{"id":3367,"date":"2014-11-20T02:27:59","date_gmt":"2014-11-20T00:27:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3367"},"modified":"2014-11-20T02:30:29","modified_gmt":"2014-11-20T00:30:29","slug":"erzaehlverse-der-trochaeische-vierheber-36","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3367","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der troch\u00e4ische Vierheber (36)"},"content":{"rendered":"<p>So ist das mit den Dichtern. Andere legen sich mittags einfach unter einen Baum und schauen den ziehenden Wolken zu und erkennen vieles in ihnen &#8211; und schweigen davon; der Versemacher aber macht Verse dar\u00fcber und legt sie seinen Mitmenschen vor.<\/p>\n<p>Nicht anders Emanuel Geibel in seiner &#8222;Mittagsstille&#8220;, die nach einschl\u00e4fernder, damit aber selbstredend zum verhandelten Gegenstand passender Einleitung genau diese Wolkenbetrachtung beschreibt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Welche tiefe Mittagsschw\u00fcle<br \/>\nLagert \u00fcberm Tal und zieht mich<br \/>\nAuf das weiche Moos hernieder,<br \/>\nDas, ein gr\u00fcn und goldner Teppich,<br \/>\nSich um Eichenwurzeln breitet!<br \/>\nAlles still! Kein L\u00fcftchen atmet.<br \/>\nIn den m\u00e4cht&#8217;gen Wipfeln r\u00fchret<br \/>\nSich kein Blatt, am See kein Schilfhalm<br \/>\nNeigt sich fl\u00fcsternd hin und wieder.<br \/>\nTief im k\u00fchlsten Dickicht schlummern<br \/>\nFink und Amsel, selbst die Sonne<br \/>\nWandelt, m\u00fcd und l\u00e4ssig blickend,<br \/>\nLangsam ihre Bahn im Traume;<br \/>\nUnd wie alles nun im Kreise<br \/>\nSchweigt und ausruht, wie mir selber<br \/>\nSchwer es lastet auf den Wimpern,<br \/>\nIst es mir, der Weltgeist schlafe.<br \/>\nNur die Wolken dort, die luft&#8217;gen,<br \/>\nEwig wechselnden Gestalten,<br \/>\nZiehn im Blau, wie durch die Seele<br \/>\nWandelbare Tr\u00e4ume ziehen<br \/>\nSchnell geboren, schnell verschwindend.<br \/>\nJetzt sind&#8217;s wei\u00dfe Friedensschw\u00e4ne,<br \/>\nSchiffe jetzt mit stolzen Wimpeln,<br \/>\nJetzt ein Schloss, auf dessen Zinnen<br \/>\nBl\u00fchend pr\u00e4cht&#8217;ge G\u00e4rten hangen.<br \/>\nAus dem Schlosse steigt ein K\u00f6nig<br \/>\nSilberb\u00e4rtig, mit erhobner<br \/>\nRechten segnet er die V\u00f6lker;<br \/>\nNun auf goldnem Wagen thronend<br \/>\nNaht ein hohes Weib, es schimmert<br \/>\nSchneerein ihr Gewand \u2013 so dacht&#8216; ich<br \/>\nMir die Freiheit, wenn sie siegreich<br \/>\nL\u00e4chelnd hinf\u00e4hrt durch die St\u00e4dte<br \/>\nMit der Waage, mit dem Palmzweig.<br \/>\nWeil&#8216;, o G\u00f6ttliche! \u2013 Vergebens!<br \/>\nSchon zerrinnt die Glanzerscheinung<br \/>\nIn die Luft, und neue Bilder<br \/>\nDr\u00e4ngen sich empor am Himmel.<\/p>\n<p>Sind vielleicht die Wolken droben<br \/>\nLichte Tr\u00e4ume nur des Weltgeists,<br \/>\nWenn er schlummert, Gottgedanken,<br \/>\nDie in luft&#8217;gen Stoff gebildet<br \/>\nDurch den klaren Himmel fluten,<br \/>\nAllzu sch\u00f6n f\u00fcr unsre Erde?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Wie immer bei Geibel: Sichere Verse, aber keine begeisternden; immer nah an dem, was man ohnehin erwarten w\u00fcrde. Immerhin wird er dem Vierheber gerecht durch die Beschreibung der &#8222;Wolkenbilder&#8220;,\u00a0 die viegestaltig und abwechslungsreich daherkommen im Vergleich zu den recht verbrauchten Beschreibungen des Anfangs?!<\/p>\n<p>So gesehen, ein lesbarer Text; bei dem man dann auch noch den Schlag mit Holzhammer verschmerzt in Form der Erkl\u00e4rung in den letzten sechs Versen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So ist das mit den Dichtern. Andere legen sich mittags einfach unter einen Baum und schauen den ziehenden Wolken zu und erkennen vieles in ihnen &#8211; und schweigen davon; der Versemacher aber macht Verse dar\u00fcber und legt sie seinen Mitmenschen vor. 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