{"id":4292,"date":"2015-04-26T00:03:59","date_gmt":"2015-04-25T22:03:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ferdi\/?p=4292"},"modified":"2015-04-26T00:05:53","modified_gmt":"2015-04-25T22:05:53","slug":"erzaehlverse-der-trochaeische-vierheber-42","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/verserzaehler.wababbel.de\/?p=4292","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlverse: Der troch\u00e4ische Vierheber (42)"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Bernal Diaz del Castillo&#8220; ist der Titel eines Gedichts von Albert Ehrenstein; es ist aber auch der Name eines Menschen, der wirklich gelebt hat, eines spanischen Konquistadors, der bei der Eroberung Mexikos durch Cortes dabei war und sp\u00e4ter dar\u00fcber auch geschrieben hat.<\/p>\n<p>Allerdings starb er, f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse hochbetagt, im Alter von neunzig Jahren; da gehen Ehrensteins Verse einen anderen Weg &#8211; oder doch nicht?<\/p>\n<p>Ganz gewiss andere, expressionistischere Wege jedenfalls als die troch\u00e4ischen Vierheber, sagen wir, Goethes oder M\u00f6rikes!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bernal Diaz del Castillo<br \/>\nAbschied nahm vom lieben Leben.<br \/>\nSeiner Haare rote Wolke<br \/>\nSchrillt im Wind, dem irren, unter<br \/>\nDer Gewitter Wolkenwust.<\/p>\n<p>Seine Stimme schnaubt im Sturm:<br \/>\n&#8222;Spielte gern mit Stern und Tier.<br \/>\nAckersmann war ich einst Fluren &#8211;<br \/>\nWurde satt der Saatkartoffel.<br \/>\nMutter Gottes starb zum Himmel,<br \/>\nLebend traf ich nur Urhuren;<br \/>\nIhnen hielt ich Hahnentreue.<br \/>\nAls sie mir das Herz zerstampften,<br \/>\nW\u00fcrgte ich die bittre Venus.<\/p>\n<p>Morgenbl\u00fcte, Fr\u00fchlingsvogel<br \/>\nSchandet mit dem Strand, dem andern.<br \/>\nHier ward ich den Negerkindern<br \/>\nDonnerbart, der Gott des Landes.<br \/>\nDoch auch hier auf meinen Spuren<br \/>\nWei\u00dfer Hund: der M\u00f6nche Herden,<br \/>\nH\u00f6llenhelden, Menschenf\u00e4nger.<br \/>\nBr\u00e4t mein Neger sie im Dickicht,<br \/>\nNeue heulen von den Schiffen,<br \/>\nJagen Sklaven, qu\u00e4len Seelen:<br \/>\nZauberwelt st\u00fcrzt ein, vernichtet.<\/p>\n<p>Kraft der heilig hohen Sonne &#8211;<br \/>\nBlend die Teufel, j\u00e4her Strahl!<br \/>\nSieh: ich richte mich mit letztem<br \/>\nFeuer. Brennend krachen meine<br \/>\nBurgen in Stroms Wasserwildnis.<br \/>\nMeine Seele wei\u00df ihr B\u00f6ses,<br \/>\nStrafe traf das Fleisch, ich knecht es,<br \/>\nLernt, im Fr\u00fchling einsam sein.<\/p>\n<p>Aber m\u00fcd bin ich der H\u00fctte<br \/>\nMeiner Trauer, m\u00fcde all der<br \/>\nFelsen, W\u00e4lder, Nahrungsfelder.<br \/>\nL\u00e4nder ihr mit euren Fl\u00fcssen,<br \/>\nSt\u00e4dte, Wiesen, Berg und Tal &#8211; euch<br \/>\nGr\u00fc\u00dfe ich zum letzten Mal.<\/p>\n<p>Armes Ich, wo gehst du hin?<br \/>\nEh ich alt und krank und blind am<br \/>\nStabe wank und sink, hilf mir, o<br \/>\nKlippenweg aus deinen Meeren<br \/>\nEwigkeit!&#8220; Der Ritter Bernal<br \/>\nDiaz del Castillo lie\u00df sich<br \/>\nEine Kugel durch den Kopf gehn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Da kann man \u00fcber eine Menge nachdenken, bezogen auf die Gestaltung; zum Beispiel \u00fcber die seltsamen Reime im vorletzten Abschnitt! Aber auch anderes ist einen genaueren Blick wert &#8211; Zeilenspr\u00fcnge, versetzte Betonungen, &#8222;falsche Anschl\u00fcsse&#8220; &#8230; All das tr\u00e4gt zur Wirkung bei, die ja unzweifelhaft da ist!?<\/p>\n<p>(Entnommen habe ich das Gedicht der 1997 im Klaus Boer Verlag erschienenen und von Hanni Mittelmann herausgegebenen, sch\u00f6nen Ausgabe der Werke Ehrensteins; im Band 4\/I findet es sich auf den Seiten 242 und 243.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Bernal Diaz del Castillo&#8220; ist der Titel eines Gedichts von Albert Ehrenstein; es ist aber auch der Name eines Menschen, der wirklich gelebt hat, eines spanischen Konquistadors, der bei der Eroberung Mexikos durch Cortes dabei war und sp\u00e4ter dar\u00fcber auch geschrieben hat. 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