{"id":3843,"date":"2015-02-06T00:37:06","date_gmt":"2015-02-05T23:37:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3843"},"modified":"2015-02-14T01:20:04","modified_gmt":"2015-02-14T00:20:04","slug":"der-grosse-unterschied","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3843","title":{"rendered":"Der gro\u00dfe Unterschied"},"content":{"rendered":"<p>Hier beim Verserz\u00e4hler werden unterschiedliche Versformen vorgestellt, so zum Beispiel das Reimpaar aus iambischen Vierhebern und das Distichon, also gleichfalls ein Verspaar, gebildet aus einem Hexameter und einem Pentameter.<\/p>\n<p>Wie unterschiedlich diese Formen wirklich sind, bemerkt man oft erst, wenn sie unmittelbar aufeinandertreffen!<\/p>\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr ist Heinrich Hoffmanns Kom\u00f6die &#8222;Die Mondz\u00fcgler&#8220;, in der eine unglaubliche Vielfalt von Versformen zur Anwendung gelangt; und eben auch Reimpaar und Distichon.<\/p>\n<p>Gleich im Prolog ruft Merkur Till Eulenspiegel aus dem Grab und tr\u00e4gt ihm auf, dem Publikum einen &#8211; Prolog zu sprechen. Dazu gibt er ihm eine alte athenische Theatermaske; und im folgenden spricht Till in Reimpaaren, wenn er nicht durch die Maske spricht, und in Distichen, wenn er durch sie spricht! Das klingt dann so:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mein hochverehrtes Publikum,<br \/>\nIch gr\u00fc\u00dfe dich! Du wei\u00dft, warum<br \/>\nMit frischem Wort ich mich erk\u00fchne<br \/>\nHier aufzutreten auf der B\u00fchne.<br \/>\nZwar scheint mir schlecht gew\u00e4hlt die Zeit<br \/>\nZu Mummenschanz und Lustbarkeit.<br \/>\nWenn gr\u00fcn der Wald, der Himmel heiter,<br \/>\nDann wird das Herz uns froh und weiter,<br \/>\nUnd was in rauhen Wintertagen<br \/>\nWir gern gesehn mit Wohlbehagen,<br \/>\nWir lassen&#8217;s ruhn im engen Haus;<br \/>\nIn&#8217;s Freie strebt der Sinn hinaus.<br \/>\nF\u00fcr mich jedoch und f\u00fcr mein Wort<br \/>\nIst diese Maske sehr am Ort.<br \/>\nIch will mich herzlich gern bequemen,<br \/>\nDies fremde Antlitz anzunehmen;<br \/>\nDenn wenn mein Spruch euch nicht beleidigt,<br \/>\nSo ist die Maske schnell beseitigt;<br \/>\nDoch werd ich keines Beifalls froh,<br \/>\nDann bleib ich fein inkognito;<br \/>\nUnd h\u00e4tt&#8217;s der Dichter gut bedacht,<br \/>\nSo h\u00e4tt&#8216; er&#8217;s ebenso gemacht.<\/p>\n<p><em>(durch die Maske sprechend)<\/em><br \/>\nNicht um Possen zu rei\u00dfen und nicht zu fl\u00fcchtiger Kurzweil<br \/>\nGibt der Dichter sein Werk. Ernsteres hatt&#8216; er im Sinn.<br \/>\nUnd was euch t\u00e4ndelnd erscheint, er erfand&#8217;s mit gefalteter Stirne;<br \/>\nL\u00e4chelnd verk\u00fcndet sein Mund, was ihn im Herzen gegr\u00e4mt.<br \/>\nSchaut ihr aus leuchtendem Golde geformt die gl\u00e4nzende Schale,<br \/>\nNimmer gedenkt ihr der M\u00fch, die es im Schachte gewann,<br \/>\nDenket der H\u00e4nde nicht mehr, die emsig aus tiefer Umnachtung<br \/>\nLichtw\u00e4rts sandten den Schatz, dessen das Aug sich erfreut. \u2013<br \/>\nWertlos scheinet der Witz, wenn tieferen Sinns er ermangelt,<br \/>\nUnd nur, ein eiteler Geck, selbst sich im Spiegel begafft.<br \/>\nGern auf l\u00e4ndlichem Pfad begegnet der eilende Wandrer<br \/>\nBlumen des Feldes, und pfl\u00fcckt auch sich zum Schmucke den Strau\u00df;<br \/>\nAber mit sinnendem Blicke verweilt er, sobald er erkannt hat,<br \/>\nDass in dem duftenden Kelch heilende Kraft sich verbirgt.<br \/>\nSo auch m\u00f6ge der Scherz als kr\u00e4ftige Bl\u00fcte gedeihen,<br \/>\nUnd um der Wahrheit Kern schling er ein zierliches Blatt!<\/p>\n<p><em>(Die Maske abnehmend)<\/em><br \/>\nDie Narrheit und die Weisheit sind<br \/>\nVon Urbeginn Geschwisterkind.<br \/>\nWer ist&#8217;s, der mir die Grenze nennt,<br \/>\nDie T\u00f6richtes von Klugem trennt?<br \/>\nWir alle tragen Schellenkappen.<br \/>\nMinerva f\u00fchrt dasselbe Wappen<br \/>\nIn ihrem Staats- und Kammersiegel,<br \/>\nDie Eule, wie Till Eulenspiegel.<br \/>\nUnn\u00f6tig war&#8217;s f\u00fcr solche Sachen,<br \/>\nMit Distichen sich breit zu machen.<br \/>\nDoch eins r\u00e4umt ihr gewisslich ein:<br \/>\nDer Dichter muss ein Doktor sein,<br \/>\nWeil er die Pillen, die er reicht,<br \/>\nMit Honig sorgsam erst bestreicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Und immer so weiter im dauernden Wechsel. Was f\u00fcr ein himmelweiter Unterschied! Aber auch sehr wirkungsvoll; und Hoffmann wei\u00df mit dieser unterschiedlichen Wirkung einiges anzufangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier beim Verserz\u00e4hler werden unterschiedliche Versformen vorgestellt, so zum Beispiel das Reimpaar aus iambischen Vierhebern und das Distichon, also gleichfalls ein Verspaar, gebildet aus einem Hexameter und einem Pentameter. Wie unterschiedlich diese Formen wirklich sind, bemerkt man oft erst, wenn sie unmittelbar aufeinandertreffen! 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