{"id":3937,"date":"2015-03-03T00:30:32","date_gmt":"2015-03-02T23:30:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3937"},"modified":"2015-03-03T00:30:32","modified_gmt":"2015-03-02T23:30:32","slug":"erzaehlformen-das-distichon-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3937","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlformen: Das Distichon (13)"},"content":{"rendered":"<p>In <strong>(12)<\/strong> war vom &#8222;Auftauchen unter den G\u00f6ttlichen&#8220; die Rede; so auch hier. In Johann Wolfgang Goethes siebter r\u00f6mischer Elegie verschl\u00e4gt es den Dichter selbst unter die Unsterblichen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>O wie f\u00fchl ich in Rom mich so froh, gedenk ich der Zeiten,<br \/>\nDa mich ein graulicher Tag hinten im Norden umfing,<br \/>\nTr\u00fcbe der Himmel und schwer auf meine Scheitel sich senkte,<br \/>\nFarb- und gestaltlos die Welt um den Ermatteten lag,<br \/>\nUnd ich \u00fcber mein Ich, des unbefriedigten Geistes<br \/>\nD\u00fcstre Wege zu sp\u00e4hn, still in Betrachtung versank.<br \/>\nNun umleuchtet der Glanz des helleren \u00c4thers die Stirne.<br \/>\nPh\u00f6bus rufet, der Gott, Formen und Farben hervor.<br \/>\nSternhell gl\u00e4nzet die Nacht, sie klingt von weichen Ges\u00e4ngen,<br \/>\nUnd mir leuchtet der Mond heller als nordischer Tag.<br \/>\nWelche Seligkeit ward mir Sterblichem! Tr\u00e4um ich? Empf\u00e4nget<br \/>\nDein ambrosisches Haus, Jupiter Vater, den Gast?<br \/>\nAch, hier lieg ich und strecke nach deinen Knieen die H\u00e4nde<br \/>\nFlehend aus. O vernimm, Jupiter Xenius, mich!<br \/>\nWie ich hereingekommen, ich kanns nicht sagen: es fasste<br \/>\nHebe den Wandrer und zog mich in die Hallen heran.<br \/>\nHast du ihr einen Heroen herauf zu f\u00fchren geboten?<br \/>\nIrrte die Sch\u00f6ne? Vergib! Lass mir des Irrtums Gewinn!<br \/>\nDeine Tochter Fortuna, sie auch! die herrlichsten Gaben<br \/>\nTeilt als ein M\u00e4dchen sie aus, wie es die Laune gebeut.<br \/>\nBist du der wirtliche Gott? O dann so versto\u00dfe den Gastfreund<br \/>\nNicht von deinem Olymp wieder zur Erde hinab!<br \/>\n&#8222;Dichter! Wohin versteigest du dich?&#8220; \u2013 Vergib mir: der hohe<br \/>\nKapitolinische Berg ist dir ein zweiter Olymp.<br \/>\nDulde mich, Jupiter, hier, und Hermes f\u00fchre mich sp\u00e4ter<br \/>\nCestius Mal vorbei, leise zum Orkus hinab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Da stecken nun sicher eine Menge an antiken Anspielungen drin und auch an solchen, die &#8222;Goethes Rom&#8220; betreffen (&#8222;Cestius Mal&#8220;, die Pyramide des Cesius, in deren N\u00e4he der protestantische Friedhof Roms lag). Aber die muss man eigentlich gar nicht kennen; spannend ist vor allem zu sehen, wie Gothe den Inhalt durch die Verspaare f\u00fchrt. Mal einen Satz auf mehrere Distichen verteilt, mal zwei S\u00e4tze in einem Distichon, mal einen Satz, einen Gedanken genau in ein Verspaar gegossen. Auch die Zeilenspr\u00fcnge lassen aufhorchen! Und wie immer eigentlich bei Goethe: Nie schlie\u00dft ein Gedanke im Hexameter, und im Pentamter beginnt ein neuer; sondern die Einheit des Distichons bleibt immer gewahrt.<\/p>\n<p>Alles zusammen sorgt dann f\u00fcr ein sehr abwechslungreiches, doch nie ungeordnet wirkendes Spiel mit Form und Inhalt, das den Leser bis zum letzten Vers &#8222;an der Leine beh\u00e4lt!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In (12) war vom &#8222;Auftauchen unter den G\u00f6ttlichen&#8220; die Rede; so auch hier. 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