{"id":3382,"date":"2014-11-22T01:19:07","date_gmt":"2014-11-21T23:19:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3382"},"modified":"2014-11-22T01:20:57","modified_gmt":"2014-11-21T23:20:57","slug":"erzaehlformen-das-madrigal-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3382","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Madrigal (12)"},"content":{"rendered":"<p>Gotthold Ephraim Lessing ist 1781 gestorben, und seitdem ist viel Zeit vergangen; trotzdem wirkt sein Madrigal &#8222;Die eheliche Liebe&#8220; heute noch so frisch wie zu seinen Lebzeiten! Und das liegt gewiss nicht an dem verhandelten &#8222;Was&#8220;; sondern eindeutig am &#8222;Wie&#8220;. Der Text:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Klorinde starb: sechs Wochen drauf<br \/>\nGab auch ihr Mann das Leben auf,<br \/>\nUnd seine Seele nahm aus diesem Weltget\u00fcmmel<br \/>\nDen pfeilgeraden Weg zum Himmel.<br \/>\n&#8222;Herr Petrus!&#8220; rief er, &#8222;aufgemacht!&#8220; \u2014<br \/>\n&#8222;Wer da?&#8220; \u2014 &#8222;Ein wack&#8217;rer Christ. &#8220; \u2014<br \/>\n&#8222;Was f\u00fcr ein wack&#8217;rer Christ? &#8220;<br \/>\n&#8222;Der manche Nacht,<br \/>\nSeitdem die Schwindsucht ihn aufs Krankenbette brachte,<br \/>\nIn Furcht, Gebet und Zittern wachte.<br \/>\nMacht bald!&#8220;\u2014\u00a0 Das Tor wird aufgetan.<br \/>\n&#8222;Ha, ha! Klorindens Mann!<br \/>\nMein Freund&#8220;, spricht Petrus, &#8222;nur herein;<br \/>\nNoch wird bei Eurer Frau ein Pl\u00e4tzchen ledig sein.&#8220;<br \/>\n&#8222;Was? Meine Frau im Himmel? Wie?<br \/>\nKlorinden habt ihr eingenommen?<br \/>\nLebt wohl! Habt Dank f\u00fcr Eure M\u00fch&#8216;!<br \/>\nIch will schon sonstwo unterkommen.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die ersten beiden Verse k\u00f6nnten auch einen Verspaar-Text er\u00f6ffnen; glatte, gereimte, sich sch\u00f6n erg\u00e4nzende iambische Vierheber. Danach\u00a0 folgt aber schon ein Alexandriner, also ein Sechsheber, und dann wechseln in bunter Folge die Versl\u00e4nge und die Reimanordnung, ganz so, wie es im Madrigal \u00fcblich ist, und in feiner \u00dcbereinstimmung mit dem Inhalt &#8211; das Gespr\u00e4ch zwischen &#8222;Mann&#8220; und Petrus wirkt so sehr lebendig und spannungsvoll, ohne dass der Eindruck, Verse zu lesen, irgendwie geschw\u00e4cht w\u00fcrde?!<\/p>\n<p>Der manche Nacht,<br \/>\nSeitdem die Schwindsucht ihn aufs Krankenbette brachte,<\/p>\n<p>&#8211; Der heftigste Wechsel, ziemlich in der Mitte des Textes; aus einem viersilbigen Zweiheber springt Lessing in einen dreizehnsilbigen Sechsheber! Die letzten Vier Verse landen dann aber wieder da, wo alles seinen Anfang genommen hat: Beim iambischen Vierheber, nur dass hier nicht mehr paargereimt wird, sondern kreuzgereimt.<\/p>\n<p>EIn Text, den man unbedingt laut lesen sollte; erst dann, \u00fcber das Ohr! wird verst\u00e4ndlich, wie geschickt Lessing hier seine Verse gebaut hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gotthold Ephraim Lessing ist 1781 gestorben, und seitdem ist viel Zeit vergangen; trotzdem wirkt sein Madrigal &#8222;Die eheliche Liebe&#8220; heute noch so frisch wie zu seinen Lebzeiten! Und das liegt gewiss nicht an dem verhandelten &#8222;Was&#8220;; sondern eindeutig am &#8222;Wie&#8220;. 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