{"id":3944,"date":"2015-03-06T01:23:29","date_gmt":"2015-03-06T00:23:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3944"},"modified":"2015-03-06T01:23:29","modified_gmt":"2015-03-06T00:23:29","slug":"erzaehlverse-der-trochaeische-fuenfheber-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3944","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der troch\u00e4ische F\u00fcnfheber (5)"},"content":{"rendered":"<p>In Emanuel Geibels nicht allzu langer Verserz\u00e4hlung &#8222;Die wei\u00dfe Schlage&#8220; erlangt<em> Stojan<\/em> durch den Verzehr ebendieser Schlange die Gabe, die Sprach der Tiere zu verstehen (und, wie sich sp\u00e4ter zeigt, auch die des Feuers). Er stellt aber schnell fest, dass die Tiere \u00fcber ihm nicht genehme Dinge reden &#8211; zwei alte Raben machen den Anfang:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Spricht der erste Rabe da zum zweiten:<br \/>\nBruder, sprich, woher hast du den Goldreif,<br \/>\nDen ich gestern sah in deinem Schnabel,<br \/>\nFein und blank, mit sieben roten Steinen?<br \/>\nWo nur hast du den gefunden? Sag mir&#8217;s!<br \/>\nIhm erwidert drauf der andre Vogel:<br \/>\nM\u00e4rlein will ich dir erz\u00e4hlen, Bruder,<br \/>\nVon dem Goldreif wunderliche M\u00e4rlein.<br \/>\nSind nun siebenundzwanzig Jahr und l\u00e4nger,<br \/>\nDass ein M\u00e4gdlein hier im Walde wohnte,<br \/>\nWei\u00df und rot, mit langen schwarzen Z\u00f6pfen.<br \/>\nTrug sie nur ein Hemd von grobem Linnen,<br \/>\nNur Sandalen an den wei\u00dfen F\u00fc\u00dfen,<br \/>\nTrug sie doch ein Antlitz wie die Blumen.<br \/>\nHeller schien die Sonne, wenn sie lachte,<br \/>\nWenn sie sang, so stand das B\u00e4chlein stille,<br \/>\nGr\u00fcner ward der Rasen, drauf sie tanzte.<br \/>\nSieh, da kam des Wegs ein Herr geritten,<br \/>\nReiherfedern an der Zobelm\u00fctze,<br \/>\nGold sein Zaum, sein S\u00e4bel mit Smaragden.<br \/>\nEinmal kam er erst, dann kam er vielmals,<br \/>\nSprach ihr zu und schwur ihr hundert Schw\u00fcre,<br \/>\nSteckt&#8216; ihr an den Finger einen Goldreif<br \/>\nFein und blank, mit sieben roten Steinen,<br \/>\nDass sie seinen Schw\u00fcren glauben m\u00f6chte;<br \/>\nUnd sie glaubt&#8216; und lie\u00df von ihm sich k\u00fcssen.<br \/>\nLieblich d\u00e4ucht&#8216; es ihr den langen Sommer.<br \/>\nAber als im Herbst die V\u00f6gel zogen,<br \/>\nFernhinzogen und nicht wiederkamen,<br \/>\nKam auch er nicht wieder gleich den V\u00f6geln;<br \/>\nWo er blieb, das mag die Sonne wissen.<br \/>\nDoch jedweden Abend kam das M\u00e4gdlein,<br \/>\nSa\u00df am See und weinte hei\u00dfe Tr\u00e4nen,<br \/>\nWeint&#8216; hernieder auf den Schnee im Winter,<br \/>\nUnd im Fr\u00fchjahr auf die blauen Veilchen.<br \/>\nAber in der Nacht der Fr\u00fchlingsgleiche<br \/>\nSchrie sie laut empor vor gro\u00dfer Tr\u00fcbsal,<br \/>\nSprang hinunter dann ins schwarze Wasser.<br \/>\nKeiner hat sie wieder je gesehen;<br \/>\nNur den Goldreif warf der See ans Ufer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Auch die weiteren Einzelheiten der Geschichte werden so erz\u00e4hlt, bis sich Taten und Untaten offenbart haben und am Schluss &#8211; wie es sich geh\u00f6rt, ist man versucht zu sagen &#8211; alle tot sind. Wer mag, kann das nachlesen; um Geibels Vers einzusch\u00e4tzen, reicht schon der knappe Ausschnitt hier.<\/p>\n<p>Wie immer bei Geibel: Sichere Verse, nichts besonderes, aber allemal in der Lage, die Erz\u00e4hlung zu tragen?! Ich glaube, das l\u00e4sst sich auch heute noch gut lesen &#8230; <em>Schriebe<\/em> man es heute, m\u00fcsste man es sicher hier und da auf den heutigen Stand bringen; aber auch dann tr\u00fcge der Vers, da bin ich sicher!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Emanuel Geibels nicht allzu langer Verserz\u00e4hlung &#8222;Die wei\u00dfe Schlage&#8220; erlangt Stojan durch den Verzehr ebendieser Schlange die Gabe, die Sprach der Tiere zu verstehen (und, wie sich sp\u00e4ter zeigt, auch die des Feuers). 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