{"id":3755,"date":"2015-01-18T00:27:40","date_gmt":"2015-01-17T23:27:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3755"},"modified":"2015-01-18T00:31:23","modified_gmt":"2015-01-17T23:31:23","slug":"erzaehlverse-der-blankvers-54","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3755","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Blankvers (54)"},"content":{"rendered":"<p>Der Blankvers hat, wie schon h\u00e4ufig festgestellt, viele Freiheiten; sie geh\u00f6ren zu seinem Wesen. Insofern sind Texte, in denen die Verse ausnahmslos zehn Silben haben und damit immer betont enden, eigentlich schon eine besondere Spielart des Blankverses?!<\/p>\n<p>Einer, der mit dieser Spielart aufs feinste umgehen konnte, war Conrad Ferdinand Meyer, er kam hier ja schon mit derartig aufgebauten Texten vor in <strong>(17) <\/strong>und in <strong>(40)<\/strong>.\u00a0 In diesem Eintrag m\u00f6chte ich ein weiteres St\u00fcck von ihm vorstellen, &#8222;Stapfen&#8220;; es ist etwas l\u00e4nger, und die Einf\u00f6rmigkeit des Verses kommt dadurch noch deutlicher zum Tragen, sein ruhiger Gang tritt noch st\u00e4rker hervor &#8211; und das passt wunderbar zum vermittelten Inhalt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In jungen Jahren war\u2019s. Ich brachte dich<br \/>\nZur\u00fcck ins Nachbarhaus, wo du zu Gast,<br \/>\nDurch das Geh\u00f6lz. Der Nebel rieselte,<br \/>\nDu zogst des Reisekleids Kapuze vor<br \/>\nUnd blicktest traulich mit verh\u00fcllter Stirn.<br \/>\nNass ward der Pfad. Die Sohlen pr\u00e4gten sich<br \/>\nDem feuchten Waldesboden deutlich ein,<br \/>\nDie wandernden. Du schrittest auf dem Bord,<br \/>\nVon deiner Reise sprechend. Eine noch,<br \/>\nDie l\u00e4ng\u2019re, folge drauf, so sagtest du.<br \/>\nDann scherzten wir, der nahen Trennung klug<br \/>\nDas Angesicht verh\u00fcllend, und du schiedst,<br \/>\nDort wo der First sich \u00fcber Ulmen hebt.<br \/>\nIch ging denselben Pfad gemach zur\u00fcck,<br \/>\nLeis schwelgend noch in deiner Lieblichkeit,<br \/>\nIn deiner wilden Scheu, und wohlgemut<br \/>\nVertrauend auf ein baldig Wiedersehn.<br \/>\nVergn\u00fcglich schlendernd sah ich auf dem Rain<br \/>\nDen Umriss deiner Sohlen deutlich noch<br \/>\nDem feuchten Waldesboden eingepr\u00e4gt,<br \/>\nDie kleinste Spur von dir, die fl\u00fcchtigste,<br \/>\nUnd doch dein Wesen: wandernd, reisehaft,<br \/>\nSchlank, rein, walddunkel, aber o wie s\u00fc\u00df!<br \/>\nDie Stapfen schritten jetzt entgegen dem<br \/>\nZur\u00fcck dieselbe Strecke Wandernden:<br \/>\nAus deinen Stapfen hobst du dich empor<br \/>\nVor meinem innern Auge. Deinen Wuchs<br \/>\nErblickt\u2019 ich mit des Busens zartem Bug.<br \/>\nVor\u00fcber gingst du, eine Traumgestalt.<br \/>\nDie Stapfen wurden jetzt undeutlicher,<br \/>\nVom Regen halb gel\u00f6scht, der st\u00e4rker fiel.<br \/>\nDa \u00fcberschlich mich eine Traurigkeit:<br \/>\nFast unter meinem Blick verwischten sich<br \/>\nDie Spuren deines letzten Gangs mit mir.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Ruhiger Gang&#8220; meint nun aber keineswegs, die Verse w\u00e4ren langweilig &#8211; Meyer hat viel Abwechslung drin, das Ohr bekommt immer neue Besch\u00e4ftigung, und einmal, in der &#8222;Wesensbeschreibung&#8220; und gleich danach, wird der Vers auch so kr\u00e4ftig, wie es Blankvers-Texte oft durchg\u00e4ngig sind; und auch das passt und f\u00fcgt sich. Ein beeindruckendes Gedicht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Blankvers hat, wie schon h\u00e4ufig festgestellt, viele Freiheiten; sie geh\u00f6ren zu seinem Wesen. 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