{"id":3977,"date":"2015-03-15T01:19:18","date_gmt":"2015-03-15T00:19:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=3977"},"modified":"2015-03-15T10:34:05","modified_gmt":"2015-03-15T09:34:05","slug":"erzaehlverse-der-iambische-vierheber-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=3977","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der iambische Vierheber (3)"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Das Feuer im Walde. Eine Idylle&#8220; stammt von Ludwig H\u00f6lty. Es ist ein einigerma\u00dfen seltsamer Text, der oft unfertig und roh wirkt; aber er zeigt doch ganz gut, wie sich mit dem ungereimten, gereihten iambischen Vierheber erz\u00e4hlen l\u00e4sst. Der dabei auch schon mal erzwungen wird; aber Verk\u00fcrzungen wie &#8222;Feur&#8220; statt &#8222;Feuer&#8220; klangen damals weniger fremd als sie es heute tun &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zween Knaben liefen durch den Hain,<br \/>\nUnd lasen Eichenreiser auf,<br \/>\nUnd t\u00fcrmten sich ein Hirtenfeur.<br \/>\nSie freuten sich der sch\u00f6nen Glut,<br \/>\nDie, wie ein helles Osterfeur,<br \/>\nGen Himmel flog, und setzten sich<br \/>\nAuf einen alten Weidenstumpf.<br \/>\nSie schwatzten dies, und schwatzten das,<br \/>\nVom Feuermann, und Ohnekopf,<br \/>\nVom Amtmann, der im Dorfe spukt,<br \/>\nUnd mit der Feuerkette klirrt,<br \/>\nWeil er nach Ansehn sprach und Geld,<br \/>\nWie&#8217;s liebe Vieh die Bauren schund,<br \/>\nUnd niemals in die Kirche kam.<br \/>\nSie schwatzten dies, und schwatzten das,<br \/>\nVom sel&#8217;gen Pfarrer Habermann,<br \/>\nDer noch den Nussbaum pflanzen t\u00e4t,<br \/>\nVon dem sie manche sch\u00f6ne Nuss<br \/>\nHerabgeworfen, als sie noch<br \/>\nZur Pfarre gingen, manche Nuss!<br \/>\nSie segneten den guten Mann<br \/>\nIn seiner k\u00fchlen Gruft daf\u00fcr,<br \/>\nUnd knackten jede sch\u00f6ne Nuss<br \/>\nNoch einmal in Gedanken auf.<br \/>\nDa rauscht das d\u00fcrre Laub empor,<br \/>\nUnd, sieh, ein alter Kriegesknecht<br \/>\nWankt durch den Eichenwald daher,<br \/>\nSagt guten Abend, w\u00e4rmet sich,<br \/>\nUnd setzt sich auf den Weidenstumpf.<br \/>\nWer bist du, guter, alter Mann?<br \/>\nIch bin ein preu\u00dfischer Soldat,<br \/>\nDer, in der Schlacht bei Kunnersdorf,<br \/>\nDas Bein verlor, und, leider Gotts!<br \/>\nVor fremden T\u00fcren betteln muss.<br \/>\nDa ging es scharf, mein liebes Kind!<br \/>\nDa sauseten die Kugeln uns,<br \/>\nWie tausend Teufel, um den Kopf.<br \/>\nDort flog ein Arm, und dort ein Bein.<br \/>\nWir patschelten durch lauter Blut,<br \/>\nUnd Ross und Reiter lagen da,<br \/>\nWie Kraut und R\u00fcben. Lieber Gott!<br \/>\nSprach Hans, und sahe T\u00f6ffeln an.<br \/>\nMein Seel! ich werde kein Soldat,<br \/>\nUnd wandre lieber hintern Pflug.<br \/>\nDa sing ich mir die Arbeit leicht,<br \/>\nUnd spring und tanze wie ein Hirsch,<br \/>\nUnd lege, wann der Abend kommt,<br \/>\nMich hintern Ofen auf die Bank.<br \/>\nDoch kommt der Schelmfranzos zur\u00fcck,<br \/>\nDer uns die besten H\u00fchner stahl,<br \/>\nUnd unser Heu und Korn dazu,<br \/>\nDann nehm&#8216; ich einen roten Rock,<br \/>\nUnd auf den Buckel mein Gewehr,<br \/>\nDann komm nur her, du Schelmfranzos!<br \/>\nDas Feuer sank, und w\u00f6lkte kaum<br \/>\nNoch Dampf empor; sie gingen fort.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Das Feuer im Walde. Eine Idylle&#8220; stammt von Ludwig H\u00f6lty. Es ist ein einigerma\u00dfen seltsamer Text, der oft unfertig und roh wirkt; aber er zeigt doch ganz gut, wie sich mit dem ungereimten, gereihten iambischen Vierheber erz\u00e4hlen l\u00e4sst. 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