{"id":3759,"date":"2015-01-19T00:19:08","date_gmt":"2015-01-18T23:19:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3759"},"modified":"2015-01-19T00:31:23","modified_gmt":"2015-01-18T23:31:23","slug":"erzaehlverse-der-trochaeische-vierheber-37","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3759","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der troch\u00e4ische Vierheber (37)"},"content":{"rendered":"<p>Den &#8222;Stapfen&#8220; des Schweizers Conrad Ferdinand Meyer m\u00f6chte ich &#8222;Erinnerung&#8220; an die Seite stellen, verfasst vom zwanzig Jahre \u00e4lteren Schwaben Eduard M\u00f6rike. Sind es Meyer die Blankverse, so sind es bei M\u00f6rike die tr\u00f6ch\u00e4ischen Vierheber; auch sie sehr regelm\u00e4\u00dfig, man hat beim lauten Lesen oft M\u00fche, nicht zu prosaisch im Ton zu werden!<\/p>\n<p>Hier also M\u00f6rikes junge Frau auf ihrem Weg, in Begleitung eines jungen Mannes, bei Regen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erinnerung<\/strong><br \/>\n<em>An C.N.<\/em><\/p>\n<p>Jenes war zum letzten Male,<br \/>\nDass ich mit dir ging, o Cl\u00e4rchen!<br \/>\nJa, das war das letztemal,<br \/>\nDass wir uns wie Kinder freuten.<\/p>\n<p>Als wir eines Tages eilig<br \/>\nDurch die breiten, sonnenhellen,<br \/>\nRegnerischen Stra\u00dfen, unter<br \/>\nEinem Schirm geborgen, liefen;<br \/>\nBeide heimlich eingeschlossen<br \/>\nWie in einem Feenst\u00fcbchen,<br \/>\nEndlich einmal Arm in Arme!<\/p>\n<p>Wenig wagten wir zu reden,<br \/>\nDenn das Herz schlug zu gewaltig,<br \/>\nBeide merkten wir es schweigend,<br \/>\nUnd ein jedes schob im stillen<br \/>\nDes Gesichtes gl\u00fchnde R\u00f6te<br \/>\nAuf den Widerschein des Schirmes.<\/p>\n<p>Ach, ein Engel warst du da!<br \/>\nWie du auf den Boden immer<br \/>\nBlicktest, und die blonden Locken<br \/>\nUm den hellen Nacken fielen.<\/p>\n<p>&#8222;Jetzt ist wohl ein Regenbogen<br \/>\nHinter uns am Himmel&#8220;, sagt ich,<br \/>\n&#8222;Und die Wachtel dort im Fenster,<br \/>\nDeucht mir, schl\u00e4gt noch eins so froh!&#8220;<\/p>\n<p>Und im Weitergehen dacht ich<br \/>\nUnsrer ersten Jugendspiele,<br \/>\nDachte an dein heimatliches<br \/>\nDorf und seine tausend Freuden.<br \/>\n&#8211; &#8222;Wei\u00dft du auch noch&#8220;, frug ich dich,<br \/>\n&#8222;Nachbar B\u00fcttnermeisters H\u00f6fchen,<br \/>\nWo die gro\u00dfen Kufen lagen,<br \/>\nDrin wir sonntags nach Mittag uns<br \/>\nImmer h\u00e4uslich niederlie\u00dfen,<br \/>\nPlauderten, Geschichten lasen,<br \/>\nW\u00e4hrend droben in der Kirche<br \/>\nKinderlehre war &#8211; (ich h\u00f6re<br \/>\nHeute noch den Ton der Orgel<br \/>\nDurch die Stille ringsumher):<br \/>\nSage, lesen wir nicht einmal<br \/>\nWieder wie zu jenen Zeiten<br \/>\n&#8211; Just nicht in der Kufe, mein ich &#8211;<br \/>\nDen beliebten &#8218;Robinson&#8216;?&#8220;<br \/>\nUnd du l\u00e4cheltest und bogest<br \/>\nMit mir um die letzte Ecke.<br \/>\nUnd ich bat dich um ein R\u00f6schen,<br \/>\nDas du an der Brust getragen,<br \/>\nUnd mit scheuen Augen schnelle<br \/>\nReichtest du mir&#8217;s hin im Gehen:<br \/>\nZitternd hob ich&#8217;s an die Lippen,<br \/>\nK\u00fcsst es br\u00fcnstig zwei- und dreimal;<br \/>\nNiemand konnte dessen spotten,<br \/>\nKeine Seele hat&#8217;s gesehen,<br \/>\nUnd du selber sahst es nicht.<\/p>\n<p>An dem fremden Haus, wohin<br \/>\nIch dich zu begleiten hatte,<br \/>\nStanden wir nun, wei\u00dft, ich dr\u00fcckte<br \/>\nDir die Hand und &#8211;<\/p>\n<p>Dieses war zum letzten Male,<br \/>\nDass ich mit dir ging, o Cl\u00e4rchen!<br \/>\nJa, das war das letztemal,<br \/>\nDass wir uns wie Kinder freuten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich &#8222;Erinnerung&#8220; zum ersten Mal gelesen habe, war ich noch ziemlich jung an Jahren, und der Text hat mich damals, das wei\u00df ich noch, nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig beeindruckt. Aber wie mit so vielen Texten M\u00f6rikes, so auch mit diesem: Liest man sie mehr als einmal, werden sie vertraut, und dann merkt man, was f\u00fcr wunderbare Gedichte sie sind!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den &#8222;Stapfen&#8220; des Schweizers Conrad Ferdinand Meyer m\u00f6chte ich &#8222;Erinnerung&#8220; an die Seite stellen, verfasst vom zwanzig Jahre \u00e4lteren Schwaben Eduard M\u00f6rike. Sind es Meyer die Blankverse, so sind es bei M\u00f6rike die tr\u00f6ch\u00e4ischen Vierheber; auch sie sehr regelm\u00e4\u00dfig, man hat beim lauten Lesen oft M\u00fche, nicht zu prosaisch im Ton zu werden! 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