{"id":3588,"date":"2014-12-20T01:18:30","date_gmt":"2014-12-19T23:18:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3588"},"modified":"2014-12-20T12:50:00","modified_gmt":"2014-12-20T10:50:00","slug":"erzaehlformen-das-distichon-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3588","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (12)"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Der farnesische Herkules&#8220; war schon in der Antike eine ber\u00fchmte Skulptur, und ist das in der weiteren europ\u00e4ischen Geschichte auch geblieben: Wer mag, kann sich dazu ja mal den Wikipedia-Eintrag ansehen (wobei der <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Farnese_Hercules\" target=\"_blank\">englische<\/a> ein wenig ausf\u00fchrlicher als der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herkules_Farnese\" target=\"_blank\">deutsche<\/a> ist) &#8211; ein Blick auf eine Abbildung der Statue w\u00e4re aber bestimmt sinnvoll, um zu wissen, was da im folgenden beschrieben wird!<\/p>\n<p>Paul Heyse hat n\u00e4mlich \u00fcber diese Skulptur einen Text in Distichen geschrieben, randvoll mit Anspielungen auf die Antike &#8211; die Statue selbst, die ber\u00fchmten zw\u00f6lf Taten des Herkules, G\u00f6tter und G\u00f6ttinnen &#8230;<\/p>\n<p>Aber auch, wenn vielleicht nicht jeder Bezug gleich klar ist: Heyses wenig ehrerbietiger Tonfall ist in jedem Fall un\u00fcberh\u00f6rbar!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Welch ein schwellend Gebirge von Fleisch und Muskeln! Am Kopf nur<br \/>\nKam er ein wenig zu kurz; enge sind Sch\u00e4del und Stirn.<br \/>\nDoch so schuf ihn Natur mit Bedacht; ein Kl\u00fcgerer h\u00e4tte<br \/>\nSo fruchtlosem Gesch\u00e4ft schwerlich das Leben geweiht,<br \/>\nNicht vom Schmutze ges\u00e4ubert die Welt, von w\u00fcstem Geziefer,<br \/>\nNoch prometheischen Trotz rettend vom Geier befreit.<br \/>\nAber erkennst du denn nicht, halbg\u00f6ttischer Tor: des Augias<br \/>\nStall f\u00fcllt wieder sich an, wieder erg\u00e4nzt sich die Zahl<br \/>\nGrimmiger Hydrah\u00e4upter; es kreischen die Stymphaliden,<br \/>\nKraft und Gewalt aufs neu&#8216; schmieden in Bande den Geist.<br \/>\nDarum senkst du nun freilich das Haupt in zweifelnder Schwermut;<br \/>\nDoch nicht g\u00e4nzlich umsonst hast du die Kr\u00e4fte bew\u00e4hrt.<br \/>\nGl\u00fcck bei Weibern tr\u00e4gt es dir ein; es liebten die sch\u00f6nen<br \/>\nSeelen sogar von je diesen athletischen Wuchs.<br \/>\nMit so geringem Verstande gepaart, und Omphale setzt auf<br \/>\nSolch stiernackigen Freund gerne den z\u00e4rtlichen Fu\u00df.<br \/>\nJa, im Olymp, wo Hebe, die Zierlichschwebende, furchtlos<br \/>\nDir in die schwielige Faust br\u00e4utlich ihr Patschchen gelegt,<br \/>\nStiftest du Zwietracht fast. An ihrem gewaltigen Kriegsgott<br \/>\nSchielt nun Venus vorbei, neidet der Kleinen ihr Gl\u00fcck.<br \/>\nFast wird eifers\u00fcchtig der Vater der Menschen und G\u00f6tter,<br \/>\nDa leutseligen Blicks Juno den Neuling begr\u00fc\u00dft.<br \/>\nNur die Grazien fl\u00fcchten entsetzt; es r\u00fcmpfet Minerva<br \/>\nH\u00f6hnisch die Lippe: &#8222;Warum lie\u00df man den Hausknecht herein?&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; So geht das, wenn man pl\u00f6tzlich unter den G\u00f6ttern erscheint &#8230; Sprachlich ist, ganz passend, auch eine gewisse Nachl\u00e4ssigkeit da;\u00a0 &#8222;setzt auf \/\/ solch stiernackigen&#8220; etwa ist schon ein heftiger Zeilensprung, und in \u00e4lteren Fassungen des Textes gab es sogar noch einen h\u00e4rteren, gleich im Distichon dar\u00fcber:<\/p>\n<p>Gl\u00fcck bei Weibern tr\u00e4gt es dir ein; es liebten sogar die<br \/>\nSch\u00f6nen Seelen von je diesen athletischen Wuchs.<\/p>\n<p>&#8211; Aber der ist dann, scheint&#8217;s, durch einfaches Umstellen doch abgemildert worden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Der farnesische Herkules&#8220; war schon in der Antike eine ber\u00fchmte Skulptur, und ist das in der weiteren europ\u00e4ischen Geschichte auch geblieben: Wer mag, kann sich dazu ja mal den Wikipedia-Eintrag ansehen (wobei der englische ein wenig ausf\u00fchrlicher als der deutsche ist) &#8211; ein Blick auf eine Abbildung der Statue w\u00e4re aber bestimmt sinnvoll, um zu&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3588\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (12)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-3588","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3588","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3588"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3588\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3599,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3588\/revisions\/3599"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3588"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3588"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3588"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}