{"id":3552,"date":"2014-12-14T01:02:43","date_gmt":"2014-12-13T23:02:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3552"},"modified":"2014-12-14T11:16:34","modified_gmt":"2014-12-14T09:16:34","slug":"erzaehlverse-der-trochaeische-fuenfheber-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3552","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der troch\u00e4ische F\u00fcnfheber (3)"},"content":{"rendered":"<p>August von Platens m\u00e4rchenhaftes Epos &#8222;Die Abbasiden&#8220; ist l\u00e4ngst nicht so bekannt, wie es sein sollte. Daher stelle ich hier ein kleines St\u00fcck davon vor, einige Verse aus dem neun Ges\u00e4nge umfassenden Werk!<\/p>\n<p>Harun al Raschids Sohn Assad, auf der Suche nach seinem Bruder Amin, findet sich im zweiten Gesang in einer fremden Stadt wieder. Es ist Abend, und Assad beschlie\u00dft, sich eine Bleibe zu suchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als er dies erw\u00e4gt, vernimmt er pl\u00f6tzlich<br \/>\nPaukenschall, Drommetenklang und Pfeifen,<br \/>\nJa, Gesang erhebend naht ein langer<br \/>\nZug von Fackeln. Junge Fraun und M\u00e4nner<br \/>\nGingen paarweis, um die Schl\u00e4fe Rosen<br \/>\nUnd in goldenen K\u00f6rben Rosen tragend,<br \/>\nDie sie singend auf den Weg verstreuten;<br \/>\nAber vier geschm\u00fcckte Knaben f\u00fchrten<br \/>\nEinen wei\u00dfen Zelter, bunt behangen.<br \/>\nAuf dem Zelter sa\u00df die sch\u00f6nste Jungfrau,<br \/>\n\u00dcbers\u00e4t von Perlen und Rubinen;<br \/>\nAber Tr\u00e4nen blitzen ihr im Auge,<br \/>\nTr\u00e4nen fielen \u00fcber bleiche Wangen,<br \/>\nUnd unendlich wie der Seele Sch\u00f6nheit<br \/>\nSchien der Schmerz in ihrer sch\u00f6nen Seele.<br \/>\nIhr zur Seite ritt ein Zwerg, phantastisch<br \/>\nAufgeputzt, mit einem spitzen H\u00f6cker.<br \/>\nWie die alte Fabel uns die G\u00f6ttin<br \/>\nEwiger Reize malt und widersinnig<br \/>\nZugesellt ihr einen lahmen Unhold:<br \/>\nAlso ritt auch jenes Paar selbander.<br \/>\nAber Haruns Sohn verwandte keinen<br \/>\nBlick vom nassen Angesicht der Jungfrau.<br \/>\nAufgeweckt von Mitgef\u00fchl, entschwebte<br \/>\nSeiner Brust der ersten Liebe Seufzer,<br \/>\nUnd in Sehnsucht schmolz das tiefste Herz ihm.<br \/>\nEinen jungen Fl\u00f6tenspieler endlich<br \/>\nAus dem Zug beiseite ziehend, lispelt<br \/>\nSch\u00fcchtern Assad dieses Wort ihm:<br \/>\n&#8222;Was bedeutet dieses Fest, und welche<br \/>\nSch\u00f6ne Dame reitet auf dem Zelter?<br \/>\nWas beweint sie? Sag es mir, Geliebter!&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein sehr angenehmer, eing\u00e4ngiger M\u00e4rchenton, den Platen das ganze Epos \u00fcber durchh\u00e4lt, gleichg\u00fcltig, ob die reine Handlung im Vordergrund steht oder eher ruhige Beschreibung. Dabei ist seine Sprache recht nah an der Prosa und erf\u00fcllt das Versma\u00df doch immer auf feine Weise; ganz selten lockert Platen dabei den strengen Gang der Troch\u00e4en durch eingestreute zweisilbig besetzte Senkungen auf: &#8222;goldenen&#8220;, &#8222;ewigen&#8220;. Das wirkt immer einfach, ist es aber nicht &#8211; aus dem dritten Gesang:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlanke S\u00e4ulen aus geflecktem Marmor<br \/>\nTrugen bl\u00fchende Myrtenlaubgew\u00f6lbe,<br \/>\nWohlgeruch verbreitend; auf Gel\u00e4ndern<br \/>\nStanden ringsumher bemalte Kr\u00fcge,<br \/>\nSch\u00f6ngeformt und voll der sch\u00f6nsten Rosen:<br \/>\nEinem Landhaus glich das Schloss, und einsam<br \/>\nAuf Terassen, durch Zitronenw\u00e4ldchen<br \/>\nSanft beschattet, die das Meer besp\u00fclte,<br \/>\nLag&#8217;s in h\u00fcgelreicher K\u00fcstenlandschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Wer diese Art von Beschreibung einmal selbst versucht, wird feststellen: Das klingt m\u00fchelos und ist doch wirklich harte Arbeit &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>August von Platens m\u00e4rchenhaftes Epos &#8222;Die Abbasiden&#8220; ist l\u00e4ngst nicht so bekannt, wie es sein sollte. Daher stelle ich hier ein kleines St\u00fcck davon vor, einige Verse aus dem neun Ges\u00e4nge umfassenden Werk! Harun al Raschids Sohn Assad, auf der Suche nach seinem Bruder Amin, findet sich im zweiten Gesang in einer fremden Stadt wieder&#8230;. <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3552\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlverse: Der troch\u00e4ische F\u00fcnfheber (3)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-3552","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3552","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3552"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3552\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3558,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3552\/revisions\/3558"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3552"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3552"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3552"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}