{"id":3664,"date":"2014-12-31T02:00:43","date_gmt":"2014-12-31T01:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3664"},"modified":"2015-01-01T22:29:20","modified_gmt":"2015-01-01T21:29:20","slug":"buecher-zum-vers-61","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3664","title":{"rendered":"B\u00fccher zum Vers (61)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hans-Heinrich Hellmuth \/ Joachim Schr\u00f6der (Hrsg.):<\/strong><br \/>\n<strong>Die Lehre von der Nachahmung der antiken Versma\u00dfe im Deutschen.<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Band ist 1976 bei Fink erschienen, in der Reihe &#8222;Studien und Quellen zur Versgeschichte&#8220;, und es geht in ihm eher um die &#8222;Quellen&#8220;: Auf f\u00fcnfhundert Seiten sammeln die Herausgeber ein F\u00fclle von Texten aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Frage betreffend, wie sich denn die griechische beziehungsweise lateinische Sprache und Metrik zur deutschen Sprache und Metrik verhalten; und was daraus f\u00fcr Folgerungen zu ziehen sind, will man, f\u00fcr die \u00dcbersetzung oder den eigenst\u00e4ndigen Text, die antiken Versma\u00dfe im Deutschen nachbilden.<\/p>\n<p>Das liest sich nicht immer einfach, auch des zeitlichen Abstands wegen; und die oft ausufernden metrischen Fach-und Streitgespr\u00e4che tun ein \u00fcbriges. Aber trotzdem: Ein wichtiger und sehr lehrreicher Band, besch\u00e4ftigt man sich auch heute noch mit diesen Fragen!<\/p>\n<p>Und es sind auch l\u00e4ngst nicht alle Texte schwer zug\u00e4nglich. Ziemlich am Anfang (auf Seite 5) findet sich zum Beispiel dieser Brief von Ewald von Kleist, geschrieben am 21. Januar 1747 an Ludwig Gleim:<\/p>\n<p>Warum tadeln Sie mir mein Landleben nicht? Dies w\u00fcrde mich nicht abschrecken; ich bin nicht so furchtsam, als Sie sich einbilden. &#8211; Es ist Ihnen anst\u00f6\u00dfig gewesen, dass ich habe Tulpen und Rosen zugleich bl\u00fchen lassen; ob dies gleich nun nicht anz wider die Natur ist, so lass&#8216; ich mir doch alle Ihre \u00c4nderungen gefallen. Sie werden hier und da noch unrichtige Dactylos bemerkt haben, z.B. gleich im Anfange: &#8222;<strong>F\u00fcllt<\/strong> meine <strong>See<\/strong>le&#8220;, &#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> v v <span class=\"postbody\">\u2014<\/span> v&#8220;; sie sind aber nicht sehr h\u00e4ufig, und ich will sie schon wegbringen. Im Fall, dass sie das deutsche Silbenma\u00df aber nach der lateinischen Prosodie abmessen wollen, werden sie unz\u00e4hlige Schnitzer darin gewahr werden. Dies geht aber nicht. So ist zum Beispiel die <em>positio firma<\/em> der R\u00f6mer im Deutschen tausendmal kurz. Ich sage nicht &#8222;<strong>Lieb<\/strong>&#8211;<strong>ling<\/strong>&#8222;,\u00a0 &#8220; <span class=\"postbody\">\u2014<\/span> <span class=\"postbody\">\u2014<\/span>&#8222;, sondern &#8222;<strong>Lieb<\/strong>ling&#8220;, &#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> v&#8220;; nicht &#8222;<strong>flie<\/strong>&#8211;<strong>\u00dfen<\/strong>de&#8220;, &#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> <span class=\"postbody\">\u2014<\/span> v&#8220;, sondern &#8222;<strong>flie<\/strong>\u00dfende&#8220;, &#8220; <span class=\"postbody\">\u2014<\/span> v v &#8220; und so weiter. Ja, selbst die Diphthongen sind oft kurz; zum Beispiel &#8222;<strong>Laub<\/strong>h\u00f6hle&#8220;, &#8222;<span class=\"postbody\">\u2014<\/span> v v &#8222;, nicht &#8222;<strong>Laub<\/strong>&#8211;<strong>h\u00f6h<\/strong>le&#8220;, &#8222;<span class=\"postbody\">\u2014 \u2014 v&#8220;; nicht &#8222;<strong>Wohn<\/strong>&#8211;<strong>hau<\/strong>ses&#8220;, &#8222;\u2014 \u2014 v&#8220;, sondern &#8222;<strong>Wohn<\/strong>hauses&#8220;, &#8222;\u2014 v v&#8220;. Doch ist dieses nur in Derivativis; in der Primitivis sind sie immer lang. Man muss also im Deutschen das Silbenma\u00df blo\u00df nach dem Geh\u00f6r einrichten, und ich wei\u00df nicht, was Uz mit seinen reinen Dactylen will. Lass unsere Nachkommen sich aus uns eine deutsche Prosodie machen, wie die lateinischen Grammatiker die Prosodie aus den lateinischen Autoren gezogen, nicht aber diese sich nach den Regeln jener gerichtet haben.<\/span><\/p>\n<p>Kein sehr langer Brief; aber schon genug Stoff f\u00fcr einige durchgr\u00fcbelte Stunden &#8230; Das erw\u00e4hnte &#8222;Landleben&#8220; ist dann als &#8222;Der Fr\u00fchling&#8220; erschienen; ein Text, auf den einzugehen lohnt und auf den ich daher auch zur\u00fcckkommen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Und um zum vorgestellten Buch zur\u00fcckzukommen: Unbedingt reinschauen, ergibt sich die M\u00f6glichkeit dazu!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans-Heinrich Hellmuth \/ Joachim Schr\u00f6der (Hrsg.): Die Lehre von der Nachahmung der antiken Versma\u00dfe im Deutschen. Dieser Band ist 1976 bei Fink erschienen, in der Reihe &#8222;Studien und Quellen zur Versgeschichte&#8220;, und es geht in ihm eher um die &#8222;Quellen&#8220;: Auf f\u00fcnfhundert Seiten sammeln die Herausgeber ein F\u00fclle von Texten aus dem 18. und 19&#8230;. <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3664\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in B\u00fccher zum Vers (61)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-3664","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3664","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3664"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3664\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3675,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3664\/revisions\/3675"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3664"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3664"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3664"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}