{"id":4187,"date":"2015-04-14T00:14:48","date_gmt":"2015-04-13T22:14:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=4187"},"modified":"2015-04-14T00:22:36","modified_gmt":"2015-04-13T22:22:36","slug":"erzaehlverse-der-iambische-vierheber-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=4187","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der iambische Vierheber (4)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Grablied<\/strong><\/p>\n<p>Weh dir! dass du gestorben bist.<br \/>\nDu wirst nicht mehr Auroren sehn,<br \/>\nWenn sie vom Morgenhimmel blickt<br \/>\nIn roter Tracht, mit g\u00fcldnem Haar;<br \/>\nUnd die betauten Wiesen nicht,<br \/>\nAuch nicht im melanchol&#8217;schen Hain<br \/>\nDie Sonn&#8216; im Spiegel gr\u00fcner Flut.<br \/>\nDer Veilchen Duft wird dich nicht mehr<br \/>\nErfreun, und das Gemurmel nicht<br \/>\nDes Bachs, der Rosen-B\u00fcsche tr\u00e4nkt,<br \/>\nAuf dem vor Zephirs sanftem Hauch<br \/>\nDie kleinen krausen Wellen fliehn.<br \/>\nAuch wird dich Philomele nicht<br \/>\nMehr r\u00fchren durch der T\u00f6ne Macht,<br \/>\nAuch meines Krausens Laute nicht,<br \/>\nDie Philomelen \u00e4hnlich seufzt.<\/p>\n<p>Allein du wirst auch nicht mehr sehn,<br \/>\nDass sich der Tugendhafte qu\u00e4lt,<br \/>\nSich seiner Bl\u00f6\u00dfe sch\u00e4mt und darbt<br \/>\nUnd seine Lebenszeit verweint;<br \/>\nIndessen dass in Seid&#8216; und Gold<br \/>\nDer B\u00f6sewicht stolziert und lacht.<br \/>\nDu wirst nicht sehn, dass ein Tyrann<br \/>\nDie Ferse freigebornem Volk<br \/>\nIn den gebognen Nacken setzt,<br \/>\nDas ihm Tribut und Steu&#8217;r bezahlt,<br \/>\nNicht f\u00fcr den Schutz, nein, f\u00fcr die Luft.<br \/>\nKein Narr, kein H\u00f6fling wird dich mehr<br \/>\nMit dummer Falschheit peinigen,<br \/>\nUnd keine Rachsucht sieht auf dich<br \/>\nMit scheelen Blicken eines Wolfs.<br \/>\nNicht Ungewitter, Pestilenz<br \/>\nUnd Erdersch\u00fctterung und Krieg<br \/>\nErschreckt dich mehr. Der Erde Punkt<br \/>\n(Samt Pestilenz und Krieg und Not)<br \/>\nFlieht unter deinen F\u00fc\u00dfen fort,<br \/>\nIn Dunst und Blitz gewickelt. Sturm<br \/>\nUnd Donner ruft weit unter dir,<br \/>\nUnd Ruh&#8216; und Freude labt dein Herz<br \/>\nIn Gegenden voll Heiterkeit.<br \/>\nWohl dir, dass du gestorben bist!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ewald von Kleist zeigt hier, aus wie wenig sich Dichtung machen l\u00e4sst: Ein einfaches Gegeneinander, das in seinen beiden Teilen fast ausschlie\u00dflich aufz\u00e4hlend gestaltet wird, wobei besonders der erste Teil eigentlich nur aus lyrischen Versatzst\u00fccken besteht; ein leicht herausgehobener Startpunkt als erster Vers, die gegenteilige Aussage als\u00a0 leicht herausgehobener Schlusspunkt; und fertig! Das ist sicher keine gro\u00dfe Dichtung; aber auch keinesfalls ein schlechtes Gedicht.<\/p>\n<p>Kleists Blankvers-Texte achten oft gar nicht auf die Einheit des Verses. Hier, im k\u00fcrzeren Vierheber, ist es nicht ganz so schlimm &#8211; der Vers bleibt erkennbar, und es gibt nur wenige harte Zeilenspr\u00fcge, und die meist noch da, wo sie auch Wirkung haben (&#8222;Sturm \/ Und Donner&#8220;)! Dadurch tr\u00e4gt der gereihte iambische Vierheber sicher auch bei zum zwanglosen Eindruck des Gedichts, das dabei aber eben doch auch gestaltet wirkt?!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grablied Weh dir! dass du gestorben bist. Du wirst nicht mehr Auroren sehn, Wenn sie vom Morgenhimmel blickt In roter Tracht, mit g\u00fcldnem Haar; Und die betauten Wiesen nicht, Auch nicht im melanchol&#8217;schen Hain Die Sonn&#8216; im Spiegel gr\u00fcner Flut. 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