{"id":3905,"date":"2015-02-22T01:03:45","date_gmt":"2015-02-22T00:03:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3905"},"modified":"2015-02-22T01:09:12","modified_gmt":"2015-02-22T00:09:12","slug":"erzaehlformen-das-reimpaar-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3905","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Reimpaar (17)"},"content":{"rendered":"<p>Reimpaare aus iambischen Vierhebern sind heute auch oft die Form, die Gelegenheitsgedichten gegeben wird. Dann klingen die Text schon mal leicht unordentlich und nachl\u00e4ssig &#8211; und sind das auch! Was aber, wenn solche Reimpaare so klingen bei Dichtern, die nachweislich mit Sprache umzugehen wissen?!<\/p>\n<p>Das klassische Beispiel d\u00fcrfte da Ludwig Tieck sein, dessen Gedichte ja schon von seinen Zeitgenossen als sehr nachl\u00e4ssig beurteilt wurden.<\/p>\n<p>Am Anfang von Tiecks &#8222;Phantasus&#8220; sitzt ein Ich, von allerlei Unbill geplagt, &#8222;betr\u00fcbt&#8220; im Zimmer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So sa\u00df ich still in mich geb\u00fcckt,<br \/>\nDen Kopf in meine Hand gedr\u00fcckt,<br \/>\nAls ich, so sinnend, es vernahm,<br \/>\nDass jemand an die T\u00fcre kam;<br \/>\nEs klopfte, und ich rief: &#8222;Herein!&#8220;<br \/>\nDa \u00f6ffnet schnell ein H\u00e4ndelein,<br \/>\nSo wei\u00df wie Baumesbl\u00fct&#8216;, herf\u00fcr<br \/>\nTrat dann ein Kn\u00e4blein in die T\u00fcr,<br \/>\nDas Haupt gekr\u00e4nzt mit jungen Rosen,<br \/>\nDie eben aus den Knospen losen,<br \/>\nWie Rosenglut die Lippen hold,<br \/>\nDas krause Haar ein funkelnd Gold,<br \/>\nDie Augen dunkel, violbraun,<br \/>\nDer Leib gar lieblich anzuschaun.<br \/>\nEr trat vor mich und t\u00e4t sich neigen<br \/>\nUnd sprach alsdann nach kurzem Schweigen:<br \/>\n&#8222;Wie k\u00f6mmt&#8217;s, mein lieber kranker Freund,<br \/>\nDass Ihr hier sitzt, da Sonne scheint?&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;losen&#8220; = &#8222;los, frei werden&#8220;, &#8222;herauskommen&#8220;. Ist das jetzt also nachl\u00e4ssig geschrieben?! Hm. Das macht sich ja am allerehesten daran fest, dass sich F\u00fcllsel-Verse einschleichen; der erste Vers des Reimpaars sagt inhaltlich etwas aus, aber kein Reimwort bietet sich an, die Sache im zweiten Vers weiterzuf\u00fchren; also wird der Vers einfach gef\u00fcllt mit einem Zusatz, und erst das n\u00e4chste Reimpaar nimmt die Handlung wieder auf.<\/p>\n<p>Davon ist nichts zu bemerken bei Tieck?! Nur das &#8222;H\u00e4ndelein&#8220;, klingt, heutzutage erst Recht, gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig; das wird dann einem &#8222;Kn\u00e4blein&#8220; zugeordnet, was, je nach Sichtweise, die Sache rechtfertigt &#8211; oder noch schlimmer macht!<\/p>\n<p>Wenn man Tiecks Text liest, klingt so manches eigenartig. Man merkt aber auch, es hat seinen eigenen Ton, der nicht wackelt und nicht schwankt, und es erz\u00e4hlt geradeheraus und von daher: So kann man schreiben, wenn man mag. Oder man konnte es; heut sollten auch Reimpaartexte wohl etwas anders klingen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reimpaare aus iambischen Vierhebern sind heute auch oft die Form, die Gelegenheitsgedichten gegeben wird. Dann klingen die Text schon mal leicht unordentlich und nachl\u00e4ssig &#8211; und sind das auch! Was aber, wenn solche Reimpaare so klingen bei Dichtern, die nachweislich mit Sprache umzugehen wissen?! 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