kurz darauf ist nichts mehr zu entdecken.<\/p>\n<p>Um nichts zu fr\u00fch! Die Wachen,<br \/>\nDie aufgebrochen waren,<br \/>\nIm alten Wald zu jagen,<br \/>\nSind nun zur\u00fcck und gaffen<br \/>\nDen Prinzen an, den Narren,<br \/>\nDie ausgemachten Str\u00e4ucher,<br \/>\nDie ausgegrab&#8217;nen Fr\u00f6sche,<br \/>\nDie schwarze, nackte Erde<br \/>\nUnd \u00f6ffnen schon die M\u00fcnder,<br \/>\nUm Fragen \u00fcber Fragen<br \/>\nAn Narr und Prinz zu richten &#8211;<br \/>\nVergebens! Schemel hei\u00dft sie,<br \/>\nDie Str\u00e4ucher neu zu pflanzen,<br \/>\nDie Fr\u00f6sche aller Gr\u00f6\u00dfen<br \/>\nZu sammeln und im Wachhaus<br \/>\nBehutsam abzulegen;<br \/>\nDann w\u00e4hlt er einen kleinen,<br \/>\nIhn mit ins Schloss zu nehmen,<br \/>\nUnd heimw\u00e4rts geht die Reise!<\/p>\n<p>Beim Licht von Mond und Sternen<br \/>\nErreichen schlie\u00dflich Klappstuhl<br \/>\nUnd Schemel wund das Schlosstor,<br \/>\nDurchschreiten es, begeben<br \/>\nSich still zu ihren R\u00e4umen,<br \/>\nEntkleiden sich und waschen<br \/>\nDen Schmutz von ihren Gliedern,<br \/>\nVerbinden ihre Wunden<br \/>\nUnd kriechen in die Betten,<br \/>\nEin wenig Schlaf zu finden:<\/p>\n<p><em>Zugedeckt von des Torfroschs Schmerz.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Torfrosch Aus Prinz Klappstuhls Jugendtagen Wohin sich Schemel wandte, Als er ganz fr\u00fch am Morgen Durchs Schlosstor trat und fortging, Die Laute an der Seite, Im Rucksack ein St\u00fcck K\u00e4se, In Noten eingeschlagen, Und frisches Brot, und Butter, Und alten Wein, drei Flaschen? 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