{"id":3717,"date":"2015-01-11T00:42:24","date_gmt":"2015-01-10T23:42:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3717"},"modified":"2015-01-12T01:46:56","modified_gmt":"2015-01-12T00:46:56","slug":"der-cherubinische-wandersmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3717","title":{"rendered":"Der cherubinische Wandersmann"},"content":{"rendered":"<p>Der &#8222;cherubinische Wandersmann&#8220; ist eine Sammlung von zumeist sehr kurzen Epigrammen; geschrieben hat diese der christliche Mystiker Angelus Silesius im 17. Jahrhundert. &#8222;Sehr kurz&#8220;, das meint: ein Verspaar lang, und damit schlie\u00dft sich dieser Eintrag an den gestrigen an, denn im Barock war ein solches Verspaar eben ein Alexandriner-Couplet!<\/p>\n<p>Angelus Silesius, oder Johann Scheffler hat diese Form sehr sicher beherrscht, und schon nach dem Lesen von zehn, zwanzig seiner Epigramme ist ihr ganz eigener Tonfall so vertraut, das man hingeht und selbst Alexandriner-Couplets schreibt; ohne M\u00fche und eines nach dem anderen. Jedenfalls ging es mir so; wer selbst den Versuch machen m\u00f6chte &#8211; hier eine kleine Kostprobe von sechs Epigrammen, einem aus jedem Buch des &#8222;Wandermanns&#8220;!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u00a0Verachtet sein bringt Wonne (2\/244)<\/em><\/p>\n<p>Verlacht, verlassen stehn, viel leiden in der Zeit,<br \/>\nNichts haben, k\u00f6nnen, sein: Ist meine Herrlichkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Gott ist allem gleich nahe (5\/72)<\/em><\/p>\n<p>Gott ist dem Belzebub nah wie dem Seraphim:<br \/>\nEs kehrt nur Belzebub den R\u00fccken gegen ihm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Gott nichts und alles (4\/38)<\/em><\/p>\n<p>Gott ist ein Geist, ein Feur, ein Wesen und ein Licht:<br \/>\nUnd ist doch wiederum auch dieses alles nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Das menschliche Herze (3\/111)<\/em><\/p>\n<p>Gott, Teufel, Welt und alls will in mein Herz hinein:<br \/>\nEs muss ja wundersch\u00f6n und gro\u00dfes Adels sein!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ich tue es Gott gleich (1\/18)<\/em><\/p>\n<p>Gott liebt mich \u00fcber sich: Lieb ich ihn \u00fcber mich,<br \/>\nSo geb ich ihm soviel, als er mir gibt aus sich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ein Wurm besch\u00e4mt uns (6\/32)<\/em><\/p>\n<p>O Spott! Ein seiden Wurm, der wirkt, bis er kann fliegen;<br \/>\nUnd du bleibst, wie du bist, nur auf der Erde liegen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das klingt hier und da etwas altert\u00fcmlich, unvermeidlich; aber es l\u00e4sst auch schon ahnen, wie eine gr\u00f6\u00dfere Menge solcher Epigramme &#8211; und das meint hier: viele Hundert! &#8211; wirkt. Besonders gut ausdr\u00fccken lassen sich in diesem Rahmen Gegens\u00e4tze, und Angelus Silesius macht von dieser M\u00f6glichkeit auch reichlich Gebrauch, ein Epigramm nach dem anderen ist so aufgebaut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der &#8222;cherubinische Wandersmann&#8220; ist eine Sammlung von zumeist sehr kurzen Epigrammen; geschrieben hat diese der christliche Mystiker Angelus Silesius im 17. Jahrhundert. &#8222;Sehr kurz&#8220;, das meint: ein Verspaar lang, und damit schlie\u00dft sich dieser Eintrag an den gestrigen an, denn im Barock war ein solches Verspaar eben ein Alexandriner-Couplet! 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