{"id":3430,"date":"2014-11-29T00:25:30","date_gmt":"2014-11-28T22:25:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3430"},"modified":"2014-11-30T00:33:57","modified_gmt":"2014-11-29T22:33:57","slug":"erzaehlformen-das-reimpaar-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3430","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Reimpaar (14)"},"content":{"rendered":"<p>Gottfried Keller hat unter dem Titel <strong>Panard und Galet<\/strong> &#8211; &#8222;Franz\u00f6sische Poeten des 18. Jahrhunderts&#8220;, wie er in einer Fu\u00dfnote anmerkt &#8211; drei Gedichte versammelt, bei denen der Blick auf den Bau lohnt!<\/p>\n<p>Das erste Gedicht schildert die Erlebnisse der beiden an einem Osterwochenende und ist in einer f\u00fcnfzeiligen Strophe gehalten. Die erste Strophe:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie kamen von der Tr\u00e4nke,<br \/>\nSie wankten aus der Sch\u00e4nke<br \/>\nMit einer Zecherschar,<br \/>\nAls es Karfreitagmorgen<br \/>\nUnd grabesstille war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das erinnert etwas an die vom Verserz\u00e4hler schon vorgestellte <a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/2014\/10\/07\/die-lindenschmidt-strophe\/\" target=\"_blank\">Lindenschmidt-Strophe<\/a>?! Wie diese auch ist der von Keller verwendete F\u00fcnfzeiler eine trickreiche kleine Form, ein beschr\u00e4nkter Raum, in den Keller die S\u00e4tze mit sicherer Hand einf\u00fcgt!<\/p>\n<p>Das zweite Gedicht nutzt dann das Reimpaar, einzeln gesetzt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf seinem Bette liegt Galet,<br \/>\nWeglachend seines Todes Weh.<\/p>\n<p>Er schickt Panard den Morgengru\u00df,<br \/>\nSechs neue Lieder zum Genuss.<\/p>\n<p>&#8222;Erst wollt ich reimen, liebes Kind!<br \/>\nSo viele, als Apostel sind.<\/p>\n<p>Doch hab ich&#8217;s nur auf sechs gebracht,<br \/>\nWeil schon der Totengr\u00e4ber wacht.<\/p>\n<p>Der Totengr\u00e4ber an der T\u00fcr<br \/>\nMit seinem Spaten lauscht herf\u00fcr.<\/p>\n<p>Der hackt mich mit den andern sechs<br \/>\nBald unter gr\u00fcnes Grasgew\u00e4chs.<\/p>\n<p>Leb wohl, mich d\u00fcnkt, nun muss es sein,<br \/>\nDer beste Reim ist Rhein und Wein!&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das klingt &#8211; anders? Mutwilliger, frecher, unbek\u00fcmmerter, &#8222;weglachend&#8220; &#8211; sicher auch durch die sorglose Reimbeschaffung &#8230;<\/p>\n<p>Im dritten Text beklagt Panard die Lage des Grabes, wie zu erwarten, in weinseligem Ton (die drei Gedichte stehen in Kellers Werken mitten in einer ganzen Gruppe solcher Texte). Eine Beispielstrophe:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es regnet meiner Tr\u00e4nen Fluss<br \/>\nWie toll zu jeder Stund,<br \/>\nDass mit der Hand ich decken muss<br \/>\nDas Glas an meinem Mund!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Diesmal also kreuzgereimte Vierzeiler. Aber wieder flie\u00dfender, ruhiger, als es eben noch die Reimpaare waren.<\/p>\n<p>Daraus muss nicht allzuviel folgen; aber es ist ein weiteres Beispiel daf\u00fcr, wie das Reimpaar aus iambischen Vierhebern bei den verschiedenen Verfassern geklungen hat und wof\u00fcr sie es verwendet haben; und diese Beispiele sind n\u00fctzlich f\u00fcr jeden, der sich heute am Reimpaar versuchen will. Denn wenn solches Dichten heute noch \u00fcberzeugen soll, muss dabei auch einiges an Gestaltungswillen erkennbar werden, sonst wirken solche Reimpaare schnell wie &#8222;eben mal dahingedichtet&#8220; und werden auch so wahrgenommen und beurteilt &#8230;<\/p>\n<p>Etwas zus\u00e4tzliches Wissen zu Kellers Gedichten kann, wer mag, bei <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=vB7G16IrTncC&amp;pg=PA275&amp;lpg=PA275&amp;dq=galet+keller&amp;source=bl&amp;ots=5e73q5BXfV&amp;sig=TzN1pMg_5EXl-E1L3eIGSUDGFU4&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=KfF4VLypCMPJOc_igagF&amp;ved=0CDIQ6AEwAw#v=onepage&amp;q=galet%20keller&amp;f=false\" target=\"_blank\">Gert Sautermeister<\/a> erwerben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gottfried Keller hat unter dem Titel Panard und Galet &#8211; &#8222;Franz\u00f6sische Poeten des 18. Jahrhunderts&#8220;, wie er in einer Fu\u00dfnote anmerkt &#8211; drei Gedichte versammelt, bei denen der Blick auf den Bau lohnt! Das erste Gedicht schildert die Erlebnisse der beiden an einem Osterwochenende und ist in einer f\u00fcnfzeiligen Strophe gehalten. Die erste Strophe: &nbsp;&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3430\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlformen: Das Reimpaar (14)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-3430","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3430","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3430"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3430\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3441,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3430\/revisions\/3441"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3430"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3430"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3430"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}