{"id":4125,"date":"2015-04-07T01:10:49","date_gmt":"2015-04-06T23:10:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=4125"},"modified":"2015-04-07T01:12:58","modified_gmt":"2015-04-06T23:12:58","slug":"erzaehlverse-der-blankvers-57","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=4125","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der Blankvers (57)"},"content":{"rendered":"<p>Paul de Lagarde war ein streitbarer und umstrittener Mensch, von durchaus fragw\u00fcrdigen Ansichten; als Lieblingssch\u00fcler Friedrich R\u00fcckerts war er &#8222;von Haus aus&#8220; Orientalist. Seine folgenden Verse sind &#8222;Essener&#8220; \u00fcberschrieben, eine auf ihre eigen Art umstrittene Gruppe innerhalb des antiken Judentums; und eine eigenartige, fremde Stimmung liegt dann auch \u00fcber de Lagardes Versen, die nicht ohne Reiz sind!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Meer von Sonnenglut der rote Sand:<br \/>\nDas Licht so licht, dass es als Schleier sich<br \/>\nUm Palmen, Felsen, Berge, Himmel windet:<br \/>\nKein lebend&#8216; Wesen in dem Feuerdunst,<br \/>\nKein Vogel dr\u00fcber, keines L\u00fcftchens Hauch:<br \/>\nGeschmolznes Erz der ganze weite Raum.<br \/>\nWie muss es aussehn in der Gotteswelt,<br \/>\nWenn dorthinein sich Menschenherzen wagen,<br \/>\nNur um von ihren Br\u00fcdern frei zu sein.<br \/>\nVon Hellas&#8216; Tempeln und aus Roms Pal\u00e4sten,<br \/>\nAus Seleucias stolzen Kuppelbauten<br \/>\nUnd von des Nils gesegneten Gefilden<br \/>\nFlieht alles Beste in der W\u00fcste Schutz,<br \/>\nDie gar nichts bietet, was das Herz erfreut,<br \/>\nDie nur nichts hegt, was Herzen wehe tut.<br \/>\nUnd wenn des hei\u00dfen Tages warme Asche<br \/>\nAls Nacht sich um den gl\u00fchenden Boden legt,<br \/>\nDann wird am Quell, der wen&#8217;ge Schritte weit<br \/>\nEinsame Palmen und Mimosen tr\u00e4nkt,<br \/>\nDer Menschen Stimme wach: Ein heil&#8217;ger Chor<br \/>\nDankt f\u00fcr die Einsamkeit dem guten Gott,<br \/>\nDer seine Blumen, seine Freuden alle<br \/>\nDen Schlechten schuf, doch seinen Kinder hier<br \/>\nEin ruhig&#8216; Pl\u00e4tzchen lie\u00df, ihm treu zu sein.<br \/>\nHy\u00e4nen und Schakale schweigen still,<br \/>\nWann ihre G\u00e4ste den fernen Vater loben.<br \/>\nEndloser Zug zielsichrer Wanderv\u00f6gel<br \/>\nKreist lichtbeschwingt der Sterne stille Schar,<br \/>\nUnd Nacht f\u00fcr Nacht blickt hinter sie das Herz<br \/>\nDer Fl\u00fcchtlinge, die nach der Heimat suchen.<br \/>\nWer z\u00e4hlt die Tage, wer die N\u00e4chte hier?<br \/>\nSie flohen die Zeit und wollten ewig leben<br \/>\nUnd wissen schon nicht mehr, was Sterben hei\u00dft:<br \/>\nSie l\u00f6schen aus wie Vogellied im Wald.<br \/>\nUnd wenn der Abend eine Leiche sah<br \/>\nVon welken H\u00e4nden in den Sand verscharren,<br \/>\nSo stehn am Morgen neue Br\u00fcder schon,<br \/>\nDen leeren Platz zu f\u00fcllen, vor der Zelle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paul de Lagarde war ein streitbarer und umstrittener Mensch, von durchaus fragw\u00fcrdigen Ansichten; als Lieblingssch\u00fcler Friedrich R\u00fcckerts war er &#8222;von Haus aus&#8220; Orientalist. 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