{"id":3855,"date":"2015-02-09T00:45:04","date_gmt":"2015-02-08T23:45:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3855"},"modified":"2015-02-15T00:56:52","modified_gmt":"2015-02-14T23:56:52","slug":"eine-begegnung-im-park-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3855","title":{"rendered":"Eine Begegnung im Park (7)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/2015\/02\/05\/einebegegnung-im-park-6\/\">Sechster Teil<\/a><\/p>\n<p>&#8222;Sie schon wieder&#8220;, seufzte Ursula F\u00fcrchtegott.<\/p>\n<p>&#8222;Ich schon wieder&#8220;, best\u00e4tigte Dr. Sotz der Leiterin des Stadtarchivs und wies auf den Spielzeugroboter, den er sich unter den linken Arm geklemmt hatte. &#8222;Diesen kleinen Burschen kennen Sie ja schon, und das hier&#8220; &#8211; er deutete auf den neben ihm stehenden Heinrich &#8211; &#8222;ist ein Freund, mit dem zusammen ich Dinge erlebt habe, die aufzukl\u00e4ren ohne Ihre Hilfe nicht m\u00f6glich ist!&#8220;<\/p>\n<p>Ein zweiter Seufzer. &#8222;Wie immer also. Na gut, bringen wir&#8217;s hinter uns &#8211; was brauchen Sie?&#8220;<\/p>\n<p>Dr. Sotz entrollte eine lange Liste, r\u00e4usperte sich; und trug vergn\u00fcgt deren Inhalt vor.<\/p>\n<p>Einen m\u00fchseligen Arbeitstag sp\u00e4ter verlie\u00dfen Dr. Sotz und Heinrich das Archiv, suchten Dr. Sotz&#8216; nahegelegene Junggesellenwohnung auf und verbrachten einen Gro\u00dfteil der Nacht mit dem Versuch, aus dem erworbenen Wissen ein schl\u00fcssiges Bild zu gewinnen; nach einigen wenigen Stunden Schlafs kehrten sie dann ins Archiv zur\u00fcck, um noch einige Einzelheiten zu \u00fcberpr\u00fcfen. Mittags schlie\u00dflich wanderten sie zum Markt-Cafe, wo sie trotz des dem Markttag geschuldeten Gedr\u00e4nges einen Tisch bekamen, einen gr\u00fcnen Tee bestellten und tranken; und schlie\u00dflich daran gingen, die Bausteine des R\u00e4tsels endg\u00fcltig zusammenzusetzen.<\/p>\n<p>&#8222;Also&#8220;, begann Dr. Sotz und bl\u00e4tterte in seinen Unterlagen. &#8222;Wir haben Anfang des 16. Jahrhunderts einen Alchimisten, Adalbert von Sch\u00f6nburg.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Der hatte, geheimniskr\u00e4merisch wie alle Alchimisten, ein Haus weit vor der Stadt auf einem Gel\u00e4nde, das bald danach von der wachsenden Stadt verschluckt worden ist; der heutige Stadtpark&#8220;, nahm Heinrich den Faden auf.<\/p>\n<p>&#8222;Genau. Besch\u00e4ftigt hat er sich mit &#8230;&#8220;, Dr. Sotz schlug um, &#8222;&#8230; der Vorstellung eines k\u00fcnstlichen Menschen; er wollte einen Homunkulus erschaffen. Den damaligen Chroniken und Gerichtsakten zufolge war er dabei ziemlich erfolgreich und hatte viele der ben\u00f6tigten Stoffe bereits hergestellt, als er angeklagt, verurteilt und anschlie\u00dfend verbrannt wurde. Seine Chemikalien und Ger\u00e4tschaften belie\u00df man im Keller seines Hauses, der aber vermauert und versiegelt wurde.<\/p>\n<p>Ende des 18. Jahrhunderts wurde das verfallende Geb\u00e4ude dann vom Raubdrucker Peter Marteau als Lagerraum benutzt. Er verspekulierte sich, als er eine gr\u00f6\u00dfere Menge an Klopstock-B\u00e4nden druckte zu einer Zeit, als Klopstocks Ruhm schon im Schwinden war; und darauf sitzen blieb und pleite ging. Da inzwischen die Kellerdecke an einer Stelle eingebrochen war, wurden die B\u00fccher kurzerhand zur Auff\u00fcllung des darunter liegenden Hohlraums verwendet.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Hohlraum&#8220;, sagte der Spielzeugroboter.<\/p>\n<p>&#8222;Danach&#8220;, Dr. Sotz lie\u00df sich nicht st\u00f6ren, &#8222;verfiel das Haus endg\u00fcltig und wurde abgerissen. So weit, so bekannt. \u00dcber die wirklich entscheidenden Dinge wissen wir aber immer noch nichts: Was geschah in all den langen Jahren in der Finsternis des Kellers, wie verbanden sich die Stoffe, die einen k\u00fcnstlichen Menschen ergeben sollten, mit den Worten des gr\u00f6\u00dften Dichters der Empfindsamkeit, dessen Gedichte vor Gef\u00fchl \u00fcberquellen und denen die Kraft der sprachlichen Bewegung so wichtig ist? Wie konnte aus jahrhundertealten Pasten und P\u00fclverchen, die sich auf die Seiten vermodernder Gedichtb\u00e4nde schmierten, das werden, was wir im Stadtpark gesehen haben? War es einfache Chemie, oder doch eine Art Wort-Homunkulus?!&#8220; Er schlug auf den Tisch, dass die Teetassen klirrten. &#8222;Ich muss es wissen!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Dr. Sotz, beruhigen Sie sich doch!&#8220;, verlangte Heinrich. &#8222;So langsam hege ich den Verdacht, die Vorstellung eines Homunkulus ist f\u00fcr Sie nicht wirklich das Hirngespinnst, das es sein sollte?&#8220;<\/p>\n<p>Dr. Sotz wich Heinrichs strengem Blick aus. &#8222;Alles, was ich will, ist: die ganze Sache verstehen. Was dabei Hirngespinst ist und was nicht, wird sich zeigen!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Stichwort&#8220;, meldete sich der Spielzeugroboter noch einmal zu Wort.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/2015\/02\/15\/eine-begegnung-im-park-8\/\">Achter Teil<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sechster Teil &#8222;Sie schon wieder&#8220;, seufzte Ursula F\u00fcrchtegott. &#8222;Ich schon wieder&#8220;, best\u00e4tigte Dr. Sotz der Leiterin des Stadtarchivs und wies auf den Spielzeugroboter, den er sich unter den linken Arm geklemmt hatte. &#8222;Diesen kleinen Burschen kennen Sie ja schon, und das hier&#8220; &#8211; er deutete auf den neben ihm stehenden Heinrich &#8211; &#8222;ist ein Freund,&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3855\">Read More <span class=\"screen-reader-text\"> in Eine Begegnung im Park (7)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-3855","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3855","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3855"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3855\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3879,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3855\/revisions\/3879"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3855"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3855"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3855"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}